Schwimmende Bücher

Gestern war es so weit. Ich übertrug die Buchdatei von "Faszination Nijinsky" in das Programm Mobipocket Creator, das - so heißt es - aus einem Word-Text eine .mobi-Datei erstellen soll - das Format, das Amazon für seinen Kindle nutzt. (Nebenbei: Das eigentlich weiter verbreitete Format für andere Händler und andere Lesegeräte ist epub. Aber Amazon ist im Moment am dicksten im Geschäft, so dass sich das für Anfänger lohnt).

Was ich sah, war erschreckend. Das war es natürlich deshalb, weil ich mir bei der Originaldatei schier einen abgebrochen habe mit Layout und Typografie - schließlich sollte das gedruckte Buch edel werden. Wer nächtelang über solch einem Buchsatz gebrütet hat, der hat ein Gefühl für Aufteilungen und Rhythmen verinnerlicht. Deshalb saß der Schock tief: Aus meinem "Nijinsky" wurde mit einem Klick ein breitfließender Brei, ein Buchstabendschungel.

Zuerst werde ich alle Sonderzeichen ersetzen müssen - die können Reader nämlich nicht lesen. Weg mit den wunderbaren Jugendstil-Texttrennern, her mit den nichtssagenden Sternchen. Weg mit jeder typografischen Gestaltung, weg mit allen Sonderformatierungen (eine Website hat mehr!). Das Buch wirkt wie dicke Buchstabensuppe, aber unverdaulich. Nun muss es für den Reader strukturiert werden. Und genau hier setzt ein völlig anderes Denken an. Beim Reader bestimmen die Leser selbst, in welcher Schrift und Schriftgröße sie das Buch lesen wollen. Da ist es egal, ob ich mir extra eine wunderbare Schrift gekauft habe, weil sie die Zeit meines Buchs atmet und womöglich in sich schon eine Stimmung transportiert. Mein Buch muss nun in allen verfügbaren Normschriften lesbar sein.

Und dazu muss man sich mit Relativität anfreunden. Alles ist relativ. Ich bestimme nicht mehr selbst, dass eine Überschrift 14 Punkt groß ist. Der Reader interessiert sich für Relationen: Wie viele Punkt ist sie größer als der Text? 4 Punkt? Das ist wichtig. Denn stellt ein Weitsichtiger seinen Readertext auf gefühlte 14 Punkt ein, sieht er eine 18-Punkt-Überschrift.

Es gibt auch keine Seiten mehr. Der Text blubbert vor sich hin. Nur noch Kapitel erhalten am Ende einen eigenen Seitenumbruch, was auf dem Reader für eine sichtbare Pause in der Blubberei sorgt. Je nach Bildschirmgröße des Geräts stehen dann auch mal zwei Zeilen allein auf dem nächsten "Scroll", die man im Print in mühevoller Kleinarbeit extra zum Kapiteltext gebracht hat, weil sie nicht allein stehen sollten.

Ich will hier eigentlich nicht auf die technischen Unterschiede zwischen Print und E-Book eingehen. Mir fiel als Autorin nämlich ein völlig anderes Phänomen auf, das mir bisher in Untersuchungen völlig unbeachtet scheint. Es gibt inzwischen Studien, wie sich unterschiedliche Buchformen auf das Leseverhalten auswirken könnten. Hat sich aber jemals jemand damit befasst, wie sich E-Books auf das Erschaffen von Literatur auswirken könnten?

Wenn ich ein neues Buch beginne, verbringe ich am Anfang die meiste Zeit damit, den richtigen Erzählton zu finden, die adäquate Sprache und Form für meinen Inhalt. Bei mir hat das sehr viel mit Komponieren gemeinsam, denn ich bin besonders sensibel für die Klänge und Rhythmen von Sprache. Stimmt mein Ton endlich, so bekommt das Erzählte einen eigenen Atem, es wird lebendig und trägt mich über das zu schreibende Buch hinweg. Es kommt auch schon einmal vor, dass ich Sätze tanze oder klopfe, um sie besser zu spüren. Ich setze keine Absätze, weil es vernünftig wäre an einer gewissen Stelle oder weil "man" das dort macht. Ich setze sie wie Pausen in einem Musikstück, nach Klangfarbenveränderungen oder für die Rhythmik. Deshalb braucht es manchmal größere und manchmal kleinere "Blickabschnitte".

All das ist plötzlich weg, wenn ich den Text für ein E-Book umformatiert habe. Gewiss, ein Absatz ist weiterhin ein Absatz. Aber die Absätze gruppieren sich nun nicht mehr nach meinem Empfinden, sondern nach technischen Anforderungen. Der lange Atem, der auf Buchseiten sichtbar bleibt, geht verloren, zugunsten eines kurzatmigeren Rhythmus. Ich habe das Gefühl, in meinem Text zu schwimmen, in einer Unschärfe. Meine Gedanken sind nicht mehr eindeutig sichtbar, nicht mehr greifbar - etwas wie Dunst lagert sich um sie.

Natürlich kann ich meine Texte weiterhin mit ganz normalen Seiten in Word entwerfen. Natürlich muss ich ein Buch loslassen, es durch den Leser rezipieren - und nun auch optisch verändern lassen. Würde ich jedoch gleich im Hinblick auf die E-Book-Gestaltung schreiben, so würde mein Schreiben ein anderes - dessen bin ich mir sicher. Ich hätte den "Nijinsky" anders geatmet. Ich hätte meine Leser nicht mehr über die gleichen Strecken Sinneinheiten begreifen lassen. Vielleicht würde ich nicht einmal mehr von ihnen verlangen, sich über drei "Reader-Seiten" etwas zu merken.

Würde ich schnellere Literatur schreiben? Leichtere, kürzere? Würde ich noch Sätze tanzen, die in Maximalschrift - übertrieben gesagt - eine Seite ausfüllen würden? Bin ich überhaupt bereit, meine Schöpfungen an eine äußere Form von "Buch" anzupassen? Oder zwingt mich die Form eines Tages zu anderen Inhalten?

Ich glaube fest daran, dass sich das Phänomen E-Book auch auf das Schreiben selbst auswirkt. Ich habe in der Schublade extrem kurze Geschichten, die ich einmal im Scherz "1:30er" nannte. Ich wollte experimentieren, ob man eien Geschichte in der Zeit erzählen kann, die ein Nachrichtenbeitrag hat: eine Minute und dreißig Sekunden. Die Stories sind extrem schnell, sprunghaft, verrückt. Auf Papier wirkt das komisch. Sie wurden deshalb online veröffentlicht, weil man nur einmal am Bildschirm scrollen muss. Das ist für mich ideales Schreiben für den Reader. Der "Nijinsky" ist nur eine Verbeugung vor dem Publikum, das lieber elektronisch liest. Aber das ist Papierliteratur. Das ist Sprache, die Typografie und Layout verdient. Ich glaube deshalb fest daran, dass wir in Zukunft auch neue Formen der Literatur entwickeln werden - aber die alten werden deshalb nicht untergehen. Es sei denn, die Menschheit verblödet vorher noch völlig...

Kommentare:

  1. Ja! Ganz genau! Das ist es, warum ich glaube, dass das Buch niemals aussterben kann und darf. literarische Werke gehören gedruckt. Sachbücher, Nachschlagewerke, Schulbücher und vielleicht auch die eine oder andere "Hera Lind" sind gut als ebook zu konsumieren.
    Ich habe gerade bei einem Verlag mitgeholfen, Aphorismen als ebook herauszugeben. Das geht gerade noch, hat uns aber auch vor ähnliche Probleme gestellt.
    Danke für den Beitrag, das ist ein wirklich wichtiger Aspekt. Sollte eigentlich in einer großen Zeitung erscheinen.

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  2. Das mit der Zeitung bekomme ich immer wieder gesagt und ich habe darauf eine Antwort, warum es dort nicht erscheint: Ich habe keine Lust, mich durch brutale Buy-out-Verträge zu massakrieren. Und die miesen Honorare (heute manchmal niedriger als in meiner Volontärszeit Mitte der 1980er!) lohnen den internationalen Formularaufwand nicht mehr.

    Ich sehe das wie du. Möchte sogar zugespitzt sagen: Dieses ewige Geseiere um Tod oder nicht Tod vom einen oder anderen beruht schlicht auf PR und Lobbyismus, weil jeder Kundschaft zu sich ziehen will. Hinter fast jedem Artikel über E-Books steht mittlerweile eine Firma, die schmiert. Oder der Börsenverein versucht mal wieder, seine Politik zu retten ;-) *räusper*

    Ich finde die neuen Zeiten absolut faszinierend, weil sie Künstlern die Möglichkeiten geben, viel eigenverantwortlicher zu schöpfen und zu experimentieren. Vorbei sind die Zeiten, wo Verlage bestimmten, Kurzgeschichten seien nicht verkäuflich, wenn es schon Firmen gibt, die ihren Kunden für angegebene Zeitlängen elektronisch die passende Geschichte aufs Handy geben. Und genauso werde ich auf Papier anders experimentieren können.

    Ich positioniere mein E-Book übrigens bewusst anders als die Printausgabe. Es wird als "Auskopplung" erscheinen, ohne die Fotos (für Reader - noch - Blödsinn) und ohne die Gespräche im zweiten Teil. Dafür zu einem sehr erchwinglichen Preis und nicht, wie Verlage das machen, knapp unter Printpreis. Wer Nijinskys Portrait einfach nur lesen will, kauft das preiswerte E-Book. Wer mehr will, wer genießen will, kauft Print. Ich glaube nämlich auch daran, dass Print dank E schöner und luxuriöser werden wird / darf.
    Die Freiheiten hätte ich mit Verlag natürlich nicht.

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  3. (1) Madame, ich muss Ihnen gratulieren zu einem Rekord! Als Mensch, der Bücher liest, schreibt, solche liebt, mit Buchleuten befreundet ist, habe ich in den letzten paar Jahren ja ziemlich viel von dem gelesen, was über die ebooks und ihren Markt im Netz geschrienem wurde. Aber ichkonnte mich, das war noch eine undefinierbare Zurückhaltung, schon einmal nicht für einen Reader entscheiden. Man kann die Sachen ja auch auf dem PC am Schreibtisch und auf dem Notebook lesen. Auf dem Notebook ist es aber mühsam, und das meiste Lesen auf dem PC hat eben doch einen anderen Charakter als das von Büchern. Wenn ich Texte nachschlage, recherchiere, dann sind Gutenberg, die Lexika und selbst das schöne schwere Grimmsche Wörterbuch auf den Schirm bequemer zu holen, als wenn ich die 4 m zum Regal gehe und mich dann nach einem Band strecken muss. Aber schon bei den besseren Artikeln in Arts and Letters daily, und bei denen, die der Perlentaucher verlinkt, komme ich nach 2 Minuten an den Punkt der Weichenstellung: Überfliege ich es nur, dann auf dem Schirm, oder will ich es in Ruhe lesen, dann drucke ich aus. Nehme es dann auch mit an den Kaffeetisch und zeige es den Hausgenossen. Und wenn es mir wirklich wichtig ist, drucke ich es nicht nur mit Druckbefehl, sondern kopiere es und formatiere es sogar mit der Schrift, die meinem Auge passend erscheint.

    Ich bin glücklich, Madame, dass Sie die eben nicht nur sinnliche, sondern auf Sinn bezogene und sinnträchtige Dimension der Wahrnehmung des gedruckten Wortes so deutlich beschrieben haben. Die Bücher und ihre Texte haben eine eigene Dimension, sind groß oder klein, haben einen Körper, in ihren Buchstaben ihr eigenes Idiom, in der Dichte und Länge der Zeilen ihren eigenen Sprechrhythmus, und das verliert sich selbst dann nicht, wenn sie eine Dimension verlieren; gerade habe ich den 30 Jahre alten anastatischen Nachdruck des Wieland letzter Hand bekommen, der im Satz eigentlich 100 Jahre alt ist - und seine Würde und sein Platz in der Zeit ist immer noch spürbar. Das Vergnügen, das die Lektüre dieser Dünndruckbändchen in ihrer altmodischen Antiqua bereitet, reicht an das Life-Konzert einer reifen Könnerin, die Schumann spielt, beinahe heran.

    Folgt (2) PJ

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  4. (2)
    Natürlich muss man sich immer sagen: was sammelst du so viel „Totholz“ an, wie der dumme schnöde Ausdruck der Verkaufsnarren lautet, von dem du überzeugt sein kannst, dass die nächste Generation nur einen Bruchteil behalten und für sich nutzen wird – wobei sie aber vielfach auch, wie ich selber, den alten Goethe in Frakturschrift ausrangieren und dafür einen schön gedruckten zeitgenössischen anschaffen wird! Aber vieles, das müssen wir natürlich kapieren, wird uns nicht überdauern. Aber dann schauen wir doch, selbst als fleißige Leser, unsere Bibliotheken an und müssen uns sagen, dass sie weit weniger Geld verschlungen haben als ein halbes Dutzend Bilder von mittelmäßig erfolgreichen Künstlern, und meistens auch nicht mehr als ein schickes Auto gekostet hätte, wenn man daran interessiert wäre. Aber vom Auto nehme ich nur das Drehmoment war und das Brummen; schon durch die Landschaft würde mich der popeligste alte Kleinwagen genausogut transportieren. Aber wann immer der Blick auf die Bücher fällt, schicken Sie mir leise und laute Signale, begrüßten mich, wollen herausgezogen und sogar gelesen sein, und es wäre auch ganz falsch zu denken, sie wollten alle immer gleich bis zum Ende gelesen sein; ich beschränke meine Freundschaft mit Menschen ja auch nicht auf diejenigen, von denen ich bis zur Langeweile schon alle Geschichten gehört habe! Selbst wenn zwei Bücher, von denen ich eines gelesen und das andere gekauft, ins Regal gestellt und dann eben nicht in Angriff genommen habe, nebeneinanderstehen, fangen Sie doch an, sich gegenseitig interessant zu machen und mich zu fragen, was ich damit wollte!

    All das geht beim elektronisch präsentierten Text nicht. Er ist Masse, er ist zu platt, er hat auch keinen Halt in der Zeit. Und wer immer meint, Literatur erschöpfe sich darin, nur Text zu sein, der sollte zu seiner Beschämung das wunderbare Büchlein von Helga Gallas lesen: Das Textbegehren der Michael Kohlhaas! Da erst kapiert man, was Literatur sein kann, udn was sie dazu braucht.

    Gerade hat mich mein Verleger mit dieser Frage konfrontiert: E-book oder Hörbuch? Für mich gab es dann nur eine Antwort: Das Hören schafft seinen eigenen Raum, es hat seinen eigenen Rhythmus in der Zeit, da wird eine Sprache zu etwas, das wenigstens für die Zeit, solange ich Geduld habe, eine Wirklichkeit ist. Ja, bitte, lassen Sie uns ein Hörbuch machen! Gegen das e-book bin ich skeptisch, als Hilfsmittel ja, aber als Kunstwerk, und ein literarisches Buch möchte doch bitte als Kunstwerk definiert werden, in aller Bescheidenheit: Nein!

    Sie machen es jetzt trotzdem, mutig und lobenswert neugierig, und dazu wünsche ich Ihnen und den Lesern den Realismus, dass sie das wie eine große Annonce nehmen, es durchaus mit Interesse zur Kenntnis nehmen, aber dann nicht bloß ein paar Infos irgendwo ins hintere Gedächtnis schreiben, sondern sich sagen: Was mir hier begegnet ist, das ist ein Buch, ein literarisches Kunstwerk, und davon will ich nicht nur die elektronische Reproduktion haben, sondern ein fassbares und anfassbares Exemplar!

    Danke, dass Sie das klargemacht haben! Großen Dank.
    Ihr PJ

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  5. Lieber P.,

    deine Beiträge hier sind so begeisternd und nachdenkenswert, dass du deinen Namen eigentlich nicht verstecken müsstest ;-) Ich nenn dich mal nach Tageslaune Anastasius Ohrraum, ja?

    Und möchte dich ein wenig kitzeln und dir sagen, dass ich mir deine Bücher sofort als E-Book vorstellen kann!

    Ich persönlich habe ein ganz großes Problem mit Hörbüchern, abgesehen vom Einschlafeffekt. Ich finde, nicht jeder Text gibt ein gutes Hörbuch ab. Weil Hörbücher absolut lineare Logikabfolgen brauchen. Der Mensch kann im Hörraum nicht Sätze behalten oder geistig zurückblättern. Geschriebenes fürs Hörmedium abdrucken, ist möglich, aber nicht jeder gedruckte Text ist ein Hörtext.
    Einer meiner Leser fand, der "Nijinsky" sei ganz kurios aufgebaut, eine für ihn völlig neue Erfahrung von Erzählung. Das kommt daher, weil ich fürs Hören schrieb, was beim Lesen eine Art Kreiselbewegung auslöst ... Mein Urmanuskriptentwurf, nur fürs Lesen entwickelt, hätte andersherum nicht funktioniert.

    Deshalb bin ich froh, dass dein Verleger auch ein E-Book macht, ohne dich zu fragen. Denn dein Text ist Sehtext und wird als E-Book gut kommen!

    Weißt du, ich werde mir ja mit Wonne einen Reader zulegen. Ich warte nur, dass die nächste Generation noch billiger kommt ;-)

    Mit dem kann ich nämlich etwas machen, was du mit deinem Bildschirm nicht kannst: Ich kann ihn mit ins Bett nehmen - und wenn er mir beim Einschlafen aufs Gesicht fällt, tut's weniger weh. Ich kann mich damit gemütlich im Sessel bei einem Glas Wein aalen und die Schrift so groß stellen, dass ich die Lesebrille absetzen kann. Ich kann ihn vor allem ständig bei mir tragen und habe künftig in jeder Situation des Wartens oder der Langeweile eine Bibliothek dabei. Ich muss also nicht mehr ohne dein Buch aus dem Haus gehen und kann mir den adäquaten Leseplatz fürs Kunstwerk suchen, ohne mich krumm zu schleppen. (1)

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  6. (2) Dein Beitrag, Anastasius, bringt mich noch auf einen anderen Gedanken: Könnte es sein, dass eine Geschichte, ein Inhalt, vielleicht gar nicht so sehr die Gängelung und Vorstellungen des Autors, der Autorin braucht? Jedenfalls nicht in dem Maße, wie sich die Schöpfer das so vorstellen? Wobei sie in anderer Form aber auch anders wirkt.

    Ich denke an die Ägyptischen Totenbücher, die in einer Grabstätte auf Papyrus gepinselt, genauso eine Wirkung haben wie in Taschenbuchform. Sie mag sehr unterschiedlich sein, aber da ist eine Essenz im Text, die kann keine noch so absurde Form abtöten!

    Ein alter Gesetzestext aus Mesopotamien: Was liest der Mensch heraus, ob er in Keilschrift auf Ton geritzt ist, in neumodische juristische Pappedeckel gepresst wird oder als populärwissenschaftliches Sachbuch mit Bildern aufbereitet wird? Was ist seine unsterbliche Essenz?

    Diese Gedanken kommen mir, weil ich Ungeduldige einen Winter in staubigen Archiven vor mir habe, wo nichts digitalisiert ist und ich nichts mit nach draußen nehmen darf. Ich fiel schon fast in Ohnmacht, als ich Reihen dünner Zeitschriften aus dem 19. bis Anfang 20. Jhdts. in Vitrinen sah, deren zerbröselte Rücken man nicht einmal mehr entziffern konnte. In diesen Metern muss ich nach Namen fahnden, die damals auch noch komplett anders geschrieben wurden.

    Natürlich werde ich allein vom Blättern jede Menge lernen. Werbeanzeigen und Abbildungen werden über die Zeit und die Interessen der damaligen Leser viel verraten. Ich werde Schlussfolgerungen daraus ziehen, in welcher Größe und an welcher Stelle in einer Liste ein Name auftaucht und ob man ihn typografisch verschönert hat.

    Und trotzdem gäbe ich alles darum, etwa wie in der französischen Nationalbibliothek in Ruhe und auch mal in der Nacht bequem zuhause die digitalen Sammlungen zu durchforsten, mit Stichwortsuche, bis hin zum Originalscan.

    Mag sein, dass diese Zeitschriften einem Anastasius die reine Freude bereiteten, allein schon durch ihren muffig-staubigen Geruch, die klebrigen Einbände und das schrecklich bullernde Heizsystem der Räume. Gäbe dir der Scan weniger preis?

    So bete ich, dass das Archiv einen guten und vor allem preiswerten Kopierer hat. Und dann muss ich Kilos von Papier von einem Land ins andere schleppen, dessen Autorenintention längst erloschen ist, längst für Otto Normalleser keine Rolle mehr spielen. Da wurde nur angegeben, wer wieder in welchem Hotel abgestiegen ist...

    Es grüßt dich herzlichst,
    Amalie Staubfein

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  7. "dessen Autorenintention" bezieht sich natürlich aufs Papier, nicht auf das Land, oh heilige Grammatika!

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  8. Liebe Petra von Cronenburg,

    erstmal finde ich es toll, dass Sie sich selbst an das Experiment gewagt haben. Chapeau!

    Ich möchte Ihnen - falls Sie einen weiteren Versuch unternehmen wollen sollten - aber raten, ein "anständiges" Open-Source-Programm wie "Sigil" (http://code.google.com/p/sigil/) zu verwenden, statt sich auf die Anleitungen von Amazon zu verlassen. Amazon macht es sich sehr einfach, und das sieht man an den Ergebnissen :-)
    Sigil erzeugt zudem das schöne Format epub, auf das alle Welt (außer Amazon und Sanda) verwendet. Dieses schöne Programm erlaubt es Ihnen auch, Ihre Lieblingsschriften so einzubetten sowie Zeilen- und Seitenumbrüche SO hinzubekommen, wie SIE es haben wollen. Und epubs lassen sich mit calibre auch in Amazom-geeignete mobi-Formate umwandeln, ohne dass allzuviel an Qualität verloren geht. (Es geht welche verloren).
    Tun Sie sich den Gefallen, und probieren Sie das mal aus, Oder schicken Sie mir mal Ihr Ausgangsmaterial, dann zeige ich Ihnen, was geht.

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  9. Lieber AvO, haben Sie herzlichsten Dank für den Tipp! Ich habe Sigil heruntergeladen und da liegen ja unendlich kosmische Weiten dazwischen. So stelle ich mir E-Books vor. :-)

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  10. Liebe Petra,
    kennst du das sehr gute Ebook von Wolfgang Tischer über das Erstellen von Kindle Ebooks? Mehr zu dem Thema in meinem Blog http://mardorfcoaching.wordpress.com/2011/12/02/ebooks-veroffentlichen-einige-praktische-tipps/
    Ja, es ist eine Fitzel-Arbeit!

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  11. Liebe Elisabeth, ich kenne seine Anleitung im Literaturcafé - nur bin ich so in Untiefen des Layoutens, dass mir Anfängerbücher nicht sehr helfen. Matthias Matting hat übrigens auch Anleitungen zum Kindle geschrieben, nicht nur fürs veröffentlichen, sondern auch darüber, wie man den Reader rundum benutzen und aufpeppen kann.

    Es muss übrigens keine Frickelei sein. Das nächste Buch setze ich gleich im Profiprogramm und dann muss ich nur noch in unterschiedliche Formate ausgeben: print, mobi, epub etc. Das hatte ich mir diesmal gespart, aber es lohnt sich wirklich nicht - die Arbeitszeit, die man dann vertut, ist den Preis des Programms allemal wert.
    Und wenn man das öfter machen möchte, lohnt es sich, den Buchsatz extern machen zu lassen.

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