Kernspaltung

Die neuen Medien haben manchmal den Nachteil, dass man mitansehen muss, wie sich die Extreme gegenseitig zu Klump zu schlagen versuchen, mehr oder minder auf Niveau und intellektuell untermauert. Im Moment stehen auf dem Schachbrett immer öfter zwei Parteien: Die Verteidiger des Buchs aus Papier - und die Verteidiger des E-Books. Dazwischen scheint es nichts anderes zu geben, wer beides völlig natürlich und womöglich individuell nutzt, kommt nicht vor. Eine absolut künstlich aufgebaute Phalanx, wie einem der Blick ins ganz normale Leben außerhalb der Szene oder der Metropolen lehrt. Weil dieser "Kulturkampf" aber gar so geschickt inszeniert wird, frage ich mich schon immer häufiger: Cui bono - zu wessem Nutzen? Und kann mich immer häufiger kaum des Eindrucks erwehren, dass es natürlich nur einmal wieder ums liebe Geld geht. Um extrem viel Geld. Hinter der Auto- und Chemieindustrie steht in Deutschland die Kultur als "Markt" an dritter Stelle!

Um denen, die nicht in den Social Media am Tropf hängen, ein wenig Einblick zu geben, kopiere ich einmal einen Kommentar von mir aus Facebook her. Der Aufreger in Sachen "Kernspaltung", nur ein Beispiel von vielen, ist Christian Stöckers Artikel "Die nostalgische Generation". Da sollte man mal kurz reinschauen, um meine Replik zu verstehen. Wie ist das für meine Leserinnen und Leser da draußen? Klaffen dort auch die Abgründe zwischen ach so unversöhnlichen Arten, Bücher zu lieben?

Hier mein Kommentar:
Ganz ehrlich: Mich macht dieses Geschwätz selbsternannter "Zukünftiger" über die ach so out seienden "Nostalgiker" inzwischen Gähnen. Und umgekehrt bekomme ich von Fanatikern der anderen Couleur ebenfalls zuviel. Da werden inzwischen Feindbilder und Abgründe aufgebaut (von wem eigentlich und cui bono?), dass ich mich manchmal frage, ob hier nicht im Interesse von Profit und Marktinteressen vorsätzlich verdummt und abgelenkt werden soll - auf beiden Seiten. Gerade weil der Autor so über die Steinzeit lacht - das Geschichtenerzählen, einst am Lagerfeuer, heute vielleicht vor der Feuerdatei auf dem Bildschirm, wird auch in Zukunft alle technischen Errungenschaften überleben!


Und da steckt die wirkliche Zukunftsfrage, die man mit diesen künstlichen Dualismen wunderbar umschifft: Wo bleiben künftig die Künstler, die Literaten? Wie viel Freiheit bietet die ach so gepriesene Freiheit, wer macht das wahre große Geschäft, wie sklavisch gebunden werde ich in Zukunft an Monopolisten und Plattformen sein, ohne auch nur eine einzige Möglichkeit des Verhandelns um Konditionen? Wo bleiben die Leser, wenn sie eines Tages aufwachen und merken, wie sie sich anbinden, wie sie ungeheure Gelder in Zubehör und Hardware statt in Geschichten und Autoren stecken, ohne jede Garantie der Überlieferungsfähigkeit? Alle jammern über den Preis für E-Books, aber die Readerhülle für 50 Euro ist nicht zu teuer?


Die Wahrheit da draußen im wahren Leben ist zum Glück viel durchmischter. Und es könnte sein, dass eines Tages viele Menschen vom Gigantismus der derzeitigen Goldgräberstimmung genug haben und zu kleineren Strukturen zurückkehren wollen. Vielleicht sind dann die kleineren Strukturen untergegangen. Dann bleibt uns nur noch ein "Occupy your art!"

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