Rosen vermehren

Nach den Veilchen nun die Rosen - der Monat der schlimmsten Gärtnerarbeit steht kurz bevor. Und bei denen, die endlich gelernt haben, dass das Klima längst ein anderes ist als noch vor hundert Jahren, als man Rosen im Herbst schnitt, folgt bald eine schöne Arbeit. Sobald die winzigen Augen an den Rosenstielen etwas aufquellen, also in meinen Breiten etwa Anfang März, verschneide ich meine Rosen.

Der Vorfrühlingsschnitt hat Vorteile:
Im Winter genieße ich den Schmuck unterschiedlich gefärbter und geformter Hagebutten (und die Vögel genießen sie ebenfalls), die ich für Weihnachtsschmuck im Haus auch mal vergolde. Die Triebe fürs nächste Jahr werden nicht ausgelaugt, weil sie in einem warmen November oder Dezember womöglich vortreiben. Und die Frostschäden halten sich in Grenzen, weil man ja eh nachher schneidet. Wie ich das mache - darüber gibt es im Blog schon Beiträge, die man mit der internen Suchmaschine rechts im Menu aufspüren kann.

Heute geht es darum, den Rosenschnitt nicht wegzuwerfen. Jedenfalls nicht alles. Man kann nämlich daraus neue Rosenpflanzen ziehen! Allerdings nur unter einer Bedingung: Man macht das privat für sich oder verschenkt Pflanzen an Freunde. Rosenzüchtungen sind nämlich ähnlich wie andere Urheberprodukte gesetzlich geschützt und werden im gewerblichen Bereich lizensiert. Es ist also verboten, die Züchtungen anderer für gewerbliche Zwecke zu vermehren. Vorweg sei gesagt: Auch im privaten Bereich lohnt sich das Verfahren nur bei geduldigen Leuten, denn das Ergebnis braucht ein paar Jahre. Der Ungeduldige investiert dann doch lieber das Geld beim Gärtner - und da wird es jetzt höchste Zeit, neue Pflanzen zu kaufen.
Und was man heutzutage leider dazusagen muss: Schneiden Sie nicht in fremden Gärten herum, womöglich in öffentlichen Rosengärten. Bitten sie allenfalls die Gartenbesitzer freundlich, wenn sie bei der Arbeit sind, Ihnen etwas Stecklingsmaterial zu überlassen.

Zur Stecklingsvermehrung brauche ich:
Zu verschneidende Rosen
Eine scharfe, saubere Rosenschere
Genügend Töpfe mit einem humosen Torf-Sand-Gemisch (ich nehme lieber Erde-Sand)
Ein Bewurzelungshormon (gibt es als Pulver)

Am besten eignen sich Floribunda-Rosen, Zwergrosen, Bodendecker, manche Teehybriden, Wildrosen und botanische Sorten, Rambler und Kletterrosen.
Verwendet wird vom Rosenschnitt jeder Stiel von der Triebspitze ab, der gesund ist, keinerlei Pilze zeigt und gut ausgereift ist, also nicht zu schwach und dünn - aber auch nicht verholzt.

So vermehrt man mit Stecklingen:
Man schneidet etwa zwanzig Zentimeter lange Steckhölzer schräg ab, so dass genügend Augen unter der Erde bleiben - aus ihren Achseln wachsen die Wurzeln. Wer sich genau auskennt, kann die Bewurzelung mit einem leichten kreisförmigen Anritzen (desinfiziertes Messer) um die künftige Austrittsstelle beschleunigen - wer die Bewurzelung nicht kennt, sollte dies besser nicht tun.
Dann tauche ich die Stecklinge zuerst in Wasser und dann in das Hormonpulver und stecke sie sofort schön tief in die Erde. Die wird ordentlich angedrückt und bei frostfreiem Wetter (!) angefeuchtet. Manche Leute stülpen bei Kälte eine Flasche nachts über Stecklinge, damit habe ich keine Erfahrung, bisher ging es ohne, wenn man anfangs nicht zu viel gießt.

Da nicht alle Stecklinge angehen, kann man sie anfangs recht eng setzen, und zwar viele davon. Ganz wichtig ist die Kennzeichnung der Sorten, man vergisst das nämlich, wenn die zarten Pflänzchen nicht im ersten Jahr blühen! Im fortgeschrittenen Frühling werden die bewurzelten Stecklinge aus den Augen Knospen bilden, die anderen vertrocknen. Dann ist es Zeit, die guten sehr vorsichtig in eigene Töpfe zu setzen. Wegwerfen sollte man aber nur vertrocknetes Holz, so manche Sorte braucht nämlich einfach nur besonders lang. Die Töpfe können an einem geschützten Platz draußen bleiben.
Im Sommer ist es wichtig, die Pflanzen ausreichend zu gießen, allerdings auch nicht zu ersäufen. Im Winter bleiben die Töpfe draußen, müssen aber wegen ihrer Größe noch gut gegen Frost geschützt werden. Man kann dazu die Töpfe in einen großen Kasten mit Erde einsetzen, die Rosen werden mit Tannenreisig oder Frostschutzfolie bedeckt. Wichtig ist, dass man die Pflanzen bei Frost nicht gießt. Hilfreich sind Plastiktöpfe, die nicht wie Ton gefrieren und springen können.

Je nach Austrieb blühen die ersten Pflänzchen im zweiten oder dritten Jahr, natürlich noch zaghafter und kleiner als die Mutterpflanze. Man behält nur die stärksten Pflanzen (sie werden ja mal genauso groß wie die Mutterpflanze) und kann diese auch als Kübelrosen für Balkon oder Terasse erziehen (siehe Beitrag "Kübelrosen" im Blog). Natürlich brauchen sie bei Krankheiten oder Schädlingsbefall etwas mehr Pflege als ausgewachsene Rosen - aber etwa im fünften Jahr belohnen sie den geduldigen Gärtnern mit schönen Blüten. Wer diese Arbeit einmal gemacht hat und die Rückschläge und Schwierigkeiten kennt, wird künftig verstehen, warum mehrjährige Rosenzüchtungen im Laden nicht billig-billig sein können.Und natürlich lassen sich nicht alle Sorten per Steckling vermehren - es kann also gleich schiefgehen!

Rosen kann man außerdem durch Absenken (Kletterrosen, Rambler, Wildrosen), das komplizierte Okulieren oder durch Samen vermehren. Die letzten beiden Arten sind aber nur etwas für wirklich passionierte Gärtner...

Keine Gartentipps, aber dafür jede Menge Geschichten, Anekdoten und Kulturgeschichte der Rose, Rosenkunst und Rosenliteratur:
Petra van Cronenburg: Das Buch der Rose, Parthas Verlag Berlin

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