Kaya und Bregovic / Musik

Die Mischung ist außergewöhnlich. Die bekannte polnische Sängerin Kayah trifft auf Goran Bregovic, der im Westen durch seine wild-emotionale Musik zu Filmen von Emir Kusturica berühmt wurde. Dazu noch ein Goralenensemble, das selbst für polnische Ohren exotisch klingt. Die Goralen sind eine ethnische Minderheit in der Tatra, musikalisch etwa das, was Bayern für Deutsche bedeuten... aber gern mal mit Ausflügen in die Weltenmusik und den Jazz.

Was dabei herauskommt, ist ein eigenartiges Schweben zwischen Istanbul und Belgrad, Warschau und Athen, Polen und Serbien - das seine Feinheiten beim zweiten Hören besonders entfaltet.
Die polnische Iggy-Pop-Adaption von "sleep my dearest, sleep" schlängelt sich durch orientalische Bazare und quillt wie das Leben in Istanbuls Straßen. Anstatt zu schlafen, wird man eher zum Bauchtanz verführt.

"To nie ptak" kommt lyrisch daher, zart, besticht mit Kayas Stimme und russisch anmutendem Chor. Dafür schüttelt "sto lat" den ganzen Körper in Tanzlaune - diese Klänge kennen wir aus Kusturicas schrägen Filmen. Zwischen Zigeunerwehmut und jiddisch anmutendem Schmelz das mehrstimmige "a rose was I" - und Kayas nachdenkliche Stimme zu überraschenden Kontrabassklängen in "trudno kocha´c".

So viel wäre zu sagen... ein abwechslungsreiches Album mit vielen leisen Zwischentönen, nie ihre tanzende Beschwingtheit verlierend, aber auch mit vehementer Lebensfreude und einer Trauer, die im gleichen Augenblick in Glück umschlagen kann. Weltenmusik mit einem starken polnischen Stempel, der Ofra Hazas "Elo Ili" an die Weichsel zaubert und aus dem berühmten Zigeuner-Trauergesang "Ederlezi" eine erstaunlich lebenslustige Angelegenheit macht.

Mein absoluter Favorit "Tabakiera", ein Tango, der so leicht durch die Luft zu schweben scheint und doch alles hat: Melancholie, Sehnsucht, Erinnerung, Freude, Leichtigkeit. Suchtmusik.


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