Was für ein Kellner!

Da bist du elend hungrig und müde und findest endlich nach langem Suchen ein Restaurant. Die aber restaurieren ihren Garten und es ist nur ein Platz direkt an der Hauptverkehrsstraße (Paris-Warschau-like) frei. Du freust dich über die sehr dicke Speisekarte, die moderaten Preise und die vielen Sorten Fisch - alles frisch.




Mit Lust wählst du aus, während du immer hungriger und müder wirst, hoffst, dass dich bald jemand bedient. Denn um dich herum essen schon alle, es duftet in die grauen Abgaswolken hinein. Du wartest und wartest, entscheidest dich doch lieber für die Dorade zu 18 Euro und willst es der Bedienung überlassen, dir eine klitzekleine Vorspeise zu empfehlen. Du hast Durst und bist so müde.

Kommt endlich ein Kellner und blafft dich an. Du kapierst nicht, du bist ja so müde, auch im Kopf, da blafft der Kerl schon wieder etwas. Eine andere Sprache? Es klingt, als wolle er, dass ich meinen Platz verlasse. Ich mache ihm klar, dass da kein Reserviert-Schild stand und dass doch der Garten umgebaut würde. Wieder bäfft dich der Kerl an, ein ganz aufdringlicher, du solltest endlich aus deinem Komfortsitz hoch (was erlaubt der sich!) und raus!

Ich verstehe die Welt nicht mehr, ich bin doch schon draußen, soll ich mich mitten auf die Straße setzen oder vor den Bagger in den Garten? Die Augen des Kerls leuchten: Genau, raus in den Garten, avanti, aber am besten gestern schon!

Mir ist der Appetit auf die Dorade vergangen, aber ich habe Durst und ich bin müde, das macht mich knatschig. Demonstrativ bleibe ich sitzen. Erst will ich wenigstens was trinken! Jetzt wird der Kerl ungemütlich. Tatscht mich übergriffig an der Schulter und rüttelt herum. Seine Worte bellt er geradezu laut über den Verkehrslärm, jetzt verstehe ich sie auch deutlich: Ich soll raus, unbedingt raus in diesen Garten. Mühsam schlage ich die Augen auf, stehe ächzend aus dem Bett auf und lasse Bilbo, den Kellner, nach draußen. Seltsamerweise hat sich mein Durst auf ein kaltes Bier verwandelt in Durst auf einen Eimer heißen Kaffees. Da sitze ich nun mit diesem fiesen Restauranterlebnis im Kopf, der Kaffee schon halb leer, ich immer noch voll müde.

Im Moment weiß ich nur eins: Ich hasse Montage. Vor allem, wenn sie auf einen Mittwoch fallen. Der Kellner hatte gut blaffen, der hat offensichtlich keine Tagschicht und schnarcht selig.

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