Landeierleben: Mäuse

Frühstückslaune im Hause Landei: sehr tief gesunken. Aufs Niveau eines Mauselochs tief gesunken. Da stehe ich extra früh auf, um fröhlich das Sauerteigbrot in den Ofen zu schieben, in dem Madame Hoppla seit einem Tag arbeitet. Und dann die böse Überraschung!

Nicht alles war schlecht in uralten Küchen. Die Leute damals wussten sich schlau zu wehren! (Küche des Maison Rurale in Kutzenhausen)

Das wunderschöne rotkarierte Leintuch über der Teigschüssel sieht aus, als habe es Granateneinschläge hinter sich. Riesige Löcher klaffen im Gewebe, fein säuberlich und ziemlich perfekt rund ausgenagt. Ein Loch für einen riesigen Popo, weitere Löcher für kleinere Popos. Wer das Unheil angerichtet hat, lässt sich auf dem Teig erkennen: Mäuseköttel. Ganz eindeutig von der Maus mit dem Riesenpopo.

Madame Hoppla ist schlecht. Sie hat sich zurückgezogen. Wahrscheinlich ist die Attacke in der Nacht passiert, als sie noch vorfreudig auf den Ofen ihre Backen aufgeblasen hatte. Nun müffelt Madame Hoppla scharf und penetrant ... nach Mäusepipi. Verhindert definitiv die Gärung und Kohlendioxidproduktion im Teig! Ich sehe rot, knirsche mit den Zähnen und will Madame Hoppla auf gar schröckliche Art rächen. Da fällt mir ein, dass Sonntag ist und ich eigentlich sehr gute Laune haben wollte. Ich sollte an etwas positives denken, konstruktiver sein. Also denke ich mir eine Vorrichtung aus, die das CO2-Problem dieser Welt effektiv in den Griff bekommt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Myriaden von Mäusen die Stätten menschlicher Zivilisation mit dem großen Rettungsintrumentarium beglücken: Mäusepipi!

Leider tröstet mich der rosige Blick in die Zukunft wenig. Mein Brotteig ist hinüber, wahrscheinlich mit allen möglichen Keimen kontaminiert, und ich frage mich, als welche Art Müll ich ihn einordnen soll. Würde mir jetzt eine Maus begegnen, ich würde mein "French Chief's Knife" nach ihr werfen, so wütend bin ich.

Plötzlich sehe ich die Vergangenheit vor mir. Und mich, wie ich schlauschwätze. Ich stehe im Vorratskeller des Musée Rurale und führe eine Gruppe Touristinnen und Touristen. Meine Finger schubsen ein Konstrukt an, das an der Decke hängt und nun wie eine Kinderwiege schwingt, ich grinse frech in die Runde und frage. "Na, was wird das wohl sein?" Das Grinsen kann ich mir leisten, weil es nur noch die Alten wissen, die anderen raten die urkomischsten Dinge. Jetzt im Moment weiß ich das Ding voll zu würdigen.

Es ist ein leiternartiges Ding aus Holz mit zwei Bretterlagen wie bei einem Regal, wie ein Himmelbett hat es vier Eckpföstchen und daran hängt es freischwingend.

Während ich den klebrigen, stinkenden Teig aus der Schüssel kratze, höre ich mich, wie ich den Leuten erkläre, dass das Ding fürs Brot sei und ein effektiver Mäuseschutz. Mäuse können es nämlich absolut nicht leiden, wenn etwas wackelt und schwingt. Sagt man. Springt nun also eine Maus zum Brot auf das Gestänge, gibt es einen Ruck und das Tier fährt Achterbahn. Jede weitere Maus bringt das Ding nur noch mehr zum Wackeln. Ratzfatz springen die Mäuse seekrank zurück auf den festen Boden und fliehen angeekelt. So heißt es.

Ein neuer konstruktiver Gedanke keimt in meinem Kopf: Ich sehe mich die Teigschüssel beim nächsten Mal an der Decke aufhängen.

Nichtsdestotrotz: die Mäuse müssen weg. Die mit dem dicksten Popo sollte zuerst dran glauben. Ich werde mir die mörderische Abteilung für Mausefallen im Museum näher anschauen ...

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