Wahlen

Die Wahl. Im Grunde habe man keine. Wie jedes Mal nur eine Liste, immer die gleichen gekauften Kandidaten, keine Gegner, keine Opposition - und Junge? Gut, der alte Alleinherrscher trete in diesem Jahr nicht mehr an, vordergründig verspreche der neue Kandidat Umschwung. Er sei jung, relativ gesehen zu den bisherigen Alleinherrschern, man kenne ihn zwar, könne ihn aber nicht so recht beurteilen, alles sei möglich. Aber im Grunde sei auch er nicht neu, sondern die Marionette des Alten. Abhängig. Willfährig. Loyal. Dass der einen eigenen Kopf entwickle, sei zu bezweifeln, der Alte habe ihn doch in der Hand, so wie alle anderen auf der Liste auch und die Familien dazu.

Alles eine Suppe, die sich gegenseitig helfe beim Bereichern, korrupt, verschlagen. Die Kleinen blute man aus, denen erhöhe man die Steuern, die blieben arbeitslos. Und hast du nicht gesehen kumuliert der Kandidat mehrere Ämter und der andere verschafft sich zur Rente noch Reichtum dazu. Die Frau sei auch so eine, von wegen Frauen in die Politik. Die habe sich zum gut bezahlten Staatsberuf noch einen gut bezahlten aus Steuergeldern dazu beschafft, ein eigenes Büro habe man ihr ausgebaut, auf Steuerzahlerkosten. Und dann der Typ, der mit den Computern und dem Alkohol, Tausch sei das keiner gewesen, sondern Korruption, und das Konto nachher leergeräumt.

Wahl, was habe man schon für eine Wahl bei dieser Wahl! Solle man die Stimmzettel ungültig schmieren? Immer die gleichen Kandidaten streichen? Ja, demokratisch sei das alles schon, Wahlbeobachter brauche man da nicht, das seien freie und anständige, demokratische Wahlen. Die Beobachter, die bräuchte man vorher, beim Saufen, wenn sie sich verbrüderten, Geschäfte hin- und herschoben. Aber wenn eine Hand die andere wasche, nun, auch das sei schließlich Freiheit - und nun habe man gar keine richtige Freiheit mehr. Nur noch diese eine Liste mit diesem einen neuen Kandidaten, der doch nur die Marionette des Alten sei.

Originaltöne. Belauscht nicht in Russland. Sondern in einem kleinen Vogesendorf der freien und demokratischen Republik Frankreich anlässlich der Kommunalwahlen, die am 9. und 16.3. stattfinden werden. In einem Dorf mitten in Europa, wo man sich sehnlichst wünscht, man hätte wenigstens der Form halber Opposition. Ein Dorf wie viele Dörfer.

Hintergründe zum Vertiefen: Die Grande Nation im Politchaos, Wie der Vater so der Sohn, Präsident ohne Benimm?, Demokratie à la Sarkoland.

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