Bauerndrama

In regelmäßigen Abständen unternehme ich, was alle Elsässer machen, die ein Auto haben. Ich falle in Deutschland ein, um meinen Kühlschrank zu füllen, denn unsere Lebensmittelpreise sind für Künstlergehälter schon lange nicht mehr zu bezahlen. Und weil ich ein typisches Landei mitten auf der Juchhe bin, gehört dazu zuerst einmal ein Ausflug zum französischen McDonalds in der Grenzstadt. Nicht, dass der kulinarisch besser wäre als auf der anderen Seite der Grenze. Es ist nur der nächste Punkt mit Wifi-Zugang außer einem gewissen Restaurant, das seine Gäste sehr unschön behandelt, wenn sie den Laptop zücken. Und das Schöne an diesem Fastfood-Laden: Man muss dort nichts essen! Man kann seinen Reader auf dem Parkplatz zücken. Und da stehen sie dann, die Landeier, und popeln an Readern, iPads und Laptops herum.

Und vom Bauern auf der Pfälzer Seite habe ich fangfrisch ein kleines Dramolett mitgebracht, das ich der besseren Verständlichkeit halber in Hochdeutsch bringe. Die Bäuerin stelle man sich in breitestem Südpfälzisch vor, die beiden Kunden sprechen näselndes, gedehntes Hochdeutsch auf Ferntouristenart.

Vor Inbetriebnahme der Erbsen bitte Gebrauchsanweisung lesen! (Foto: Konstanze Moos / pixelio.de)

Die handelnden Personen:
Elfriedäh (E), heute ausnahmsweise Beifahrerin in ihrem Hausfrauenpanzer
Roohland (R), darf den Panzer fahren, den er Elfriedäh wohl gekauft hat
Die Bäuerin (B), nicht aus der Ruhe zu bringen
Eine lauschende Ausländerin (A)

Die Ausländerin schnappt sich Erdbeeren. Elfriedäh nähert sich vorsichtig von der Seite.
E: Sind das Erdbeeren?
A: Ja.
E: Meinen Sie, die kann man essen?
A: Ich denke, dazu sind sie da?
E: Ich meine, ob die wohl schmecken?
A: Keine Ahnung, noch habe ich sie nicht probiert. Aber sie riechen wie Erdbeeren.
Roohland baut sich neben Elfriede auf.
R: Elfriedäääääh, willst du ein paar Erdbeeren haben? Sollen wir Erdbeeren kaufen?
E: Ach nein, Roohland, es gibt viel zu viele, ich möchte Sauerkirschen.

R zur Bauerfrau: Haben Sie Sauerkirschen?
B: Die sind noch nicht reif. Mit den Herzkirschen ist Schluss, bis zu den Sauerkirschen braucht's noch ein bißchen. Sie sehen ja hier, was alles geerntet wird, bedienen Sie sich!
E: Eh Rohland, das ist aber gar nicht fein, dass die jetzt mit den Sauerkirschen einfach warten. Wo ich doch jetzt Lust habe auf Sauerkirschen. Beim Aldi haben die sich ja auch nicht so.
R: Ei Elfriedäh, das könnte doch sein, dass die bloß wegen des Wetters nicht pflücken gehen wollen. Wer kann denn das kontrollieren?
R zu B: Und Sie sind sicher, dass sie keine Sauerkirschen haben?
B: Ganz sicher. Reif sind jetzt Erdbeeren, Himbeeren und wir haben die ersten Heidelbeeren da.
R: Und wenn sie heute abend noch Sauerkirschen pflücken würden?
B: Dann würden Sie von dem grünen Zeug Bauchweh bekommen.

R: Elfriedääääh, die sagt, sie haben wirklich keine Sauerkirschen!
E: Aber ich will keine Erdbeeren!
R: Dann nehmen wir was anderes.
E: Oh guck mal, was ist das denn, so komische Schoten, so dick?
B: Das sind frische Erbsen, heut mittag erst gepflückt.
E: Das sind Erbsen??? Nee, nicht wirklich? Aber Erbsen sind doch rund und die macht man in Dosen!

Die Bauersfrau grinst, nimmt eine Schote und zeigt Elfriedäh, was passiert, wenn man sie aufpult.
B: Sehen Sie, in solchen Schoten wachsen die.
E: Ach nee, Roooohland, das musst du gesehen haben! Erbsen in Schoten, das ist ja irre! Die sind da einfach so drin!
B: Probieren Sie ruhig mal.
E: Kann man die denn essen?
B: Jaja, nur zu!
Mit spitzen Fingern greift sich Elfriedäh ein Erbschen, legt es auf die Lippchen und kostet übervorsichtig, damit die Frucht auch ja nicht im Mund explodiert.

Elfriedäh quietscht.
E: Die ist ja ganz süß! Die schmeckt ja zuckrig! Äh, ah, ja, danke.
Elfriedäh dreht sich zu ihrem Rooohland, nimmt ihn beiseite und brummelt:
E: Du, weißt du, wir fahren jetzt besser zum Lidl oder zum Aldi, da weiß man, was man hat. Erbsen in Schoten und dann noch süß, also sowas!
E und R gehen ab. Die Ausländerin und die Bäuerin lachen sich beim Abwiegen der Köstlichkeiten schier kaputt.
B: Solche Leute trifft man immer öfter. Kürzlich war eine Frau da, die fragte, was sie mit Karotten machen soll, die direkt aus dem Boden kämen. Die könne man doch nicht einfach so essen ...

Kommentare:

  1. Herrlich, Madame!

    Lange nicht mehr so herzhaft und ausgiebig gelacht... aber genau das passiert, wenn man den gemeinen Stadtbewohner auf argloses Gemüse loslässt. Und nach dem erst Kontakt mit heimtückischen Schoten greift der Großstädter das nächste mal doch lieber wieder zur Dose...

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  2. Wenn das real ist, weiß ich jetzt wirklich nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Awwer die Bauersfraa hätt isch schun gern im Original gheert, äh, gelese.

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  3. Solche Leute trifft man immer öfter. Kürzlich war eine Frau da, die fragte, was sie mit Karotten machen soll, die direkt aus dem Boden kämen. Die könne man doch nicht einfach so essen ...

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    Und Milch kommt aus der Tüte...kann man die einfach so trinken, wenn sie aus der Kuh kommt?

    (Doofer Vergleich, weil man Frischmilch abkochen soll, ich weiß).

    Ich bin so froh, dass meine Großeltern im Garten Erbsen angebaut haben - die scmecken direkt aus der Schote wirklich toll.

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  4. Nein, nein, das ist schon real, ich habe eigentlich nur unwichtigere Konversationsstücke weggeschnitten. Ich hatte dann noch ein interessantes Gespräch mit der Bauersfrau über junge Leute, die nicht mal mehr kochen können, weil schon die Eltern nur die Mikrowelle bedient haben.

    Ich hatte mal einen über 40jährigen Franzosen vor mir, der sich überschwänglichst bedankt hat für die Traditionsrezepte in meinem Elsassbuch. Er in Hagenau geboren und die Älteren alle vom Dorf. Die Eltern haben ihn so erzogen, dass das Essen und Landleben von Oma irgendwie igitt und nicht mehr zeitgemäß sei. Und selbst haben sie nur Convenience Food aufgetaut und in die Mikrowelle geschoben (erst jetzt gibt es in Frankreich da langsam wieder einen Gegentrend, aber nur wegen der Preise!) Der meinte auch, eigentlich eine Schande, aber seine Generation müsse aus Büchern, Museen und dem Internet Traditionen lernen.

    Dass ich kein Pfälzisch kann, bitte ich zu entschuldigen, als gebürtige Badnerin hab ich da einen riesigen Knoten in der Zunge ;-)

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  5. Ich trink Milch übrigens auch mal direkt von der Kuh und lebe immer noch ;-)

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  6. Ich trink Milch übrigens auch mal direkt von der Kuh und lebe immer noch ;-)

    - Eine Bekannte meiner Mutter hat dadurch eine lebenslang steife Hüfte bekommen. Sie war dadurch ab 6 Jahren ihr Leben lang behindert,

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  7. oh, da hatte ich mit meinen Ausflügen zu den Vogesenkühen aber übel Glück ... lass ich solche Experimente besser ...

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  8. oh, da hatte ich mit meinen Ausflügen zu den Vogesenkühen aber übel Glück ... lass ich solche Experimente besser ...

    - Es ist wie mit den japanischen Kugelfischen (FugU): Schmeckt sicherlich toll und würde ich gerne mal probieren, aber wenn es schief geht, dann richtig.

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  9. Ja,liebe Petra, ich glaube dir jedes Wort. An der Supermarktkasse man man ähnliches erleben, wenn die Verkäuferin nicht weiß, was sie für dieses oder jenes Obst und Gemüse eintippen soll. ("Wie heißt denn dieser komische grüne Blumenkohl?")
    Ich hatte erst neulich ein Gespräch mit langjährigen Freunden, bei denen wir schon oft gut gegessen haben. Sie haben auch immer wert darauf gelegt, dass es jeden Tag eine gemeinsame Mahlzeit mit den Kindern gab. Auch der Papa kann gut kochen, Küche ist in dieser Familie nicht Domaäne nur der Frau. Also ideale Bedingungen, damit die Kinder gutes Essverhalten lernen.
    Nur: Sohnemann hat eine dieser Töchter geheiratet, bei denen schon die Mutter die teure Einbauküche nicht dreckig machen wollte. Außerdem haben ja beide soooo viel beruflich zu tun, da kann man doch die Zeit nicht mit Kochen verbringen. Ergo: Man isst auswärts oder gar nicht, der Kühlschrank ist meist leer (ist ja auch wg. der Figut gesünder).
    Ich finde: in der Zeit, in der man in ein Lokal fährt und auf die Bestellung wartet, kann man viele Erbsen döppen (so hieß das bei uns bei Oma) und Erdbeeren für einen Nachtisch fertigmachen.
    Klar, wir gehen auch gern essen - aber das Vergnügen, täglich frisch zu kochen, das möchten wir doch nicht missen.

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  10. ... nur meine Tippfehler, auf die kann ich gut verzichten ;-)

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