Kein Aufreger

Heiß diskutiert werden die "Zehn steilen Thesen zur Zukunft des Buchs" von Sebastian Matthes eigentlich nur branchenintern, vor allem in den Kreisen, die sich den Kopf zerbrechen, wie sie in zehn Jahren mit den modernen Gegebenheiten endlich Schritt halten wollen. Ganz so steil sind die Thesen aber doch nicht, weil bereits viele Anzeichen eingetreten sind. Matthes mag sich in einigem irren - so wären zu den kleinen, geilen Verlagen beispielsweise auch kleine, geile Buchhandlungen denkbar. Oder die Idee, die ebenfalls heute schon in vielen Ländern gang und gäbe ist: Autoren werden zur eigenen "Buchzentrale" und verkaufen ihre Werke aus dem eigenen Webshop heraus.

Immerhin freue ich mich, jetzt schon "Zukunft" zu leben, denn Punkt 10 wird mit meinem neuen Sachbuchprojekt erprobt werden. Keinerlei Lizenzwischenhändler mehr, ich selbst lasse mein Buch direkt ins Russische übersetzen - und zwar in der nächsten Nachbarschaft. Abenteuerlich wird das nur, weil ich dann auch Amazon umgehen muss, denn die haben in Russland kein Bein auf dem Boden. Was wiederum beweist, dass Buchhandel auch ohne den amerikanischen Giganten möglich wäre.

Kommentare:

  1. Eine nicht ganz kleine Gruppe von Leuten kauft heute wieder Platten - nicht zuletzt in Plattenläden. Deshalb gebe ich tollen Buchhandlungen gute Chancen.

    Der ganze restliche Wandel lässt sich nicht aufhalten, ich denke aber, dass er nicht ganz so heftig und auch nicht ganz so schnell vor sich gehen wird, wie in paar sehr internetaffine Menschen das vorstellen.

    Uns bleibt: Augen offen halten, mithalten, entscheiden, was wir wollen und ab welchem Punkt wir uns ausklinken (mit allen Konsequenzen).

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  2. Der wichtigste Grund sich von der Belletristik abzuwenden wurde leider nicht genannt: Die Geschichten ähneln sich inzwischen zu sehr.

    Bei Psychothillern geht die Auflösung immer in die gleiche Richtung, die Krimis ähneln sich und ansonsten nur Familiengeheimnisse und Partnerschaftsprobleme.

    So macht Lesen einfach keinen Spaß.

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  3. Ich denke auch, dass die Zukunft eher mehr Vielfalt als nur das Überleben von Extremen bringen wird. Der Börsenverein schaut mir manchmal viel zu wenig über die eigenen Grenzen. Warum eigentlich nicht ChickLit in der angesagten Boutique verkaufen oder als Buchhändler mit dem Weinhändler kooperieren (gibt's hierzulande) - Ideen gäbe es ja zuhauf. Und man sieht das schon heute: Wenn eine Buchhandlung ein scharfes Profil hat und bestimmte Stärken, brummt der Laden.

    Ich denke auch, die inhaltlichen Angebote werden wieder vielfältiger werden. Self Publishing ist der ideale Ort für absolute Nischenangebote und Risikoprojekte, PoD-Technik eignet sich hervorragend für hochliterarische Kleinauflagen. Und das wird sich unweigerlich auf die Verlagsszene auswirken - mit den kleinen geilen Verlagen, die dank neuer Techniken nicht mehr das irre Anfangskapital brauchen wie noch vor Jahren.

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  4. Ich stimme Alice vollkommen zu:
    Eine nicht ganz kleine Gruppe von Leuten kauft heute wieder Platten - nicht zuletzt in Plattenläden. Deshalb gebe ich tollen Buchhandlungen gute Chancen.

    Der ganze restliche Wandel lässt sich nicht aufhalten, ich denke aber, dass er nicht ganz so heftig und auch nicht ganz so schnell vor sich gehen wird, wie in paar sehr internetaffine Menschen das vorstellen.

    Uns bleibt: Augen offen halten, mithalten, entscheiden, was wir wollen und ab welchem Punkt wir uns ausklinken (mit allen Konsequenzen).

    Herzlichst
    Christa

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