Feminismus statt Abtreibung

Es gibt Archäologen, die haben so viel Phantasie, dass sie hervorragende Krimis schreiben können. Und es gibt offensichtlich auch Archäologen und Anthropologen, die vergessen bei aller nötigen Interpretation von Fundstücken den wissenschaftlichen Gesamthorizont und das akribische Überprüfen gewagter Hypothesen. Das besondere Hypothesen-Fundstück ist ein noch lebendes Ehepaar aus Arizona, das sich sicher ist, den Schlüssel für das Aussterben der Neandertaler entdeckt zu haben.

Es ist kein Aprilscherz. Die Frauen sind schuld. Die bösen bösen Neandertalerfrauen haben die Neandertaler aussterben lassen. Wie sie das gemacht haben? Ganz einfach: sie sollen emanzipiert gewesen sein. Gut, ein bißchen waren wohl auch die Männer schuld und all die Leutchen dazwischen. Denn auch das will man inzwischen genau wissen: Neandertaler kannten unsere festgefügten Gender-Rollen nicht. Insofern sind die Neandertaler der Geschichte eigentlich wir.

"Husband and wife" Steven L. Kuhn and Mary C. Stiner von der Universität Arizona finden das allerdings nicht. Mahnend erklären sie der Moderne, dass der Feminismus der Steinzeit eine ganze Menschenrasse ausgelöscht habe. Was wir weder mit Pille noch Abtreibung schaffen, hat Mrs Neandertal ganz einfach gelöst: Sie ging auf die Jagd! Man stelle sich das vor! Frau Feuerstein nicht am Kochtopf, wo sie hingehört, sondern bewaffnet bis an die Zähne vor dem fetten Mammut! Tja, und dann ist es passiert. Die unendliche fraueninduzierte Tragödie der Menschheit.

Das Forscherehepaar aus den USA ist sich sicher: Mammut hat gemampft. Zu viele gebärfähige Frauen seien bei der Jagd umgekommen. Und der Rest? Die mögen zwar überlebt haben und vielleicht auch das ein oder andere Neandertalergör in die Welt gesetzt, aber sie waren schlicht viel zu selten daheim. Haben ihre Pflichten beim Sammeln und Hegen und Pflegen vernachlässigt. Kein Wunder, dass dann auch die Männer hops gingen, die die Jagd überlebt hatten. So ein Mammutsteak braucht tüchtig Beilagen, wenn ein Mann richtig groß und stark werden will. Ja, Sie ahnen bereits, was kommt... Homo Dingens, der mit den ordentlichen Hausfrauen an Herd und Feuer, Baby auf dem Arm, Männer-Jäger draußen - und der hat sich durchgesetzt.

Ich denke, es ist müßig, sich jetzt zu fragen, ob damals wirklich nur übergroße, überwilde Viecher vor den Pfeil kamen oder warum ausgerechnet die Mädels so dämlich waren, sich ständig aufschlitzen zu lassen. (Unsereins hätte wahrscheinlich das Fallenstellen entwickelt). Oder warum, wenn es doch noch keine Gender-Rollen gab, die Jungs nicht auch mal im Topf gerührt und Fellklamotten genäht haben. Zum Glück fragen sich weltweit jede Menge Wissenschaftler, ob das Aussterben nicht einsichtigere Gründe gehabt haben könnte: Klimaveränderungen, kulturelle Entwicklungen u.v.m. Schließlich gibt's auch keine Kelten und Römer mehr, Zeiten ändern sich... und selbst die Griechen haben den Gebärstreik der Lysistrate überlebt.

Und was machen wir jetzt mit der "Krone der Schöpfung", diesem dämlichen Homo sapiens sapiens, der Mann wie Frau die Welt übervölkert, aber fröhlich allerlei Arten ausrottet, das Klima wandelt, Kriege anzettelt, grauenhafte Politiker an die Spitze seiner Staaten wählt, andere Menschen terrorisiert, knechtet, tötet, unterdrückt, ja sogar Frauen minder schätzt, steinigt, nach der Geburt beseitigt oder verstümmelt?

Genau Mädels. Auf zur fröhlichen Mammutjagd! Lasst eure Kerls mit Kerner kochen und die Alten Körner mahlen. Wir treffen uns auf Safari. In Arizona.

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