Absprung von Facebook (3)

Kleine Notiz am Rande: Ich bin nicht rückfällig geworden. Aber ich musste doch tatsächlich heute kurz mein Account neu aktivieren, um die letzten Messengernachrichten sehen zu können! Wieder was an Technik gelernt: Der läuft nur weiter, wenn man ihn als App auf dem Handy hat. Wenn eins nicht auf mein Handy kommt, dann der. Jetzt geh ich nicht mehr ran, wer etwas von mir will, muss mich anders kontaktieren.

Selbst Nachbars Hühner wissen ganz genau, was sie "draußen" anfangen können.

Und wie war es so? Schnell ein paar Kontaktadressen notiert. Festgestellt, dass mir nichts fehlt, ich eher sogar Ekel empfinde. Dann doch mal berufsneugierig kurz in meine Timeline geschaut ... und da war es wieder: dieses Herumnölen, Pseudolustigmachen, die Welt ist schlecht, die Welt ist Sch... Ultranegativismus am Werk, bei den Medien mit den üblichen in der Trollfabrik generierten Kommentaren. Und die immer gleichen Hype-Social-Media-Themen, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. Völlig verschobene Realitäten. Brauch ich nicht.

Ganz schnell Account wieder deaktiviert. Und weil FB dann wissen will, warum, mal so richtig deutlich gesagt, was ich von Zückerle und seinem Laden halte. Boff. Aus, weg damit.

Ich fühl mich ohne so viel befreiter, so gelassen und fröhlich.

Dass man Leute aus den Augen verliert, die einem wichtig sind, ist ein Gerücht. Ich treffe viele auf anderen Kanälen oder bin sonstwie verbandelt. Und mehr als die schaffe ich als einzelner Mensch sowieso nicht wirklich. Schwund ist auch im echten Leben. Genial ist außerdem, dass ich jetzt endlich Kommentare hier im Blog habe - so dass auch diejenigen etwas davon haben, die woanders nicht sind. Es geht also!

Und dann gab's ein paar Messages in diesem Tonfall: "Du wirst bald wieder zurückkommen. Das haben schon ganz andere versucht und sind gescheitert." Noch kann ich da entspannt den Mittelfinger zeigen.

Ich habe eine neue steile These, aus der man eine Dystopie basteln könnte: Facebook schaltet Leute nicht nur gleich. Es baggert sie zu, es stopft sie voll, füllt sie ab, bis sie in einer zufriedenen (?) Bequemlichkeit versinken. Wäre ich Diktator, ich würde genau da ansetzen. Ich bekam viele neidvolle Zuschriften, wie ich das denn schaffen würde, "da draußen"! Da draußen Zeug lesen, Sachen erfahren, herumquasseln. *lautes Lachen*

Tja. Ich bin ein Kind der Mondfahrt. Ich war vor 50 Jahren live dabei. Die Männchen auf dem Mond haben mit uns live geschwätzt, da war Zuckerberg noch gar nicht geboren. Wir wissen noch, wie man sich auf der Erde bewegt und im restlichen Internet.

Leute, das Leben ist verdammt schön. Ohne.
Die Welt ist genauso schlecht oder gut oder wasweißich wie vorher auch. Aber ich kann mich besser auf das Konstruktive konzentrieren, auf die eigene Kraft, auf Menschen, die irgendwas in ihrem Leben tun und nicht nur herumlabern. Vor allem aber auch auf die Leisen und Stillen, und auf die Geschichten, die kaum jemand hört. Ich muss nicht mehr dabeisein, wenn man die nächste Sau durchs Facebookdorf treibt und sich drei Tage lang über den selben Kram aufregt. In der Zeit könnte man eigentlich nachdenken, was man ganz konkret gegen den Kram tun könnte, oder?

Die anderen Teile der Reihe:
Teil 1: Absprung von Facebook (1)
Teil 2: Absprung von FB (2) 

Kommentare:

  1. Es freut mich sehr für dich, dass auch du nun ohne Facebook gut zurechtkommst und die spezielle Mischung aus Bequemlichkeit und Daueraufregung nicht vermisst. Und hiermit sagst du etwas sehr Wahres: "Und mehr als die schaffe ich als einzelner Mensch sowieso nicht wirklich." Die Kontaktfülle auf Facebook ist in gewissem Maße ja auch eine Illusion. Einen echten Austausch hat man nur mit einem wesentlich kleineren Kreis, nicht mit der gesamten endlosen Liste vermeintlicher "Freunde". Qualität ist da wirklich etwas anderes als Quantität.

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    1. Es könnte durchaus sein, dass ich noch den Katzenjammer bekomme. Denn einige Leute, die mir eigentlich wichtig sind, sperren sich vehement gegen alles andere - und da muss ich sie dann eben mit Wehmut ziehen lassen - warum soll nur ich mich immer bewegen.

      Was mir definitiv fehlt, ist eine Gruppe meines Großhändlers rund ums Perlenarbeiten. Da brauch ich jetzt für die Aktionen eben den Newsletter und ich kann nicht mal schnell Leute was fragen. Google also mehr herum. Hier würde ich z.B. definitiv raten, dass so ein Händler eine eigene Community auf der eigenen Shopplattform aufmacht - so bindet man nämlich Kundschaft und verfügt obendrein über Nähe / Unabhängigkeit / Daten. Und gegenseitiges Inspierieren auf höherem Niveau, z.B. durch Verbandelungen mit KünstlerInnen, funktioniert sowieso auf Instagram besser.

      Langfristig schwebt mir auch etwas in Richtung eigener Community vor, aber das braucht noch viel Vorlauf. Dazu muss ich für mich erst klären, welche Schwerpunkte ich setzen will, wie ich die verbinde. Dann wird entsprechend die Website völlig neu aufgesetzt. Und je nach Thema kann es dann auch passieren, dass ich die Sprache wechsle, weil bestimmte Sachen in D. einfach nicht laufen. Kommt Zeit, kommt Rat. ;-)

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