Großes Ausmisten

Manchmal muss man nicht nur Zimmer aufräumen und sich von Dingen trennen. Indem ich durch die Notoperation meines Hundes wieder einmal mit dem Thema Tod und den wirklich wichtigen Dingen im Leben konfrontiert wurde, habe ich viel nachgedacht - dass ich derzeit mit der Pflege etwas zu Hause angehängt bin, gab die nötige Ruhe dazu. Etwas musste bei meiner Arbeit anders werden. Zu viele unterschiedliche Baustellen; Punkte, wo ich unzufrieden war; Dinge, die ich mir vielleicht selbst nicht eingestehen wollte. Letztlich hat leider die immense Tierklinikrechnung ihr Übriges beigesteuert, dass ich mich von einigen Dingen trennen und wirtschaftlicher denken muss.

Großreinemachen ist angesagt

Ich habe Tabula Rasa gemacht, gnadenlos. Was sehr heilsam war, denn unter normalen Umständen lässt man so vieles mitlaufen, weil man sich an den Exitus nicht herantraut. Oder weil man Angst hat, sich vielleicht lächerlich zu machen, wenn man einen Rückzug ankündigt, wo man vorher noch groß getönt hat. Folgende Dinge haben sich nun verändert:

Ich begrabe zunächst für sehr lange Zeit, wenn nicht sogar für immer, meine Ermittlerin Amanda Joos und die Idee meiner Krimiserie.
Zum einen habe ich auf bald ein Jahr nicht die Muße, wirklich derart langfristig belletristisch zu arbeiten - oder anders gesagt: Ich kann mir diese Extra-Muße nicht finanzieren. Dazu kommt der Punkt, dass ich mittlerweile das Genre "cozy crime" in Deutschland am Abgrund kurz vor der Müllhalde sehe. So schlimm schon manche (nicht alle zum Glück!) Regio-Krimis waren, inzwischen verkommt das Ganze im Buch wie im Fernsehen zum Heimatschnulzen-Genre à la "Kommissar Wampinger und der Semmelknödelmörder" oder "Brezelbäckerin Susi findet den Misthaufenmörder und einen feschen Bauern dazu". Sich davon abgrenzen zu müssen, verschlingt unnütze Energien - ich schreibe einfach in der falschen Sprache. Eingestellt werden also auch Amandas Blog und ihre Facebook-Seite. Ich bedanke mich bei allen, die mich hier unterstützt haben - es ist leider nicht die Zeit für solche Krimis.

Mein "Russenbuch" lege ich vorerst (!) auf Eis.
Ich sehe im Moment keinerlei erquickliche Möglichkeiten für Self Publishing eines solchen Projekts im deutschen Buchhandel und leider auch noch keine genügende Verbindung vom Zielpublikum zur Vermarktung via Amazon. Dieser Ärger, vom stationären Buchhandel als Self Publisher nicht adäquat und wertfrei akzeptiert zu werden, plus die Belastung, ein Projekt mit gleichzeitiger Sponsorensuche effektiv aufzuziehen, ist mir im Moment zu viel. Von der Energie her. Ich könnte auf russischer Seite ohne weiteres stemmen, was auf deutscher noch nicht möglich ist. Aber das wäre für mich doch etwas komisch, dann könnte das Buch auch gleich ein Russe schreiben. Aber vielleicht verändert sich die Branche noch ein wenig bis nächstes Jahr, vielleicht wird Amazons CS ans Sortiment angeschlossen wie in den USA - und dann sehen wir weiter.

Ein neues Europa-Projekt?
Um nicht ständig selbst zu investieren, sondern auch mal wieder einfach ordentlich bezahlt zu werden, habe ich gerade eine Bewerbung laufen. Man darf mir die Daumen drücken. Es geht um ein kleines Buch, grenzüberschreitend, zweisprachig. Die Frage ist, ob wir den Zuschlag bekommen.

Keine ehrenamtliche Arbeit.
Habe ich in diesem Jahr gern gemacht, aber davon kann ich meine Tierarztrechnung nicht bezahlen. Als Freiberuflerin muss ich diese Zeit nun leider mit "geldwerter" Arbeit füllen. Deshalb versuche ich auch, meine Social-Media-Arbeit etwas effektiver zu organisieren.

Der eigene Verlag
Zunächst einmal warten noch einige Backlist-Titel auf Veröffentlichung und ein Druck meines Vortrags über Schukowski wurde angefragt - genug Arbeit für mich, der ich ständig hinterherhinke. Die geplante Verlagsgründung will durchdacht und vorbereitet werden. Allein Arbeit für drei bis vier Köpfe, die ich allein leisten muss ... Der Vorteil des Verlags: Ich komme damit an Partner heran, die eine einzelne Autorin nicht nehmen würden. Sprich: Meine E-Books würden dann auch endlich als Epub und in allen gängigen Shops zu haben sein. Viel Arbeit also, aber auch Arbeit, die ich mir dann teilweise von Dienstleistern abnehmen lassen kann.

Schuster, bleib bei deinen Leisten
Im nächsten Jahr wird mein Elsassbuch in Neuauflage erscheinen, auch das E-Book dazu. Falls es mit dem Europaprojekt etwas werden sollte (toitoitoi), bliebe ich sehr bei diesem Thema. Dabei fiel mir auf, dass ich ohnehin für mein Leben gern übers Leben und Genießen im Dreiländereck quassle, übers Kochen und Rezepte und übers richtige Einkaufen dazu. Eine Revision meiner Festplatte förderte Rohtext für allein drei Bände zutage! Und wenn ich schon einen Verlag gründe, warum diesen nicht mit einer kleinen Reihe aufmachen, für deren Spezialität ich längst einen gewissen Namen habe? Warum nicht die Synergie mit dem Buch bei Suhrkamp-Insel nutzen? Ja, Bücher übers Dreiländereck und übers Kochen und Genießen gibt es natürlich zuhauf, aber keines in der Art, in der ich erzähle.

Mehr Bücher übers Dreiländereck
Statt Belletristik wird es also von mir zuerst einmal weitere literarische Reisebücher geben, Plaudereien, wie man sie stilistisch von mir bereits aus dem Blog kennt, mit vielen Tipps und Rezepten zum Nachkochen.
Dafür entwerfe ich im Moment ein Reihenkonzept, ein Image, eine Vermarktungsstrategie und sortiere natürlich schon fleißig Texte.
Gestern hat es mich dann gepackt - ich fotografiere plötzlich mein Essen während des Kochens. Wenn bei Facebook selbst Instagram-Gewusel ankommt, dann kann ich das auch, ohne Fooddesignerin zu sein. Nein, natürlich kann ich nicht professionell fotografieren! Aber ich setze bei diesen Büchern auf den Charme des ganz Persönlichen, dem Peepshow-Effekt, der Autorin in die Töpfe schauen zu können.

Mehr als genug zu tun, aber das Hundefutter und der Tierarzt wollen eben erwirtschaftet werden. Und irgendwie bin ich Rocco sogar dankbar, dass er mich aufs Wesentliche gestoßen hat. Auch, wenn ich ein wenig das Heulen kriege, weil so viele Texte ungeschrieben bleiben, einfach nur deshalb, weil sie unwirtschaftlich oder zu risikobelastet wären. Aber immerhin: Ich bleibe ja bei meinen Lieblingsthemen.

Kommentare:

  1. Zunächst mal bin ich froh, daß Herr Hund auf dem Wege der Besserung ist ... vor einigen Jahren war unser Kater mal Privatpatient in der Klinik, der Rechnungsbetrag hätte ganz easy mal eben für einen gebrauchten Kleinwagen gereicht. Somit kann ich gut verstehen, daß Du erst mal ausmistest und einschränkst. Eine gute Freundin schrieb mir - als ich nicht mehr wußte, wo ich anfangen soll, und einen sehr lieben Traum hintenan stellte - einen Satz hin, der seitdem prominent an meiner Pinnwand hängt: "Dreams don't have an expiration date". Recht hat sie - und jetzt drück' ich Dir die Daumen für das Projekt, für das Du Dich beworben hast !!
    Liebe Grüße
    Frauke
    ehemals Hundehalterin, mittlerweile auf die Katz' gekommen

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  2. Danke für diese motivierenden Worte, Frauke! Zum Glück reicht's an einen Kleinwagen noch nicht heran und ich darf die Rechnung abstottern, aber zusammen mit einem Heizölpreis von 99 Cehnt / l eine höchst ungemütliche Situation, so dass ich dir sehr nachfühlen kann. Man hat dann Angst vor jeder Kleinigkeit, die noch dazwischenkommen könnte.
    Drum danke auch für diesen wunderschönen Satz deiner Freundin.

    Wobei ordentliche Honorare in unserer Branche auch mal ein Trost und eine Hilfe wären ...

    Schöen Grüße aus dem Elsass, Petra

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  3. Die Welt ist vor Hunger schlaflos; und wieder ein Kochbuch, das den Magen bereichert … Eine Seite davon, könnte nicht mit Essen beschrieben, auch nur, …ein Hunger befüllen! Schade nur! Sie hatten am Anfang, ein Buch mit 700 Seiten geschrieben, abgespeckt den Odilienberg aufgetan; da drinnen, sind Regalen unzählige Geschichten… die Sie beschreiben angeknüpft jeden verstehendem zugetan… Schreiben Sie über die Mystik, sie sei aufreibender, in der Ich – Erzählung; eine einzigartige Perle; ich denke! Nur ich sei kein… Voyeur! Manchmal schon!
    „Der Odilienberg“ - der kostete im Jahr 2000; mir 1,95 EURO, heute hat er sein Preiß – bei Amazon, richtig dieser Mut.

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  4. Das Buch "Geheimnis Odilienberg" wird nicht mehr aufgelegt, weil es aufgrund neuerer Forschungen und Ausgrabungen hoffnungslos überholt ist. Ich habe mich da auch persönlich weit weg entwickelt und würde das Buch heute komplett anders schreiben. "Mystik" war Ende der 1990er eine beliebte Vermarktungsstrategie von Verlagen, die nicht zwingend den Autoren entsprach ...

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  5. Ja, das kann sehr befreiend sein, mal so richtig aufzuräumen, Petra! Ich glaube, das sollte ich auch mal wieder machen und dabei das Motto von den Träumen und dem Verfallsdatum drüberschreiben ...
    Es freut mich zu hören, dass es Rocco und dir besser geht und was für riesige und faszinierende Pläne da wieder zutage kommen-und in welcher neuen Ordung sie jetzt stehen!
    Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Mut und Kraft und Durchhaltevermögen und den Job, den du brauchst, um auch Träume durchziehen zu können!

    Herzlichst
    Christa

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  6. Liebe Petra,

    wow, da spricht auf jeden Fall eine Menge neue Energie heraus. Schade, dass Du das was abfällt nicht verheizen kannst.;)
    Ich drücke Dir die Daumen für die laufenden Bewerbung! Dass Amanda nun versinkt, finde ich allerdings schade.

    Liebe Grüße,
    Nikola

    P.S. Du jetzt auch - diese schreckliche Roboter-Prüfung? Bitte nicht!

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  7. Danke für eure Anteilnahme, Christa und Nikola!
    Entgegen des ärztlichen Rats war ich mit Rocco vorhin wenigstens auf der angrenzenden Wiese, nach Mäusen und Herbstgerüchen schnuppern. Aber der Gute dreht schon wieder so auf, dass er zwangsgebremst werden muss. 14 Tage muss er sich noch komplett schonen, äh, geschont werden ;-)

    Energie? Vielleicht klingen meine Worte so, ich selbst hänge gerade allem hintennach, könnte nur noch schlafen und leide unter fehlenden Hundewanderungen ... ganz zu schweigen vor dem fremdsprachigen Formularhorror angesichts der Verlagsgründung (und den Folgen der Formulare).

    Nein, ich habe durchaus Verzweiflungsmomente, wenn ich sehe, dass meine literarische Arbeit, die ich eigentlich gern machen würde, immer wieder auf der Strecke bleibt - und ich werde nicht jünger. Es ist auch nicht einfach, Menschen zu enttäuschen, die bereits auf etwas gebaut haben, so wie bei meinem "Russenbuch". Ich kann mich da zwar mit Marktgegebenheiten "beruhigen", aber in Wirklichkeit macht es mich rasend wütend, dass ich auf die deutsche Sprache angewiesen bin, während ich in anderen Ländern sehr viel lockerer sehr viel mehr stemmen könnte.

    Aber Jammern hilft nicht, auf Künstler wurde noch nie Rücksicht genommen, also weiter mit dem Kopf durch die Wand. Irgendwann muss die doch umfallen ;-)

    Schöne Grüße, Petra

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  8. Hach ja, fokussieren müsste man können...

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  9. Man soll das lernen können ;-)
    Eine Frau, die als Coach arbeitet, gab mir z.B. den Tipp, öfter mal innezuhalten, zurückzutreten und zu überlegen: Was will ich eigentlich wirklich? Was führt mich direkt dahin, was hindert mich daran, womit muss ich mich leider arrangieren. Ich übe noch, denn aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Und wenn morgen ein Projekt nicht klappt, kommt ein anderes dran.

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