Autoren in Scheiben: Self Publishing? (2)

Nachdenken über Publikationsformen in drei Teilen:
Was spricht für Self Publishing?

Wie schon gesagt, kann man nicht alles über einen Kamm scheren, Verlage auch nicht. Durch die Buchhandelskonzentration bleiben immer mehr Verlage bei den Kettenbuchläden außen vor - weil sie zu klein sind, weil sie nicht die geforderten Rabatte oder Zahlungen leisten können. Dagegen hörte ich von eben diesen Kettenbuchläden, dass einige sogar in Einzelfällen SP(= self publishing)-Autoren aus dem lokalen Umfeld aufgenommen haben. Kommt dazu, dass nicht jeder Verlag über eine wirklich gute Marketingabteilung verfügt, dass nicht jedes Buch überhaupt Werbung bekommt. Immer mehr Autoren müssen sich auch in Verlagen selbst vermarkten. Hakt es dann außerdem noch beim Lektorat, das höchstens noch ein Korrektorat ist (im Fach- und Sachbuch reißt das ein) - warum dann nicht wirklich alles selbst machen und zum Unternehmer werden? Mit eigenem Risiko, aber auch eigener Erfolgschance.

Nicht jeder Verlagsautor schreibt gute Verkaufszahlen, aus unterschiedlichen Gründen. Wer sich am unteren Limit bewegt, kann sich durchaus selbst verkaufen. Viele AutorInnen erarbeiten sich heutzutage direkter und zielgenauer ein eigenes Publikum (das muss man aber können!) Der Dialog AutorIn - LeserIn wird immer wichtiger für den Abverkauf - hier sind Independent-Verlage stark, andere versagen eher, weil die Abläufe zu automatisiert sind. Ich habe das mehrfach angedeutet: Mit meinem selbst produzierten Buch habe ich trotz immenser Maloche Kontakte schaffen können, die mir kein Verlag hätte besorgen können. Kontakte nicht nur für den Buchverkauf, sondern auch für spätere Arbeiten. Und in den beiden Monaten, die es auf dem Markt ist, habe ich trotz Nischenthema immerhin schon die Verkaufszahl erreicht, mit der eine Abwicklungsfirma einst eins meiner Bücher innerhalb von einem Jahr an die Wand gefahren hat. Wenn im Oktober Artikel dazu erscheinen werden, verspreche ich mir eine weitere Steigerung. Man kommt nicht ins Feuilleton, aber in die Fachpresse oder Lokalpresse.
Self Publishing eignet sich zunehmend für Fach- und Sachbücher, vor allem bei fest umrissenen Zielpublikum, das man selbst ansprechen kann. Ich weiß von Fachbuchautoren, die eine Auflage von 2000 bis 3000 Stück in Eigenproduktion schaffen - im Hardcover längst keine Selbstverständlichkeit mehr in Verlagen.

Self Publishing verlangt Unternehmerpersönlichkeiten und Teamwork (mit Grafikern, Lektoren etc.), gewährt aber auch die totale Freiheit innerhalb der technischen Grenzen. Es eignet sich also hervorragend für Bücher, die nicht 0815 daherkommen. Interaktive Bücher, manchmal an der Grenze zum Videospiel oder zur App, werden zunehmend privat hergestellt, weil der etablierte Buchmarkt viel zu unbeweglich ist. Bis der Börsenverein fertig diskutiert hat, was das "Prinzip Buch" sein könnte, bewegen sich Tüftler und Leser längst aufeinander zu. E-Books können auch ohne Papierausgabe entstehen und Papierausgaben wieder schön gestaltet werden. Inhalte können direkter auf ein Publikum zugeschrieben werden. Meine Buchform mit Erzähltext im ersten Teil und Fachinterviews im zweiten würde wahrscheinlich keinem Verlag zusagen - wohl aber dem Zielpublikum. Nische, Experiment und Risiko haben wieder eine Chance.


Fortsetzung folgt...

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