Parallelwelten einer Autorin

Als Autorin moderner Internetzeiten vergesse auch ich allzu gern, dass sich der Hauptanteil literarischer Arbeit im sogenannten "Real Life" abspielt. Das Publikum dort und die Arten der Kommunikation können manchmal völlig anders sein als die Fandoms im Internet - wodurch sich beide Welten perfekt ergänzen. Bei mir ist das "Echtleben" inzwischen sogar so anders, dass ich ein Wörterbuch brauche, um zu verstehen, was ich da wieder fabriziert habe ...

Die große Überraschung hielt ich gestern in Händen. Ich hatte in diesem Jahr in Baden-Baden bei einem Projekt der Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft mitgearbeitet, die für die Grabstätte des berühmten russischen Dichters und Übersetzers Wassili Schukowski und seiner beiden Kinder die Patenschaft übernommen hat und im 160. Todesjahr des Romantikers einen Obelisk aus seiner Zeit für die Gedenkstätte errichten ließ. Wassili Schukowski ist der Begründer der Romantik in Russland und war Freund und Förderer Puschkins. Als Übersetzer übertrug er vor allem deutsche Dichter wie Goethe und Schiller, aber auch den im Badischen beliebten Johann Peter Hebel. Seinen Lebensabend bis zum Tod verbrachte er in Baden-Baden. Der Sohn, in anderer Schreibweise Paul von Joukowsky, dürfte Deutschen eher ein Begriff sein - er war einer der engsten Freunde Richard Wagners im Haus Wahnfried und entwarf für dessen Premiere des Parsifal Bühnenbild und Kostüme, darunter den Gral. Seine Portraits von Wagner und Liszt sind berühmt geworden.

Ausschnitte aus "Neue Zeiten" zur Einweihung der Schukowski-Gedenkstätte Baden-Baden

Mir war es eine besondere Ehre, den Festvortrag für das Ereignis auszuarbeiten und zu halten - die Stadtbibliothek war Mitveranstalterin und zeigte auch eine kleine Ausstellung mit Werken von Schukowski in zwei Sprachen. Zwei Schüler vom Russischen Haus in Karlsruhe rezitierten zu meinem Vortrag ein Gedicht von Goethe im Original und in Schukowskis Übertragung (Foto). Russische Professoren aus Baden-Baden schrieben zeitgleich Fachaufsätze für ihre Universitäten zum Ereignis, der russische Konsul kam und die Grußworte aus Wissenschaft, Diplomatie und Außenministerium waren zahlreich. Der Begründer der Romantik und Förderer Puschkins ist nicht irgendwer.

Und so bin ich dann auch in der Welt der kyrillischen Buchstaben angekommen. Und habe meinen Namen zum ersten Mal in russischer Umschrift gesehen ... oben zu sehen sind Ausschnitte aus der Monatszeitschrift "Neue Zeiten", die Interessantes und Wichtiges aus Deutschland berichtet. Um den Artikel aber wirklich zu verstehen, werde ich wahrscheinlich Hilfe brauchen.

Die Veranstaltung blieb nicht ohne Folgen: Der Vortrag erscheint zunächst als E-Book in deutscher Sprache . Außerdem soll er ins Russische übersetzt werden. Und soll später auf alle Fälle auch zweisprachig gedruckt werden.
Und Blogleser wissen ja, dass ich ursprünglich mein geplantes Buch über die Russen in Baden-Baden auf Eis legen wollte (es wird ganz anders als welche mit ähnlichen Titeln, aber darüber halte ich mich bewusst bedeckt). Das Nadelöhr des stationären Buchhandels war mir doch zu riskant, da ich nicht nur lokal verkaufen will, außerdem musste ich dringend Arbeit abspecken. Wie das Leben so spielt, wird es 2014 jedoch einen Anlass geben, der genau diese spezielle Herangehensweise von mir wichtig machen wird. Es wird also nur verschoben, keineswegs aufgehoben. Und der Buchhandel, der dann nicht zugreift, ist selbst schuld.
Das alles begann mit einem russischen Ballettänzer, der plötzlich durch mein Leben quirlte und der "Faszination Nijinsky" ... verbunden damit, dass ich diese Themen unbedingt in mein Leben transportieren musste.

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