Lektüre für Sommerlaune

Monate hat es gedauert, nun ist es endlich so weit: Meine "Jugendsünde" ist zu kaufen. Ich habe lange überlegt, ob ich meinen Erstlingsroman je wieder neu veröffentlichen soll, denn für mich persönlich scheint er aus einer anderen Welt zu kommen, die ich längst schreiberisch verlassen habe. Aber man soll ja nicht egoistisch sein. Zweite Hürde war die Gestaltung. Jetzt endlich hatte ich die Möglichkeit, nicht nur den ungeliebten Originaltitel loszuwerden ("Stechapfel und Belladonna"), sondern auch das ungeliebte Cover. Was für eine Chance, einen Roman völlig neu und vielleicht anders und sogar passender platzieren zu können! Was für ein Risiko aber auch, was für eine Verantwortung für die eigene Arbeit! Es bleibt ein Verbanque-Spiel.

Leider hatte ich dieses Mal wirklich kein Geld für das, was ich mir im Self Publishing nach dem Lektorat zuallererst leisten können möchte: ein Cover vom Profi. Und so musste ich viel Zeit und Schweiß investieren, denn auch die Titelfindung fiel mir nicht leicht. Wie beschreibt man ein Buch, das sich immanent über Klischees lustig macht, ohne es wie eine Klischeesammlung aussehen zu lassen? Immerhin - der gefundene Titel ist auch der Titel eines Schlüsselkapitels. Aber wie zum Teufel illustriert man so etwas? Die ersten Versuche zeige ich besser nur ganz guten Freunden in dunkler Nacht. Da ist alles dabei, von psychedelischem Chaos bis hin zu Gestaltungen, die einen Krimi vermuten lassen würden. Ich weiß nicht, wie viele Stock-Fotos schon im Mülleimer landeten. Zeitweise bekam ich fast Brechreiz, denn wenn man Fotodatenbanken auf das Stichwort Teddybär oder Plüschbär durchsucht, watet man durch Zucker, Honig und Infantilismus.

Dann packte mich die Wut. Einen Bären hatte ich doch selbst! Darf ich vorstellen: Bärbär heißt der Titel-Boy. Seinen edlen Namen bekam er, weil er für mich so intensiv BÄR war wie kein anderer, eben Bärbär. Und wie drücke ich einen Alptraum aus, mit womöglich heiteren Untertönen? Im Buch wird ein Bär geworfen. Also landete der arme Bärbär auf Fotos zuerst kopfunter an meiner Hand, aber der Unterarm machte sich durch die Perspektive nicht so gut. Ich verkleidete mich in meine Opernrobe und hatte ein Cover im Sinn, wo ich mich und den Bären freistellen würde. War nur ein übel schlechtes Licht an jenem Tag und ich hatte es eilig. Hatte genug von der Herumbastelei. Ich ging nach draußen.

Bei dem Unkraut, das zwischen den Steinen hervorlugte, würde ich mir jedoch in Photoshop einen Wolf schneiden! Und das Regenwetter war für meine Klamotte auch nicht gemacht, für Bärbär schon gar nicht. Kopflos raste ich ins Bad, zog das erstbeste Badetuch aus dem Schrank und sah, dass es blau war. Das "Bluebox"-Verfahren fiel mir ein. Mit dem Kontrast müsste es doch ein leichtes sein, den Bären freizuschneiden? Und weil das Handtuch auf dem regennassen Unkraut so schön trocken war, pfefferte ich Bärbär liebevoll auf den Boden, denn ich brauchte einfach beide Hände zum Fotografieren aus der Höhe. Die Testbilder machten farblich etwas her zum Kleid. Und so kommt es, dass ich nun das wohl erste Cover weltweit habe, das aus einem zufällig aus dem Schrank gezogenen Handtuch besteht! Ich möchte auch nicht verhehlen, dass mich ein echter Grafiker beim letzten Verschieben der Schriften beraten hat - den möchte ich gern mal für ein anderes Projekt beauftragen.


Das E-Book ist seit heute hier bei Amazon zu haben. Und ich muss wohl nicht dazusagen, dass Leuten, denen dieser Roman gefällt, auch "Lavendelblues" gefallen könnte und umgekehrt. Sommerlaune im Doppelpack sozusagen. Und jetzt, wo ich das alles vom Hals habe, muss ich endlich mal wieder "für Geld arbeiten", sprich, bis Monatsende ein zwölfseitiges Essay schreiben. Mein Schreiben im Blog und in Social Media könnte sich dadurch leicht verdünnisieren ...

Klappentext:

Karen ist spezialisiert auf heile Welten: Im Beruf konzipiert sie heitere Vorabendserien, privat pflegt sie die glückliche Ehe-Idylle. Bis ihr Ehemann sie nach 18 Jahren überraschend verlässt.

Gummibärchen, Prosecco und Seifenoper-Klischees bieten ihr nur ungenügenden Trost. Sie ertrinkt in Selbstmitleid – bis ihre exzentrischen Freundinnen und ein schräger Scheidungsratgeber sie auf neue Gedanken bringen.

Glück, so sagen sie, gibt es nicht geschenkt - aber man kann sich den Zugang dazu organisieren lassen. Von Profis. Etwa in zweifelhaften Dating-Börsen. Bei durchgeknallten Fernsehhexen. In dubiosen Selbsterfahrungsseminaren. Über endorphinstrotzende Ernährungs-Coachings.
Anfangs verzweifelt, dann aber mit wachsender Erheiterung klappert Karen all die angesagten Spielarten der modernen Glückssuche ab – ein absurd-wahnwitziges Unterfangen. Deshalb entschließt sie sich zu einem noch verrückteren Vorhaben ...

"Liest sich wie ein appetitliches Menu, duftet ein wenig literarisch und schmeckt nach amüsanter Unterhaltung."
(Rheinische Post)

Kommentare:

  1. Schön, wie Du uns hier hinter die Kulissen schauen lässt! Und das Cover sieht für mein Laienauge absolut professionell aus. Schönes Spiel mit Horizontalen, Diagonalen und Vertikalen (wer oder was ist "edition maeve"?). Und dass der Untergrund ein Badetuch ist, da wär ich nie drauf gekommen. Sieht irgendwie aus wie blauer Sand oder blaues Moos - das macht natürlich neugierig.

    Allerdings würde ich dieses Buch in einem Laden nie in die Hand nehmen - mir graut einfach vor Plüschtieren aller Art. Schon als Kind habe ich nie mit denen gespielt und sie unters Bett verbannt, wo sie sich nachts in fiese Ungeheuer verwandelten, so dass ich es nicht wagte, den Fuß aus dem Bett zu strecken. Als Teenager fand ich es befremdlich, wenn ich ins Zimmer von Freundinnen oder - noch schlimmer! - Freunden kam und dort Batterien von Teddybären aufgebaut waren. Noch heute ist ein Plüschtier das schlimmstmögliche Geschenk, das man mir machen kann. Deshalb würde ich vor einem Buch mit einem solchen Cover - in dem der Plüschbär ja auch noch gleich zweimal vorkommt! - schnellstens die Flucht ergreifen.

    Dennoch spricht mich das Cover an. (Du siehst - ich bin hin- und hergerissen!) Sehr nett finde ich, dass hier die Autorin persönlich zu sehen ist, und dann noch diese faszinierenden Rosenstoff-Beinkleider. Und dass gleich nebendran Dein Name steht, das ist ein netter Gag. Auch die Schrift gefällt mir sehr, außer dem "Alptraum"-Schriftzug, der stört mein ästhetisches Empfinden.

    Was mich interessieren würde: Wieso magst Du den Titel "Stechapfel und Belladonna" nicht? Für mich tut sich da ein weites Feld an Assoziationen auf, das mich neugierig macht. Adam und Eva, Sündenfall, Paradies und Giftgarten, ein erotischer Unterton ... Das alte Cover mit den drei Sonnenbrillentussen würde mich allerdings auch nicht ansprechen. Da denk ich gleich an "Frauen, die Prosecco trinken".

    Jedenfalls kaum zu glauben, dass sich hinter den beiden Covern und Titeln derselbe Text verbirgt. Und das macht mich jetzt wirklich neugierig. Kann man das E-Book auch auf dem PC lesen (hab noch keinen E-Reader)? Oder ist das kompliziert?

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  2. Ganz ehrlich, Lydia, ich empfehle Lesen am PC-Bildschirm nicht, weil es ungemütlich ist und nicht schön für die Augen. Kein Vergleich zur sehr papierähnlichen E-Ink. Dann doch lieber die Antiquariate reich machen ;-)

    Ich bin wieder einmal überrascht, was Rezipienten alles in ein kreatives Produkt hineinlesen können, woran der Kreative auch im Alptraum nicht gedacht hat ;-) So ist z.B. die Namensstellung kein netter Gag, sondern rein ästhetischen Gesichtspunkten und dem Platz geschuldet, denn das könnten genauso die Beine meiner Nachbarin oder Metzgerin sein ... ich brauchte einfach schnell Füße und es war grad niemand greifbar, der sich freiwillig in den Nieselregen stellen wollte ;-)

    Der alte Titel war deshalb daneben, weil das Buch sofort seinen Weg in alle möglichen Drogen- und Kräutershops und Kreise fand und darum nicht mehr heraus in passendere. Es war einfach falsch platziert, weil es die Frauen ansprach, die einen ganz traditionellen Freche-Frauen-Roman erwarteten und dann enttäuscht waren. Prosecco trinken die "Tussen" in meinem Roman auch reichlich, aber der entlarvt sie dann auch gleich. ;-)

    Es hat sich beim "Lavendelblues" absolut bewährt, dass ich die Platzierung verändert habe, nicht nur, weil ich inzwischen mehr verkaufe als der Verlag, sondern weil jetzt genau die Leute kaufen, die solche Bücher auch wollen. Und nicht diejenigen, die etwas ganz anderes erwarten. Als Autorin weiß ich ja am besten, was zwischen den Buchdeckeln steckt. Mein Agent kämpfte damals vergeblich drum, jetzt kann ich schalten und walten.

    "Edition maeve" ist meine Buchreihe im Self Publishing: "Kluge Bücher für moderne Menschen". Wenn ich mal zu viel Zeit habe, erzähle ich, was es mit dem Namen auf sich hat. Und es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass aus dieser Buchreihe tatsächlich mal ein Verlag wächst ... irgendwann, eines Tages.

    Solltest du dich trotz deiner Plüschphobie an das Buch wagen wollen, lass einfach Kapitel 12 aus. Da erinnert sich die Protagonistin an ein Erlebnis als Kind im Krankenhaus, bei dem ein fliegender Teddybär eine Rolle spielt ... der rest des Buchs ist garantiert plüsch- , wenn auch nicht fellfrei. ;-)

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  3. Vielen Dank für Deinen ehrlichen Hinweis. Dann werd ich jetzt einfach noch warten. Einen E-Reader werd ich mir auf jeden Fall kaufen, es gibt bloß vorher noch paar andere Posten auf meiner Anschaffliste - und das Budget ist leider begrenzt. Aber dann, allerspätestens dann schlag ich zu im Hause Cronenburg ;-) (Deinen Nijinskij hab ich schon verschlungen, aus der Bücherei, und überlege ernsthaft ihn zu kaufen, obwohl ich mir absoluten Kaufstopp auferlegt habe, weil mein Regal sich schon längst aus den Schrauben biegt. Aber der Nijinskij ist ja dünn, den krieg ich schon noch irgendwie reingequetscht ;-))

    Oh Gott, ich hab tatsächlich "netter Gag" geschrieben, und überhaupt, zweimal "nett" in einem Absatz. Das kommt davon, wenn man zu nachtschlafenen Zeiten noch meint unbedingt sofort kommentieren zu müssen ... Es ist natürlich ein subtiler Gag, wenn man's weiß. Dass das nicht in erster Linie Deine Absicht war, sondern in Ermangelung eines Models einfach nötig, hab ich mir schon gedacht.

    Da kommt mir eine Idee: Für Dein nächstes Cover veranstaltest Du ein Casting, bei dem erst mal 100 Euro Teilnahmegebühr fällig werden, und dank der Horden, die dann Deinen Garten beim Shooting bevölkern, finanzierst Du Deinem Buch einen Rundum-Komplett-Service vom Feinsten. Und kaufst Dir obendrauf noch einen Blurb von Heidi Klum. Die Casting-Siegerin kriegt ein kostenloses Exemplar, mit dessen Cover sie sich dann bei "Germany's Next Topmodel" bewerben kann.

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  4. Lydia, wollte ich dich nicht schon mal als Marketing-Frau haben? ;-) Mit dieser Methode werde ich mir das sogar leisten können. Und ich seh sie schon alle, wie sie tapfer im strömenden Regen ausharren, nur um ihre schmutzigen Schuhe auf einem Buchcover verewigen zu können! Und ich könnte endlich in eine/n Grafiker/in investieren!

    Tja, der Nijinsky. Den gibt's zwar auch als E-Book, platzsparend, aber ich persönlich mag den auch nur auf Papier. Magst du mir verraten, in welcher Bücherei das Buch steht? Wäre wegen der VG Wort interessant für mich. Wenn das zu viel Rückschlüsse auf deine Identität zuließe, gern auch per Mail unter sinnesreisen Klammeraffe gmx Punkt net

    Und mach dir keinen Kopf um Fehler. Ich redigiere jeden Bogbeitrag auch gefühlt mindestens zehn Mal - so sieht meien dicken Fehler keiner.

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