Nichts dazugelernt

Zum Metier des Schriftstellers gehört bekanntlich auch der öffentliche Auftritt. Nicht so sehr um Werbung für die Bücher zu machen, denn Lesungen werden meist von Menschen besucht, die das Buch längst besitzen und signiert haben wollen. Nein, hauptberufliche Autoren finanzieren sich damit die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Und weil es so wichtig ist, dass sich der leere Kühlschrank wieder füllt, haben alte Hasen in dem Geschäft gern gute Tipps für KollegInnen. Es gibt nämlich Dinge, die man im Lese-Geschäft unbedingt vermeiden sollte.

Ich Wahnsinnige lese morgen und mache alles falsch, was ich je gelernt habe:
- Mach keine Freilicht-Lesung bei schlechtem Wetter, auch wenn ein Innenraum vorhanden ist.
- Lies nicht am Wochenende, schon gar nicht sonntags.
- Lies lieber im Winter als im Sommer.
- Lies, wo berühmte Kollegen lesen.
- Lies auf keinen Fall während wichtiger Fußballspiele.
- Lies verdammt noch mal nie, wenn Deutschland spielt!

Ich erinnere mich noch, da war mal eine EM, über die sie sogar Filme gedreht haben. Ich sollte während der heißen Phase lesen, in der Stadt war ausgerechnet noch eins der Fußballteams untergebracht. Mein Veranstalter war heilfroh, als ich ihn darum bat, die Veranstaltung doch besser zu verschieben. Ich las dann in der gleichen Stadt vier Wochen später. Ohne EM. Unterm Dach bei Außentemperaturen von 36 Grad im Schatten. Musste gegen das Karajan-Preis-Konzert anstinken und die Eröffnung eines der wichtigsten Feste in dieser Stadt. Nicht mehr Fußball gegen Kultur, sondern Kultur gegen Kultur. Trotzdem unvergesslich: Meine Besucher waren in der afrikanisch anmutenden Hitze unendlich dankbar, dass ich die Lesung abkürzte und sie so erlöste. Stattdessen mit ihnen in den luftigen Kurgarten ein Bier trinken ging. Auf jenem Fest eben.

Tja, nix dazugelernt. Jetzt werde ich sehen, wo ich morgen bleibe. Mit Sommerfesten im aufgeschwemmten Maisland ist's natürlich Essig. Unterwegs werde ich eher Wild am Straßenrand begegnen als russischen Pianisten. Und ich weiß nicht mal, welchem von beiden ich morgen von Frankreich aus die Daumen drücken könnte. Bier ist auch aus. Der Kühlschrank ist nämlich ziemlich leer. Und mein Hund hat was am Bauch (nein, der Kühlschrank vor schon vorher leer). Eigentlich die besten Voraussetzungen für eine niedliche kleine polnische depresja, passend zum unerträglich feucht-schwülen Wetter...

Ob man die Kulturgeschichte der Rosen mit der Kulturgeschichte des Fußballs verknüpfen kann? Ich hab Bauchweh. Komm Hund, lass uns wandern...

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