Wie meine Hausmäuse

Wenn es im Winter kalt wird, tanzen die Hausmäuse. Zumindest ist das hier auf dem Land so - ganze Familien von Nagern ziehen von den Feldern in die Nähe der Häuser und arbeiten sich einen ab, um an menschliche Vorräte zu kommen. Manche sind so schlau, dass sie mehrere Baustellen gleichzeitig unterhalten. Ähnlich geht es mir nicht nur in diesem Jahr, sondern vor allem jetzt im Dezember.

Konfitüre aus Wildbirnen habe ich auch gekocht. Natürlich LEBE ich trotz aller Arbeit!

Neben dem Weihnachtsgeschäft mit meinem Papierschmuck habe ich einen Nebenjob angenommen, um das Heizöl zu erwirtschaften. Ich will keinesfalls jammern, es ist nur wirklich ein Abenteuer, beides zeitlich unter einen Hut zu bringen: Das Blog musste einfach hintenan stehen. Abends beim Fernsehen drehe ich Perlen, der Feierabend beginnt dann gegen 22 Uhr. Typisch Freiberuflerdasein, sehr typisch auch fürs "erste Mal", weil ich ja erst noch lerne, wie sich manches im neuen Metier verhält. Etwa das Weihnachtsgeschäft: Werden die Leute rechtzeitig bestellen? Werden alle auf einmal und auf den letzten Drücker kommen? Bestellen genügend oder wird der Januar der neue Geschenke-Monat, wenn der Überdruss an falschen Präsenten sich erst einmal gesetzt hat und neues Geld in der Kasse liegt? Nein - ich denke nicht wirklich nach, denn längst arbeite ich am nächsten Fest, das wichtig für Schmuck ist: dem Valentinstag!

Heute ist Großreinemachen. Im Atelier und im Kopf, beides ergänzt sich fabelhaft. Nach einer aufwändigeren Maßanfertigung räume ich immer meinen Werkstatttisch auf, sortiere all den Kleinkram neu, der anfällt, entsteht, vorbereitet wird. Musterstücke und fertige Rohlinge aus meiner Papierblätter-Kollektion etwa. Einzelne Perlen, die von den Kunst-Stücken übriggeblieben sind. Und alles brav ins Töpfchen: roh Gewickeltes, Behandeltes, Perlen zum Lackieren, Fertiges. Ein Fehlkauf der ersten Stunde liegt neben dem neuesten Versuch: So viel ist in diesem Jahr geschehen. Was für einen Weg habe ich geschafft! All die Veränderungen, die ich durchlief. Da war eine, die keine Bücher mehr schreiben konnte und wollte und sich doch nicht vorstellen wollte, wie das wäre, wenn man sich das Lebenselixir des Schreibens einfach "abdreht". Es wurde eine Frau daraus, der Kreativität an anderer Stelle sprudelte und die unwahrscheinlich viel Freude empfindet, wenn sie Frauen (und dem ein oder anderen Mann) Schönheit zum Anschauen und Tragen geben kann oder bei künstlerisch freien Maßanfertigungen Persönlichkeiten unterstreichen darf. Und allmählich, mit dem Landen in der neuen Existenz und dem Sicherwerden, wurstelt es immer öfter im Hinterkopf herum.

Ich habe das Schreiben ja nie aufgegeben, nur die flüchtige Form des Internets gewählt. Ich fühle wieder, wo mein ureigenes Schreiben liegen könnte. Und vielleicht muss es zuerst einmal flüchtig bleiben, angesichts der "schnellen" Zeiten - und nur in ein Buch gerinnen, wenn genug gesammelt ist, was Bestand haben soll?

Die Zeiten - da geht es mir wahrscheinlich wie vielen anderen auch: Einen Jahresrückblick 2016 spart man sich besser. Zu übel, was da alles aus braunem Schlamm und Populistengülle spross. Zu viel, was auf uns einprasselte und vielen ein positives Lebensgefühl, vielleicht sogar die Hoffnung nahm. Irgendwann hatte ich die Idee für ein E-Book, wollte ein Essay schreiben, mit dem Arbeitstitel "Die Überforderten". Burn-Out-Zeitalter voll eines Irrwitzes, der einen glauben macht, in der Psychiatrie steckten derzeit eher die "Normalen". Oder fehlte es jahrelang an der Verankerung im Leben, an dem, was man im weitesten Sinne eine innere Spiritualität nennen könnte? Fernab von Religionen oder Guruweisheiten, einfach der Umgang mit den eigenen inneren Quellen, mit der Nahrung für die Seele von außerhalb, weil wir ja alle nur vernünftig und kopfgesteuert sein durften? Schlug das alles deshalb um ins Postfaktische, das Zeitalter, in dem Menschen wieder glauben wollen, dass die Erde eine Scheibe sei?

Nie kam ich über den Entwurf hinaus. Schon kurze Zeit später geschah wieder etwas Unfassbares, vollkommen Durchgeknalltes auf dieser Welt. Die Fantasie einer Schriftstellerin wie mir reicht spätestens seit der Wahl in den USA nicht mehr aus, noch Fantasievolleres zu ersinnen. Bis eine Dystopie sauber recherchiert ist, hat die Gegenwart den Plot überholt. Und so blieben all die schlauen Essays ungeschrieben, bei Facebook ab und zu in Gedankenschnipseln abgesondert. Selbst ein Blogbeitrag wie der über Big Data scheint nach drei Tagen überholt zu sein.

Daraus möchte ich eine Stärke ziehen. Ich liebe nämlich den Wechsel, das Umdenken, das Erkunden neuer Welten. Während ich die Post für meine Schmuckkundinnen packe, rotiert es kräftig in meinen Hirnwindungen. Angefangen hat es damit, dass meine Website als Autorenseite meinem jetzigen Tun kaum gerecht wurde. Renovierung war angesagt. Und dass ich wohl ebenso wie andere die Nase voll habe, dass jeder Rotz und jedes Skandälchen und vor allem die Aufreger durch die Algorithmendecke gehen, während wir kaum noch das Positive liken oder Hoffnung finden.

Kurzum ... es wird mal wieder Veränderungen geben, diesmal hier im Blog. Keine Angst, "cronenburg" bleibt natürlich, was es ist - ein Platz zum Querdenken. Aber zum Jahresbeginn möchte ich nicht nur das Layout neu anpassen. Noch luftiger und schlichter hätte ich es gern, vor allem aber soll es auch für Schmuckfotos geeigneter sein. Dann löse ich mein Schmuckblog nämlich auf (gelernt: Zeitmanagement). Wie im Atelier will ich aufräumen, nämlich in den Kategorien. Weniger ist mehr. Passend dazu schweben mir Schwerpunkte in Bereichen vor, die ich etwas vernachlässigt habe: Neben der Schönheit und dem Werkeln am eigenen Papierschmuck möchte ich im neuen Jahr auch Schönheit von anderen vorstellen. Ich will eine Abteilung des Entdeckens haben, wo ich von neuen Errungenschaften, Forschungen, Entdeckungen erzählen will, die ein wenig Zukunft ahnen lassen. Es wird einen Bereich fürs Nachdenken geben - das kann und will ich nicht lassen. Und Menschen, die Mut machen, sind mir wichtig; Menschen, die uns anstacheln können, uns stärken oder einfach mal aus dem Sessel scheuchen.

Noch sind das nur wirbelnde Ideen im Kopf, ohne Form. Also nicht erschrecken, wenn das Blog zum Jahreswechsel öfter mal ein neues Kleid anprobiert und Madame mal hier, mal da die Zange ansetzt. Das Blog bleibt typisch für mich, ich bleibe in all meinen Facetten ja auch immer ich. Aber es soll hoffnungsheller werden. Den Dreck soll meinetwegen Facebook schleudern ... ich finde, wir müssen uns endlich wieder den Inhalten zuwenden, welche die Welt weiterbringen anstatt sie in die Vergangenheit zu pressen. Und das passt dann auch richtig zur Schönheit, die wir uns um den Hals hängen können, farbenfroh, mutig - als Statement.

PS: Wer in meinem Atelier-Tetebrec-Shop bestellt, sollte bitte folgendes beachten: 
1. Letzter Absendetermin vor Weihnachten ist der 19.12.
2. Da mein Atelier in Frankreich ist, müssen deutsche Kundinnen bedenken, dass Auslandsüberweisungen etwas länger dauern (bis zu 4 Tagen) und die Post natürlich auch länger braucht (in guten Zeiten 3-4 Werktage, zum Weihnachtsgeschäft hin natürlich auch länger).
3. Bei Zahlung per Paypal fällt natürlich die Wartezeit, bis das Geld da ist, weg.
4. Die Post selbst empfiehlt für eine pünktliche Lieferung zum Fest innerhalb der EU ein Absenden bis Anfang dieser Woche.
5. Ich kann keine Maßanfertigungen mehr vor Jahresende fertigstellen, nehme aber Bestellungen dafür an. Denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Ich setze der Reihe nach auf die Warteliste. Außerdem empfiehlt sich ohnehin frühzeitiges Bestellen, weil der Schmuck ordentlich durchtrocknen und manchmal Zubehör extra bestellt werden muss.

Kommentare:

  1. Liebe Petra,
    ich finde es wunderbar, dass du hier und da aufräumen magst und was Facebook angeht: da habe ich schon vor Jahren aufgehört die Beitrage alle anzusehen und mich in die depri-gefilterte Bubble zu begeben. Die Welt dreht sich auch weiter, wenn wir uns nicht alle Entwicklungen brandheiß geben, nur damit wir noch dystopischer gestimmt werden. Arbeiten wir lieber an unserer Kunst und unserem persönlichen Fortbestehen. Auch wenn das ein wenig egozentrisch klingen mag, es hält einen wenigstens geistig gesund. ;-) Ich persönlich kommentiere inzwischen auch viel lieber in meinen ausgewählten Blogs selbst als über Facebook. Da weiß ich dann auch ungefähr was mich erwartet und werde nicht von einer Flut Eindrücke erschlagen.

    Halt durch, mach weiter so und lass dich nicht von der Facebook-Bubble oder dem Nebenjob aufhalten!

    Liebe Grüße,
    Sam

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    1. Danke, liebe Sam!
      Der Nebenjob ist nur ein kleines Projekt lang und macht Spaß. Irgendwo muss das Geld reinkommen, der Schmuckladen braucht noch ein Weilchen, bis er mich vollends ernährt.

      Mit der geistigen Gesundheit sprichst du einen wichtigen Punkt an, über den ich auch noch irgendwann bloggen will. Von immer mehr Leuten höre ich, dass sie sich nach ausgiebigem Gebrauch wie "besudelt" fühlen. Manche holen sich in Social Media Frustrationen, die sie im Leben vorher nie kannten. Viele schaffen den inneren Abstand nicht mehr. Und bei FB kippt in der Tat etwas.
      Mit Egoismus hat das nichts zu tun, finde ich. Wenn man Strom nach außen bringen will, muss man den eigenen Akku immer wieder aufladen.

      Und natürlich mache ich weiter. Ich bin froh, dass ich inzwischen eine Gelassenheit entwickelt habe, die ich in der Jugend nicht hatte. Ich weiß jetzt, dass man solch eine Unternehmung wie mein Atelier lieber langsam, im eigenen Tempo aufbaut, auf einem guten Fundament. Den Fehler, auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen, mache ich heute nicht mehr. Wir bringen Kunst in die Welt und Freude - lass dich da auch nicht beirren!
      Liebe Grüße,
      Petra
      PS: Ich freue mich über jeden, der überhaupt noch in Blogs kommentiert und nicht nur bei FB! Dann haben nämlich alle etwas davon.

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