Der Tag danach

Gestern sind also die korrigierten Fahnen pünktlich im Verlag gelandet. Aufgrund des drängenden Termins hat mein uraltes polnisches Papierfax schnaufen dürfen ... und es hat durchgehalten! 61 Seiten in 51 Minuten, das wurde selbst dem Hund zu langweilig.

Der Tag danach fühlt sich immer eigenartig an. Arbeitskater. Man hat sich tagelang von der Welt abgeschottet, das Leben vergessen, den Briefkasten und Mülleimer nicht mehr geleert, auf Anrufe nicht reagiert. Endlich einmal wieder seit langem so halbwegs ausgeschlafen - so wie man eben ausschläft, wenn man sich das Schlafen in Nachtschichten gerade abgewöhnt hatte.

Und plötzlich ist all das verschwunden, wirklich ein für alle mal bearbeitet, woran man zwei Jahre seines Lebens hing. Es verabschiedet sich nicht. Ich habe die Sekretärin angerufen, ob das Fax da ist, nur um ein eindeutiges Zeichen zu haben: Ja, das war es jetzt. Mein Buch hat mich verlassen, jetzt ist es selbst dran, seine Arbeit zu leisten, Leser zu finden. Und ich bin eigentlich nicht arbeitslos, im Gegenteil, aber ich schwebe heute irgendwo zwischen den Welten.

Da half auch die lange Wanderung mit Rocco nichts. Alles so unwirklich heute. Das Reiherpärchen in den Wiesen hat uns arglos im Sicherheitsabstand von 50 Metern begleitet. Am Bach stand ein schneeweißes Frettchen, machte Männchen und glotzte uns an. Und daheim ... irgendwie war da mal so etwas wie Haushalt. Die Hundehaare auf dem Boden künden von kommendem Frühling. Hatte ich nicht sonst nach Buchabgabe immer die Fenster geputzt? Ich sollte vielleicht öfter mal Bücher abgeben? Aber nein, heute bin ich nur müde, zu nichts zu gebrauchen, und laufe neben mir her, ohne zu wissen, was ich als nächstes tun könnte.

Mein Romanprojekt muss endlich zum Verkauf fertig gemacht werden. Aber das Hirn hat sich verabschiedet. Wahrscheinlich schmort es auf Mallorca in der Sonne. Abgemeldet hatte es sich schon heute morgen, als die letzte Rückfrage zum Text kam:

Haben die Deutschen tatsächlich im Krisenjahr 2004 eine ganze Milliarde Euro nur für Schnittrosen ausgegeben? In diesem Jahr, so eine Summe?
Bis vor kurzem war ich mir sicher, die Summe stimmt. Jetzt zweifelte ich auch. Das war doch dieses Jahr, als es allen so dreckig ging, angeblich für nichts Geld da war. Eine Milliarde Euro in so einem Jahr für Blumen, die in ein paar Tagen verwelkt sind?
Und dann will ich es genau wissen. Die Quelle habe ich vom Schriftbild her vor Augen - das war die ZEIT. Und da gab es mal diesen Artikel über arme und reiche Länder und Blumenhandel. Aha. Das müsste in den Tonnen von Material etwa drei Zentimeter unter den Unterlagen in Sachen Luxus liegen, etwa fünf Zentimeter vom Boden entfernt, auf den ich den halbmeterhohen Packen lege. Zwei mal geblättert ... da ist der Artikel von 2005. Ja, stimmt. So viel Geld hatten die Deutschen damals übrig für Rosen in der Vase - und nun noch viel mehr! Endgültiger Abschied von dieser Arbeit. Geschafft.
Ich habe zwar ein fotografisches Gedächtnis, aber Rechnen kann ich nicht mehr.

Geschafft bin auch ich. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder Text produzieren zu können. Aber heute geht wahrscheinlich nicht mal Lesen ...
Erst einmal lasse ich mir Zeit zu kapieren, dass jetzt demnächst gedruckt wird.
Bis dahin könnte ich ja endlich mal diesen schauderhaften Moloch von Website neu designen und übersichtlicher gestalten. Oder soll ich nicht doch besser Fenster putzen? Wenn nur Rocco nicht so gemütlich zu meinen Füßen schlafen würde...

1 Kommentar:

  1. Liebe Petra!

    Meinen allerherzlichsten Glückwunsch!!
    Ich kenn dieses "Fertig"-Gefühl ja leider nur im "internen Modus", aber die Leere, als ob man ein Stück von sich selbst beendet hätte, die ist glaub ich auch die selbe, wenn man mit einem Roman zu einem Ende gekommen ist.
    Ich denke, dass du aber sehr schnell wieder ein neues Betätigungsfeld gefunden hast :-)

    Ich wünsche dir auf jeden Fall einen reißenden Absatz und viele begeisterte Leser!

    Alles Liebe!
    Gabi

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