Geliebte Erpresser

Wer kennt das nicht: Im Gespräch mit einer Freundin, einem Freund, spricht man aus, was man denkt - und plötzlich kommt eine unvermutete Antwort, die immer den gleichen Effekt hat: Man fühlt sich verdammt mies. Aus einem Menschen, der nur seine Wahrheit sagen wollte, wird ein demütiges Häufchen, zermürbt von Schuldgefühl, oder ein Gefühlsmonster, ein Bösewicht der Beziehungskisten.

Andere Variante: Liebe wird zugeteilt wie Lebensmittelmarken. War man einigermaßen brav, bekommt man einen Kuss auf die Backe. Hat man genauestens erledigt, was der andere erwartete, gibt's sogar einen auf den Mund. Kussentzug? Da hat wohl wieder einmal einer nicht brav funktioniert!

Das Zauberwort heißt "emotionale Erpressung" - die psychologischen und sozialen Parallelen zum gleichnamigen Verbrechen sind kein Zufall, wenn es sich bei dem Verhaltenssymptom auch nicht um Kriminelles, sondern Alltägliches handelt - meist um bereits früh erworbene Verhaltensmuster. Das SZ Magazin weiß, emotionale Erpressungen humorvoll vorzuführen, und sagt dankenswerterweise dazu: Es betrifft beide Geschlechter. Und übrigens nicht nur Liebesbeziehungen. Emotionale Erpresser kann es in Familien geben, unter Freunden, Nachbarn, Arbeitskollegen, Chefs - einfach überall, wo Menschen miteinander in Beziehung treten.

Es existiert ein absolut empfehlenswertes Standardwerk für Laien zum Thema. Das Buch von Susan Forward ist eine Hilfe für Erpresser wie Erpresste. Indem es an Praxisbeispielen objektiv diverse Verhaltensmuster aufdeckt und Gegenstrategien entwirft, gelingt damit in leichten Fällen die Selbsterkenntnis und Selbsthilfe. Forwards Hilfen sind aber auch an Menschen adressiert, die allein und ohne fachliche Hilfe nicht mehr aus dem Teufelskreis kommen - oder an Menschen, die unendlich darunter leiden und nicht wissen, warum.

Die Erste Hilfe für den Akutfall ist dabei so scheinbar einfach wie im SZ-Artikel: Wer zahlt, verliert. Nur wer sich der erpresserischen Situation vollkommen entzieht, kann fruchtbringend an einer Beziehung arbeiten. Die Therapie nach der Ersten Hilfe ist so einfach natürlich nicht, aber auch da lässt einen das Buch nicht alleine, sondern bietet konkrete, gangbare Wege:

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