Der perfekte Autor

Wenn man Autorenforen im Internet durchstreift, fällt auf, dass oft wie besessen nach Sicherheiten gesucht wird: wie schreibt man das perfekte Buch für den perfekten Leser, wie wird man zum perfekten Autor, wie kann man Schwächen verhindern, bevor man überhaupt angefangen hat zu denken?

Warum redet kaum einer von diesen anderen Autoreneigenschaften, die man wie in allen Künsten haben muss, aber auch entwickeln kann, um ein stabiles Profistadium zu erreichen:
  • Liebe, Lust, Leidenschaft und Hingabe zum Metier
  • Risikobereitschaft und Wagemut
  • Gedankliche Freiheit und Fähigkeit zur Selbstabstraktion
  • Biss, Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit
  • Loslassen können
  • Die Fähigkeit, Versagen oder selbst extrem widrigen Situationen noch etwas Positives oder zumindest Lehrreiches abzugewinnen
  • Die Fähigkeit, immer einen Ausweg zu finden
  • Die Haltung eines "Jetzt-erst-recht"
  • Stressresistenz, Kreativsein auch unter Druck

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Sicherheiten sind mit keinem der Punkte zu gewinnen. Im Gegenteil: wer ein solches Leben akzeptiert, stellt sich dem Chaos, der Unberechenbarkeit - dem Leben. Schreiben ist Leben. Das perfekte Leben wäre Stillstand, Tod. Und ein perfekter Roman liest sich, wie er ist: tot.

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