Betriebsblindheit versus Innovation

Marion Schwehr hat ein feines Diskussionspapier zum Thema Innovation und Paradigmenwechsel zur Verfügung gestellt. Zwar bezieht sich das auf Firmen, aber weil die Autorin auch mit Büchern und Lesestoff arbeitet, darf man das hemmungslos auf andere Bereiche übertragen, wenn Sie z.B. schreibt:
"Paradigmenwechsel fallen besonders den Branchen schwer, deren Mitarbeiter sich sehr stark mit „ihrem“ Produkt identifizieren. Die Begeisterung fürs eigene Produkt erweist sich als Hemmschwelle für essentielle Veränderungen dieses Produkts."
Ich persönlich finde, genau hier wird die Macht deutlich, die Künstler im Gegensatz zu größeren Strukturen oder gar Konzernen haben. Denn Kunst entsteht durch den "gebrochenen Blick", dadurch, dass ich imstande bin, mich selbst und mein Werk vollkommen in Frage zu stellen. Künstler schöpfen, weil sie gelernt haben, sich aus einer verbreiteten Meinung, Konvention oder einfach nur Situation auszuklinken und querzudenken, Dinge kritisch zu hinterfragen. Als Einzelkämpfer sind sie weitaus flexibler und risikofreudiger - denn sie schaffen sich beim Scheitern "allenfalls" den eigenen Ruin, nicht den von zig Mitarbeitern. Und selbst aus dem Scheitern heraus können Kunstwerke entstehen. Künstler entwickeln Utopien und Visionen.

Drum glaube ich auch ganz fest daran, dass die Veränderungen in der Buchbranche maßgeblich von mutigen Einzelnen zu echten Paradigmenwechseln weitergetrieben werden, nicht von den Großstrukturen, die jene verwalten oder verkaufen. Wer wirklich bereit ist zu Innovation und Paradigmenwechsel, sollte darum die Künstler ernster nehmen ...

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