Ganz ohne Stühlerücken

Es zählt für mich zu den schönsten Seiten des Bücherschreibens und es ist bei Sachbüchern leider nur extrem bedingt möglich: Ich richte meinen Figuren die Wohnung ein! Gewiss - auch beim Sachbuch und sehr reduziert bei einem Theaterstück - muss man ungefähr wissen, was in einem Raum steht, den man beschreibt. Aber da muss ich mich auf Fakten beziehen, auf Zeitmoden und das wahre Umfeld. Für Erfindung bleibt nicht viel Raum. Jetzt dagegen, beim Krimi, kann ich wild herumspinnen. Alles ist möglich!

Bei einem der Hobbyermittler dürfen Einzelstücke aus dem Rahmen fallen ... aber welche?

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der Listen schreibt. Räume im Roman entstehen bei mir im Kopf, während des Schreibvorgangs und wahrscheinlich auch beim Träumen vorher und nachher. Theoretisch darf ich sechs Zimmer, Küche, Bad einrichten, denn meine Hobbyermittler leben gemeinsam in einer sehr großen Wohnung und jeder hat zwei eigene Zimmer. Dreh- und Angelpunkt des gemeinsamen Lebens wird die gemeinsame Wohnküche sein, die ich im Kopf vom Boden bis zu den Stühlen längst eingerichtet habe. Aber etwas ist anders als beim Romanschreiben vorher: Die Krimis sind als Serie angelegt.

Und jetzt stelle ich beim üblichen Chaosarbeiten fest, dass es durchaus nicht übel ist, sich zentral die Augen- und Haarfarbe der Personen zu notieren. Anfängerkram. Kennt man, ist erledigt. Nur soll diesmal auch eine Wohnung über mehrere Bände halten! Wenn dann in Band 1 einer auf den Küchenfliesen ausrutscht, kann man schlecht in Band 2 plötzlich Dielen legen. Also habe ich aus der Not eine Tugend gemacht (ich hasse Listen weiterhin) und mir meine Wunschmöbel, Böden und Stile einfach ausgeschnippelt. Die werden in mein "Denkheft" geklebt wie in ein Fotoalbum, so dass ich bei einem Besuch in Lucs Räumen schnell mal nachblättern kann oder in Amandas Schlafzimmer sehe, wo sie die Rosenenzyklopädien verstaut.

Ich liebe diese Arbeit, so wie ich es liebe, Zeitschriften für Innenausstattungen und Dekoration zu kaufen. Klasse, wenn man einer Romanfigur etwas ins Zimmer stellen kann, was man selbst freiwillig nie kaufen würde. Wenn man die Charaktere der Menschen in Farben und Möbeln ausdrückt oder ihnen Überraschendes schenkt. Aber so wunderschön diese Phase ist, so gefährlich ist sie auch. Im Moment überlege ich nämlich, ob ich nicht mein Wohnzimmer streiche. Und einfach mal alles ganz anders mache ...

Kommentare:

  1. Der Spaß am Stühlerücken hat bei mir mal dazu geführt, dass ich Innenarchitektur studiert habe. Ich finde es heute noch toll, wenn ich mir Räume und Wohnungen ausdenken kann. Ich wünsche dir weiter viel Freude dabei! :)

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  2. Danke, Winterkatze! Den Beruf der Innenarchitektin stelle ich mir faszinierend vor, aber auch recht antsrengend! Zum Glück muss ich mich auch nicht mit komischen Kunden herumschlagen ;-)

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    1. Ich habe recht wenig als "richtige Innenarchitektin" gearbeitet und vor allem Leute beraten, die mit wenig Geld das Beste aus dem Vorhandenen machen wollten. Das war eine angenehme Tätigkeit mit dankbaren Kunden. :)

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