Tunnel ohne Ausgang

Dahlia, die Hauptfigur in meinem Roman Lavendelblues, fährt auf S. 64 nach Baden-Baden und muss durch den Stadttunnel. Dort heißt es:

"Ich hasse es, wenn man in Tunnel gezwungen wird. Drinnen fällt mir immer diese Geschichte ein, die ich einmal gelesen habe, von Reisenden in einem Zug, der in einen Tunnel rast, immer schneller rast, in einen Tunnel ohne Ende."

Als ich die Szene schrieb, ahnte ich nicht die Tragikkomik der Realität. Und jedes Mal wenn ich selbst durch den Michaelstunnel fuhr, falls er nicht des Nachts aus unerfindlichen Gründen ohne Hinweis- und Umleitungsschilder mal wieder gesperrt war, ahnte ich nicht, wie nah sich Roman und Wirklichkeit sein können.

Baden-Baden, die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte und dauerpleite, hat offensichtlich 1989 am falschen Ende gespart. Und alle anderen haben geschlafen. So kommt es, dass man jetzt plötzlich bemerkt, dass dem Michaelstunnel Notausgänge fehlen. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Ein Tunnel ist aber keine Wurst.

Nichts genaues weiß ich nicht, aber offensichtlich soll der Tunnel, der nur zwei Öffnungen und eine schauderhafte Belüftung hat, nächstes Jahr saniert werden. Notausgänge wird man in den Schwarzwaldfels bohren müssen. Und das wird viele Monate dauern. Baden-Baden wird zum Umleitungsspaß werden, für Auswärtige ist die wechselnde Straßenführung und Beschilderung schon jetzt kaum zu verstehen. So kommt es, wenn man am falschen Ende spart...

Aber hoffentlich kommt es nicht wie im dreist erfundenen Roman:
"Zurückfinden ist jedoch genauso schwer, weil sich die Verkehrsführung der Einbahnstraßen mit dem Wochentag, der Uhrzeit und wahrscheinlich der Wetterlage ändert."

Zitate aus: Petra van Cronenburg: Lavendelblues, BLT bei Lübbe, ISBN 3-404-92214-X

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