27.10.2014

Blaue Fluchten: neuer Lesestoff!

27.10.2014 0
Endlich ist es vollbracht - es gibt wieder neuen Lesestoff von mir. Diesmal versuche ich mich in einem kleinen Band in Kurzformen, hier der Klappentext zu "Blaue Fluchten: Etüden über das Leben im Zwischenraum":


Eine seltsam tönende Brücke, ein grell beleuchteter Kreisverkehr, eine Treppe im Dunkel – die Protagonistinnen dieser literarischen Kurzformen gehen allesamt unbekannte Wege. Längst sind ihre eigenen Wurzeln brüchig geworden. Zeitgeschehen oder Vergangenheit drohen sie einzuholen: ob in Paris oder Warschau, der Schweiz oder Deutschland, im unseligen Dorf T. oder fernab von Amerika.

In den „Etüden über das Leben im Zwischenraum“ erklingt Sprache wie Musik, verschmelzen Form und Inhalt von der notizenhaften Miniatur bis zur Kurzgeschichte. Oft von feiner Melancholie, immer liebevoll stellen sich die Menschen in diesen Geschichten mutig unvorhergesehenen Umbrüchen. Sie denken quer und fühlen tief.
Die elf literarischen Kurzgeschichten mit acht Fotonotizen sind bis 2. November einschließlich zum einmaligen Einführungspreis von 99 Cent erhältlich. Im Moment leider nur als Kindle, Epubs all meiner Bücher sollen folgen. Das Buch ist aber mit der kostenlosen Kindle-App auf fast allen gängigen Geräten zu lesen. Auf der Amazon-Seite gibt es außerem Zitate aus dem Buch, hier kann man es sofort herunterladen: Blaue Fluchten: Etüden über das Leben im Zwischenraum.

Und wie hieß es früher bei meinem Friseur auf einem Schild so schön: "Sind Sie mit etwas nicht zufrieden, sagen Sie es mir. Sind Sie zufrieden, sagen Sie es anderen!"

21.10.2014

Der Edelverleger müffelte ...

21.10.2014 0
Wer professionelle Dienste anbietet, bekommt in der Regel Anfragen oder Angebote. Von Menschen, die KundInnen werden wollen. Und in der Regel haben sie auch das Zeug dazu: Weil sie seriös sind. Weil sie die Arbeit von Profis - auch finanziell - zu schätzen wissen.
Vor etwa einem Jahr hatte ich dagegen eine Begegnung der absolut schrägen Art, deren abstrusen Anfang ich schon bei Facebook erzählt habe. Und weil die Welt so winzig ist, kam mir nun das Endergebnis unter die Augen, an dem ich schon von Anfang an nicht hatte mitarbeiten wollen, weil ich regelrecht roch, dass da etwas nicht stimmt. Auch Kunde werden will gelernt sein! Die Geschichte ist so schräg, dass ich sie erzählen will. Weil die Welt so winzig ist, habe ich sie derart anonymisiert und verändert, dass die Umstände nicht wiederzuerkennen sind.

Erfahrene Profis riechen unseriöse Angebote.
Ich war jemandem wegen meines literarischen Könnens aufgefallen und weil ich bei Verlagen wie Hanser und Suhrkamp verlegt wurde. So etwas passiert durchaus, es ist eine Visitenkarte, die mir auch schon einen Auftrag von der BBC eingebracht hatte. Nun kontaktierte mich ... sagen wir, Herr Z., seines Zeichens Edelverleger der höchsten Luxusklasse, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Er brauche dringend jemanden wie mich für ein Luxusprojekt. Neugierig ließ ich mich auf ein Treffen ein und war erstaunt: Der Herr Luxusverleger rauschte im Maßanzug ins Café, von anderen Insignien fehlender Armut ganz zu schweigen.

Da ist es passiert: Ich roch diesen nicht real vorhandenen Geruch. Es müffelte. Wenn ich mich sonst mit VerlegerInnen treffe, haben die meist Jeans an, sind eher bequem und lässig gekleidet, machen keinen Bohei um Äußerlichkeiten und tragen allenfalls eine besondere Brille. Die guten VerlegerInnen dieser Welt sind ja nicht zwingend reich, wenn ihnen nicht gerade ein Konzern gehört. Die leben in Büchern, nicht in Glamour. Ob Herr Z. wirklich echt war? Das Googeln des Namens auf der Visitenkarte nach dem Treffen brachte die andere Überraschung: ein Foto von einem Schloss. Schlau gemacht - man konnte beim besten Willen nicht erkennen, ob das der Firmensitz war oder einfach nur ein nettes Bildchen. Im ersten Fall würde das Ganze noch mehr müffeln, im zweiten wäre es schlau geschwindelt. Manchmal entwickle ich diese Neugier der verkappten Krimiautorin und will wissen, was für Abgründe sich noch auftun würden.

Der vor allem von sich selbst begeisterte Herr Z. ruderte viel mit den Armen, um mir ein "absolutes Traumprojekt" vorzuschlagen, das sowas von Luxusklasse schien, dass Suhrkamp wie eine Altpapierfirma dagegen erscheinen würde. Er versprach mir Ruhm, Karriere, ein Aushängeschild und leider keinen Dauerwohnsitz im Schloss. Es müffelte nun nicht mehr, die Sache stank. Ein Verleger, der einem sofortigen Ruhm verspricht, ist so real wie eine Arbeitsagentur, die den nächstbesten Dauerarbeitslosen als Chef der Agentur einstellt. Ich wurde noch neugieriger ... ich habe da eine durchaus marode Ader ...

In einem Team mit anderen Superprofis der maßgeschneiderten Schlossklasse sollte ich das zur Verfügung stellen, was ich richtig gut kann: Recherche, Wissen, Spezialkenntnisse zu einem Sujet und natürlich meine einzigartige Einzigart, Genusstexte für Leib und Seele und das Fegefeuer danach zu schreiben. Jüngere und unerfahrene KollegInnen wären hier womöglich eingeknickt. Lobhudeln streichelt ja das Schriftstellerseelchen. Aber ich habe gelernt: Profis können Talente würdigen, ohne zu schleimen. Sie rücken vor allem mit dem Anliegen heraus und wollen wissen, wie man zusammenkommen könnte. Ich kann nur eins sagen: Es klang sooooo verführerisch! Es wäre ein Leib- und Magenprojekt gewesen. Der Mann zog wirklich alle Register, um mich zu kapern.

Jetzt bin ich aber eine von den emotionslosen Tanten, die sich lächelnd verabschieden und darum bitten, einfach ein Angebot und einen Vertragstext zur Begutachtung zu schicken. Dann würde ich mir das überlegen und mich wieder melden. Leib und Magen kann ich nämlich nur füllen, wenn ich Geld verdiene. Von Lobhudel und Gesülze kann ich nicht abbeißen.

In den höchsten Tönen wurde mir ein ellenlanger Vertragstext zugesandt, den ich gleich an meinen Anwalt weiterleitete. Frau ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Währenddessen hatte ich ergoogelt, dass Herr Z. mal unter reichlich unklaren Umständen einen Job in der Buchbranche verloren hatte und auf den alten Fotos Jeans und Pullover trug. Trau schau wem. Mein Anwalt rief an und feixte am Telefon. Ob er den Vertrag für seine Monstersammlung behalten dürfe. Der sei ja sowas von sittenwidrig, da wäre vielleicht ein einziger Paragraph von allen tragbar. Alles andere sittenwidrig. So betrachtete ich auch das Honorarangebot. Ein Buy-out für einen Preis, gegen den die Hausfrau, die fürs Anzeigenblättchen 30 Zeilen über den Häkelkurs schreibt, richtig reich ist. Nonchalant schrieb ich dem Herrn Z., wir könnten zusammenkommen, wenn mein Anwalt den Vertrag neu verfassen dürfe und das Honorar auf die übliche Höhe erhöht würde.

Herr Z. war entsetzt. Ich will meinen LeserInnen sein Greinen und Weinen ersparen, mit dem er Mitleid bei mir zu erregen suchte. Fast klang es so, als würde er nur wegen meiner Forderungen seinen Maßanzug ins Pfandleihhaus tragen müssen. Nun ist aber die Welt eben recht winzig, die von Maßanzugträgern sowieso. Mir kam zu Ohren, dass Herr Z. das Projekt bei anderen Kunden verkaufte - es nahm Eintritt dafür! Er nahm sehr viel Eintritt. Und weil jeden Tag ein Dummer aufsteht, weil jeden Tag jemand gebauchpinselt werden will und öffentlichkeitsgeil ist, bekam er offenbar genügend Eintrittszahler zusammen. Er wusste nicht, dass ich jetzt kalkulieren konnte und umso erschrockener über das Honorar war, das die Bezeichnung nicht verdient hatte. Zumal ich obendrein wusste: Er würde von den Eintrittszahlern verlangen, dass sie wiederum Geld für ihn verdienten. Aber alles in Schloß-und-Maßanzugsqualität! Ich lehnte ab mit dem netten Formbrief, er würde ja vielleicht für dieses Honorar ein paar StudentInnen finden. Mir tut das heute noch leid, wegen der StudentInnen. Die haben so einen nicht verdient. Aber ich dachte, endlich wäre Ruhe.

Weit gefehlt! Drei Monate später klopfte Herr Z. wieder an - er hatte offenbar niemand Dummen gefunden! Das Honorar sollte verdoppelt werden und war damit immer noch lachhaft. Ich hätte in seinen Kreisen vom Netto wohl zwei Mal essen gehen können. Dafür sparte er sich jetzt den Vertrag völlig: Wir machen das ohne Vertrag!

Ja, so dreist und irre können manche Maßanzugträger sein. Ich lachte mich krank. Ich erzählte Freunden, was mir passiert war. Wir lachten uns gemeinsam krank. Leider hielten mich ein paar Bekannte für überkandidelt, eingebildet und unmöglich: Ich sei einfach abgedreht, so einen Prunkauftrag abzulehnen. Ich lachte weiter und vergaß die Sache. Vorher googelte ich aber noch fleißig, weil ich durch ein vorheriges Luxusprojekt weitere, neue Daten an der Hand hatte. Und siehe da, der Herr Z. hatte Geschäftsverbindungen zu einer gewissen Firma, die sich mit dem Luxusnamen eines der größten deutschen Dichter neben Schiller schmückt - und lobte diese gar sehr. Ei, wer hätte das (nicht) gedacht! Ist es nicht eigenartig, dass manche Möchtegernkunden wie schlecht vergorener Teig sind? Sie müffeln nicht nur, sie stinken aus allen Poren. Faul.

Und wenn doch nur die Welt nicht so winzig wäre! Bei Facebook entdeckte ich eine, die der Herr Z. gekapert hatte und die jetzt für sich und den Herrn Z. Fotos gemacht hatte und ach so glücklich war. Und ich hatte mal wieder das Problem, Milchkaffee vom Bildschirm wischen zu müssen, weil ich so unbeherrscht losprustete. Es gibt nichts klebrigeres als Milchkaffee auf Bildschirmen und sittenwidrig handelnde Maßanzügler!

Nicht nur, dass ich mir Ruf und Karriere ernsthaft beschädigt hätte, wenn ich mit so einem gearbeitet hätte. Nein, das Endergebnis war auch noch so dilettantisch, geschmacklos und schlecht, dass es das Zwerchfell zusätzlich reizte. Ich kann die Kombination kaum beschreiben - es war etwas, als würde ein Edelzahnchirurg sein Wartezimmer mit seltenem Marmor auskleiden und die BLÖD-Zeitung auslegen. Es wirkte, als habe man vermeintlichen Genuss in die versiffte, von kaltem Rauch stinkende rote Plüschtapete eines Puffs kleiden wollen, das schon bessere Jahre gesehen hatte. Es war wie ein Verleger im falschen Schloss, wie verdorbener Teig im Maßanzug. Es war zum Fremdschämen.

Natürlich hat der grandiose Herr Z. keine wirklichen Profis gewinnen können. Das entsprechende Ergebnis wurde von Leuten erstellt wie meiner Tante Erna. Die lässt sich auch manchmal von vermeintlichem Geld und Protz blenden und wäre bereit, ihre Einkaufszettel mit Goldprägung zu verkaufen. Und weil die Welt so winzig ist, kommt mir auch zu Ohren, dass die ersten, die viel Geld gelöhnt haben, entsetzt sind. Tja. Pech gehabt. DAS Geld ist weg. Von solchen kaufen solche falsche Schlösser.

Trau schau wem. Seriöse und gute Verleger kommen selten im Maßanzug und leben selten in Schlössern. Und schon gar nicht verteilen sie sittenwidrige Verträge. Aber jeden Tag steht auf diesem Planeten eine neue Dumme, ein neuer Dummer auf. Und mit denen kann man's ja. Versprich einem Menschen Ruhm und Ehre - und du kannst dir das Rattenfängerflöten sparen. Nur: mit mir nicht!

06.10.2014

Der Garten der Malerin BiKo

06.10.2014 0
Hier noch ein paar ausgewählte Einblicke ins Buch, die vor allem verdeutlichen, wie kreativ man sein musste, um die abstrakten Malereien mit Gartenbildern zu einer "sprechenden" Einheit zu bringen. Bei manchen Kombinationen habe ich nach tagelanger Suche selbst Gänsehaut bekommen und war immer wieder begeistert, wie sich hier das Teamwork mit Hanspeter Ludwig bezahlt machte, der einfach einen professionellen Blick für Farbtemperaturen und Motive hat - während mir nach der Sichtung hunderter Fotos schon öfter die Augen übergingen ...
Fotos anklicken, um sie ganz anzuschauen, sie werden hier seitlich abgeschnitten.

Als mir dieses Foto in die Hände fiel, rief ich "Heureka" ... Stämme hatte ich doch schon auf einem Gemälde gesehen!

Manchmal sind es einfach die Farbtöne und Strukturen ...

Eins meiner Lieblingsgemälde voller Stofflichkeit - und der "magische" Mittelpunkt des Gartens

Der Blick des Buchgestalters - unübertrefflich!



Als ich das Foto von Frank Scheier sah, wusste ich, es müsse einen Ehrenplatz bekommen.



Feuertaufe als Verlegerin

Endlich ist es so weit: "Das Buch" ist da und nun kann auch das Geheimnis darum gelüftet werden. "Der Garten der Malerin BiKo" war ein privates Auftragswerk, bei dem die Edition Tetebrec als Dienstleisterin fungierte. Hier bekam die Kundin nicht nur die Autorenarbeit, sondern eine komplette Verlagsbetreuung aus einer Hand, ohne dass sie sich um Zulieferungen und Management kümmern musste - ich übernahm das Projekt also von der ersten Idee bis zur Auslieferung aus der Druckerei. Als Privatdruck wird es von der Kundin direkt verkauft werden.

Vorderseite. Das Buch ist real schilfgrün mit einem Japanpapierdruck

Rückseite von "Der Garten der Malerin BiKo"
Die Aufgabe: Das Lebenswerk der Malerin Heiderose Birkenstock-Kotalla, genannt BiKo, in einem edlen, repräsentativen Bildband mit beiliegender Musik-CD festzuhalten. Auflagendruck im Offset mit Fadenheftung, Hardcover (seidenmatt), 103 Seiten, Format 26,5 x 25,5 cm, durchweg vierfarbig, mit Einlegelasche für die CD. Die Texte, die auch ohne realen Gartenbesuch zum sinnenreichen Erleben einladen sollen, stammen von mir. Das Lektorat besorgte Jan Schuld mit genauem Blick, feinem Gespür für Sprache und das Sujet. Die Gestaltung kam von Hanspeter Ludwig, mit dem die Zusammenarbeit eine Freude war, so dass ich mich bei der Konzeption des Buchs blind auf seinen professionellen Blick verlassen konnte. Drucken ließen wir bei Monsenstein & Vannerdat mit viel persönlichem Service der Mitarbeiterinnen und Extrabeistand von Johannes Monse für die Extrawürste. Nadia Birkenstock lieferte ihre CD zum Buch mit keltischen Harfenklängen, die ideal zum Wesen des Parks passen.

Die großen Fotos anklicken für einen Gesamteindruck (sie werden sonst rechts abgeschnitten)

Architektur, Skulpturen und ausgewählte Pflanzen machen diesen Garten zum Gesamtkunstwerk

Die Herausforderung: Dieses Lebenswerk besteht aus den Gemälden der Malerin, aber auch aus einem parkähnlichen Garten mit Kunstobjekten befreundeter KünstlerInnen in Leichlingen bei Solingen. Kunst trifft auf Garten - und das mit Fotos von mehreren Fotografen sehr unterschiedlicher Prägung. Da sind Fotos vom preisgekrönten Gartenfotografen Jürgen Becker, aber auch von Peter Berth, Frank Scheier, Hans-Jürgen Schmatz und ein paar wenige von mir selbst - also die Bandbreite vom Spezialisten bis zum Laien, und das in sehr unterschiedlichen Stilen und gefühlt in "Tonnen" von Material, das jedoch nicht durchweg für das Projekt oder für den Druck geeignet war und darum akribisch gesichtet werden musste.




Fotoprofi Jürgen Becker und Gestaltungsprofi Hanspeter Ludwig: Einzelblicke wirken wie ein Panoramabild

Meine Konzeptionsidee: Kein Sachbuch, sondern ähnlich wie bei meinem Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" ein erzähltes "Genussbuch". Die übliche Herangehensweise von Gartenabhandlung und "Kunstkatalog" völlig aufzubrechen, indem ich Garten und Kunst in Beziehung zueinander setze und die Kunstreproduktionen so zu Gartenbildern kombiniere, dass beides miteinander spricht und über die Bildtexte außerdem eine weitere Erzählebene liefert. Dafür die drei Kapitel des Buchs relativ kurz gehalten: Eine erzählerische Einführung in die Geschichte des Gartens und worum es darin geht, dann eine Art erzählter Rundgang, bei dem das Gesehene (und mit anderen Sinnen Aufgenommene) im Wesen des Gartens und seinem besonderen Charakter gipfelt ... um dann im dritten Teil die Bedeutung der Kunstwerke mit dem Garten in Beziehung zu setzen. Das alles natürlich immer fokussiert auf die Künstlerin und Gestalterin, ihre Persönlichkeit, ihr Leben. Zwischen die Kapitel haben wir reine Bildstrecken geschaltet, wo etwas poetischere Bildtexte die inneren Bilder der Betrachter zum Foto anregen sollen. Titelbild und Stil (klar, edel) wurden von der Kundin aus mehreren Entwürfen ausgewählt.

Sprechende Motive in Einklang mit dem Text bringen ...

Gestalterisches Element: Unterschiedliche Rhythmen und Farbgebungen bei der Fotoauswahl
Ich lasse jetzt einfach Fotos vom Buch sprechen. Gebe allerdings zu bedenken, dass weder ich noch meine Kamera für Reprofotos geeignet sind und das Licht lausig war. Das seidenmatte Papier schaut sich real sehr schön an - ich mag es lieber als Hochglanzpapiere. Leider spiegelt es dann auf manchen Fotos durchs Sonnenlicht. Kurzum: Real ist das ein wunderschöner Coffee Table Band mit brillanten Farben geworden.

Drittes Erzählelement: Bildtexte. Betont sachlich bei der Kunst, poetischer beim Garten.

Fortsetzung hier klicken!

21.09.2014

Wie wär's mal mit Gemütlichkeit?

21.09.2014 5
Ich hatte schon immer ein Herz für Krimis. Nicht zuletzt deshalb durfte sich der kuriose Dan Rocco alias Dirt Diggin' Dog bei mir mit seinem skurrilen E-Book "Rouge & Revolver" austoben, auch wenn seine Leichen reichlich abstrus in Gurkenfässer und Karmafluid fallen. Was ich aber gar nicht abkann: Diese ach so hippe Serienmörderperversionsbrutaloblutsuppe, die sich angeblich vor allem brave Hausfrauen am laufenden Kilometer reinziehen, anstatt ihrem Ehemann laut zu sagen, warum sie so aggressiv gelaunt sind.

Der Mörder ist nicht immer der Gärtner!

Ich mag auch nicht immer brutalere und grausamere Fernsehkrimis, wo ich quasi live beim Sezieren in Brustkörbe eintauche oder mir in minutenlangen Einstellungen mitansehen muss, wie ein gescheiterter skandinavischer Alkoholiker jungen blonden Frauen bei lebendigem Leib die Leber in Stückchen herausschneidet, nur, weil ihm seine blonde Mutter gesagt hat, er solle gefälligst aufhören, auf den Nägeln zu kauen!

Ausgerechnet ich, die ich die gesammelten Werke besitze von Leuchten wie Dashiell Hammett, Ross MacDonald oder Raymond Chandler ... ganz zu schweigen von den großen Engländerinnen wie Dorothy Sayers, Agatha Christie, Martha Grimes oder P. D. James, finde in meinem Lieblings-Genre zwar jede Menge einfallsloser Cover in Schwarz-Weiß-Rot-Optik, aber kaum noch Lesbares. Tana French und Ian Rankin waren meine letzten Entdeckungen - bevor ich allerdings einen skandinavischen Krimi lese, kann ich gleich zu viel Wodka trinken. Aber ich kann doch nicht immer nur Inspektor Barnaby anschauen (und dabei einschlafen)!

Ich weiß, in Midsomer fallen wahrscheinlich mehr Menschen tot um als unter der Schreckensherrschaft des durchgeknalltesten Serienmörders. Man kann solchen Krimis eine Menge vorwerfen: Vom öden Seniorenfutter bis zur fragwürdigen Perversion, mordlüsterne Dorfbewohner zu verharmlosen, als seien sie Dekor aus einem Pilcherfilm. Aber eines sind sie immer: Whodunnits, die guten alten Rätselkrimis, bei denen man sich eigentlich am eigenen Scharfsinn ergötzt und daran, dass die chaotische Weltlage am Ende endlich wieder in Ordnung gebracht wird. Kann es sein, dass mit der derzeit grausamen und brandgefährlichen Weltlage das Bedürfnis nach einem schön gestylten "Kuschelmord" wieder wächst? Für alles andere haben wir doch die IS und die Ukraine?

Gärten verraten viel über Menschen. Auch über Mörder ...

Jedenfalls ist mir etwas Nettes passiert: Durch meinen frisch operierten Hund ein paar Tage außer Gefecht gesetzt an einem Laptop ohne Internet, kramte ich meine Festplatte durch. Und fand einen nunmehr sechs Jahre alten Text, der so beginnt:
Es war einer jener Tage, an denen zwei Dinge besonders nervten: hohe Brennnesseln und wunderliche alte Damen.
Nie wieder werde ich Romane schreiben, dachte ich ein Jahr nach Verfassen der rund 160 Seiten. Denn ich hatte damals einen völlig unerklärlichen Reinfall erlebt: Mein Agent bekam das Manuskript auch im großen Verlagsdurchgang nicht los. Nicht etwa, weil es schlecht gewesen wäre. Lob kam aus den feinsten Verlagen, ein paar besonders mutige Lektorinnen gestanden heimlich, echtes Vergnügen empfunden zu haben. Aber solche Krimis wolle keiner. Das dürften sie nicht ankaufen. Viel zu gemütlich! Das könne ich in England loswerden, wenn ich Engländerin wäre, womöglich sogar als Lizenz nach Deutschland verkaufen (welche Perversion!). Das seien ja Dorfzustände wie in dieser "neuen" Serie, wenn auch rasanter und humorvoller ... also dieser komische Barnaby, den ja garantiert kaum jemand gucken würde. Ob ich nicht was mit Serienmördern hätte. Härter bitte, ein wenig Folter, mehr Blut. In meinem Manuskript floss leider gar keins sichtbar.

Die Ideen liegen auf dem Lande auf der Straße ...

Regiokrimi wollte ich auch nicht. Zu viel Lektorenbaukastenwünsche. Nein, mein Rosenried ist eine fiktive Region wie Midsomer ... nur die Orte am Rande lassen einen rätseln, ob es diese Landschaft nicht doch gibt - aber die Welt selbst mit ihren skurrilen Bewohnern ist natürlich dreist erfunden und erlogen!

Tja, damals war ich noch naiv und glaubte den Verlagsleuten ihr Bild vom "gemeinen Leser". Sechs Jahre später lese ich das Manuskript äußerst selbstkritisch und bin ... begeistert! Das bin ich selten von eigenen Texten. Aber ich bin mir sicher, dass heute der Hunger da draußen nach mehr Gemütlichkeit noch größer ist als damals. "Cozy mystery" ("cozies"), ein echt englisches Untergenre wie die "amateur sleuths", muss ganz und gar nicht daherkommen wie eine Seniorensendung zum Altenheimabendbrot um 17 Uhr! Es darf durchaus psychologisch genau Menschen nachzeichnen und die heutige Gesellschaft vorführen. Aber es soll, verdammt noch mal, vor allem richtig gut unterhalten und darf dann auch mal die Folterbilder aus den Nachrichten mit Bildern von netten, sauberen Leichen überlagern, wie sie sie Tante Erna und Onkel Erwin am heimischen Kamin ermordet haben könnten. Meine Liebe zu Miss Marple kann ich nicht leugnen.

Ich wollte nie wieder Romane schreiben. Aber was geht mich mein Geschwätz von gestern an?

Nie war die Zeit reifer für Gemütlichkeit. Und mein Ermittlertrio um die Hilfsgärtnerin Amanda Joos ist nicht totzukriegen!
Nicht, dass ich jetzt demnächst damit herauskäme oder sonst nichts zu tun habe. Geldverdienen geht natürlich vor. Aber ich gestehe: Ich habe die konzentrierten Tage damit zugebracht, das Manuskript aus dem wohltuenden zeitlichen Abstand heraus gründlich zu lektorieren. Heute kann ich Dinge, die ich damals nur ungenügend schaffte. Heute weiß ich, wie es geht. Und wenn mal wieder ein mieses Fernsehprogramm mit blutstrotzenden Folterkrimis läuft, dann schreibe ich mir meine Leichen selbst schön. Man hat ja sonst keine Hobbys.

Aber mal ehrlich: Ich kann doch nicht einen Text von 160 Seiten, wo gerade eine zweite Leiche auf einem Komposthaufen gefunden wird, der auch noch frisch überarbeitet wurde (der Text, nicht der Kompost), einfach wegwerfen? Was für ein Verbrechen! (Was für ein mieser Bandwurmsatz). Zumal mir dieser lange Schlaks von scheinbar (!) dämlichem Kommissar mit seiner Marzipansucht schon genauso ans Herz gewachsen ist wie die schräge Ela mit ihrem polnisch-absurden Humor. Ich kichere immer noch, wie die ihren Schwiegersohn in spe beim angeblichen Augenzeugen einschleust ... oder über Hildegard Nöten, die Dorffrau in Kittelschürze, die um den Kaplan herumscharwenzelt, der sich viel zu gut mit Pflanzengiften auskennt. Ach, hab ich schon von der schönen jungen Frau erzählt, die alles mit einem tiefen Lungenhauch spricht? Oder wie Amanda in die Kondolenzrunde auf dem Dorf platzt, die in ein lustiges Bierbesäufnis ausartet?

PS: Ja, ich erzähle diese Geschichte seit wahrscheinlich sechs Jahren immer wieder. Aber Schriftsteller brauchen das manchmal. Während sich der Rest der Welt Mut mit Alkohol antrinkt, müssen wir uns Mut anschreiben.

09.09.2014

Jagdfieber

09.09.2014 0
Kürzlich habe ich mein neues Buchprojekt beschrieben. Darin heißt es: "Und vielleicht kann ich das ein oder andere Foto aus jener Zeit, aus jener exotischen Gegend beschaffen." Das ist nun Schnee von gestern. Es kommt mir zugute, dass ich professionelle Recherche gelernt habe und auch schon für Verlage Abbildungen suchen durfte - nun bin ich nämlich in eigener Sache versumpft in Museen und Archiven, Fotodatenbanken, rund um den Globus dank Internet. Und nach ein paar Stunden bin ich derart vom Jagdfieber gepackt wie schon lange nicht mehr!

Ich habe nämlich Fotos gefunden, die alles übertreffen, was ich mir erhofft habe. Es geht um die Zeit um etwa 1900 - allein deshalb ist es schon ein Glück, wenn man Bildmaterial in ausreichender Qualität findet. Nun aber bin ich sogar auf eine damals absolut populäre Erfindung gestoßen: Stereokarten! Man hat um die Jahrhundertwende Stereoskopien verschickt, die man mit einem speziellen Aparat anschaute, die aber auch bei leichtem Schielen zu einem 3-D-Bild werden. Kaum zu glauben, aber ich halte solche Bilder von den Schauplätzen jenes Romans und der Tagebücher in Händen. Ob das auch auf dem E-Reader funktionieren wird? Doch nicht nur das ... anderes Material zeigt Menschen, die im Buch vorkommen, selbst vom Schiff, mit dem die Autorin ans andere Ende der Welt reiste, gibt es Fotos! Das Material ist so fantastisch, dass es nicht nur mein Essay beeinflussen wird, sondern parallel zu den Texten eine beredte Sprache spricht. Teilweise ist es allerdings auch von einer Brutalität, wie man sie heutigen Medien vorwirft, Bilder, die sich damals durchaus auch in den Boudoirs der Damen der Gesellschaft wiederfanden. Kurzum: Zeitzeugenmaterial, von dem man nur träumen kann.

Zu früh frohlocken sollte man jedoch nie: Es bleibt mir noch ein gutes Stück Recherchearbeit um die Rechte vor allem einer Firma, nebst Rücksprache mit dem Anwalt bei den kniffligeren Fällen. Leider wurden da Copyrights nach Auflösung der Firma weiterverkauft. Internationale Fotorechte sind ein schwieriges Kapitel, zumal sich die Gesetze sei 1900 auch ständig verändert haben. Aber selbst mit dem garantiert rechtefreien Material kann ich schon fein illustrieren.

Damit kommt eine weitere herausgeberische Frage auf mich zu. Der Text hat jetzt schon ca. 400 Seiten. Natürlich kann man E-Books unendlich aufblasen, sie kosten ja kein Papier. Aber sind sie dann noch lesefreundlich? Oder verträgt ein solch reichhaltiges Buch nicht vielleicht sogar zwei Bände? Sollte ich lieber auf zu viele Fotos verzichten? Es bleibt spannend.

PS: Ich hätte gern eine Kostprobe der Bilder hier gezeigt, aber dann ist eindeutig klar, wo das Buch spielt. So viel will ich noch nicht verraten.

05.09.2014

Projekt Blau: eine faszinierende Frau

05.09.2014 0
Es gibt doch nichts Schöneres auf der Welt, als endlich mal wieder ein Buchprojekt zu machen, das ich mir selbst mit Herzblut ausgedacht habe, das mich fasziniert und von dem ich finde: das muss die Welt lesen! Keine Angst, ich spreche diesmal nicht von mir, so selbstverliebt bin ich dann doch nicht. Alles fing mit einem zufälligen Trüffelfund an, einer Jagd in den Antiquariaten und einiger Recherche rund um den Globus. Die Edition Tetebrec hat damit für die Zukunft eine neue Reihe - faszinierende Frauen. Und ein erstes Projekt, das bereits etwa 400 Normseiten hat, und das ich "Projekt Blau" nenne, um nicht zu viel zu verraten.

Projekt Blau: drei Bücher in einem?
Die "pinke Reihe" - Protest gegen Barbie auf dem Ponyhof

Die Reihe, die im Laufe der Zeit entstehen soll, heißt in meinem Kopf noch "die pinke Reihe", weil sie aus Auflehnung gegen das Barbiekonzept der Frau und all die modernen rosa Verlagsbücher entsteht, in denen es vor unbedarften Prinzessinnen nur so wimmelt. Mir erscheint das wie ein Rückschritt, denn in meiner Studentenzeit boomte nicht nur die feministische Bewegung, wir lasen auch reihenweise gescheite und aufregende Bücher in Reihen wie z.B. "neue frau" bei rororo (1977 am Start). Heute findet man unter diesem Titel eine Buntpapiersammlung, pardon Zeitschrift, mit Kochrezepten und Yellowpress-Geschwätz.

Und das ist in meinen Augen so symptomatisch für unsere Zeit: Wir haben scheinbar die Frau zur Protagonistin in der Literatur befreit, aber sie ist zum Abziehbild oft extrem konservativer Rollenklischees verkommen. Die toughe Chicklit-Heldin hat hippe Trendberufe, schmeißt Haushalt, Kinder und Beruf mit Links und sucht doch auch nur wie das verlorene Mädel von einst nach dem Märchenprinzen. Parallel dazu verdingen sich Autorinnen überproportional oft in unteren Honorarbereichen, schaffen Kilometer und Tonnen massenkompatibler Unterhaltungsbücher, während die Herren der Schöpfung nach wie vor die literarischen Buchpreise, Stipendien und Kritikerposten im Feuilleton dominieren. Wir Frauen wollten in den 1970ern und 80ern die Welt verbessern, in vielen Teilen haben wir das auch geschafft. Aber die Buchwelt ist heute so "rosa" wie nie!

Ich bin ein Mensch, der sich bei Büchern wenig um Geschlechter schert. Ich hatte noch nie Probleme damit, mich mit männlichen Haupftfiguren zu identifizieren und manche weiblichen doof zu finden. Ich finde Menschen spannend. Und deshalb kann ich auch gut über Männer schreiben - wenn sie guten Stoff hergeben. Mich regen Bücher von Männern und über Männer nicht auf. Drastisch gesagt: Mich regen diese rosa Weibsbilder auf, die auf dem Ponyhof dem nächsten Zweibeiner entgegenschmachten und ihr Hirn im Spitzenhöschen verlieren. Denn da draußen gibt es so viele hochspannende, erschreckend aktuelle, absolut faszinierenden Frauengestalten, die wir unter all unseren Hypes und Trends vergessen haben. Die will ich sichtbar machen. Denen will ich einen Platz für ihre wunderbaren Texte geben und Gehör verschaffen. Nichts gegen Ponyhöfe - auch die haben ihre Berechtigung. Nur mir persönlich reichen sie nicht.

Meine "pinken", frech magentafarbenen Frauen sind leider alle schon länger tot. Aber genau deshalb können sie etwas, was den lebenden Autorinnen in diesem Ausmaß oft nicht gelingen mag: Sie spiegeln unsere Zeit, unsere Gesellschaft, uns selbst. Wie weit haben wir uns von dieser Welt entfernt? Wie sehr sind wir ihr noch verhaftet? Sind wir wirklich so modern, wie wir glauben? Könnten wir an dieser Spiegelung wachsen, von ihr lernen?

Das Projekt Blau

Am Anfang steht ein mitreissender Roman einer völlig vergessenen Autorin. Die Protagonistin ist edel und unglücklich verheiratet, bewegt sich in adligen Kreisen und jettet mit den damaligen Fortbewegungsmöglichkeiten um die Welt. Innerlich vereinsamt in der High Society von New York gelandet, geht sie mindestens brieflich fremd und zeigt ihr wahres Frausein einem Mann gegenüber, der unerreichbar am anderen Ende der Welt verschollen scheint. Er ist Abenteurer, Forscher, Weltenbummler - lebt genau das, was die gut behütete Protagonistin gerne leben würde, wäre sie denn frei. So bleiben ihr ein entlarvender Humor und die Feder als Seziermesser, um die Gesellschaft um sich herum zu entlarven und nebenbei auch recht klug zu politisieren. Letzteres ist fast unauswechlich, denn die Welt scheint zum Pulverfass geworden zu sein. Unerwartete Konflikte putschen sich in eine Waffengewalt hinein, die das gesamte System bedroht.

Ein Roman, mitreißend, rasant und auch sehr gefühlvoll geschrieben, überraschend modern und lesbar, erfreulich klug, humorvoll und sensibel in seiner Beobachtung. Sofort nach Erscheinen wurde er in mehrere Sprachen übersetzt und ein Weltbestseller.

Aber der Clou kommt erst noch. Die Autorin ist nämlich ebenfalls höchst unglücklich verheiratet, zwei Mal sogar. Sie geht in höchsten Adels- und Politikerkreisen ein und aus, hat Beziehungen zum kaiserlichen Hof. Sie reist um die Welt. Und viele der Figuren in ihrem Roman erscheinen so lebendig, dass sie echt sein könnten. Das hat auch ihre Umwelt damals begriffen. Die Autorin war eine der ersten in der Geschichte, die von der damals aufkommenden Boulevardpresse wahrhaft verhackstückt wurde. Man warf ihr vor, sich an respektablen Berühmtheiten vergangen zu haben. Man warf ihr vor, in ihrem Roman mehr Tatsachen als Erfindung eingebaut zu haben. Hat sie das?

Den Roman der Autorin kann man beim Projekt Gutenberg und anderswo kostenlos nachlesen. Die Leistung in meiner Neuausgabe besteht darin, dass ich ihn nicht einfach nur vervielfältige und gar allein stehen lasse. Ich habe ihre Tagebücher gefunden und stelle zum Roman genau die Passagen, die der Geschichte des Romans vom Handlungsort her entsprechen. Plötzlich bekommt die fiktive Geschichte Verknüpfungen in eine Realität hinein. In die Realität eines brutalen politischen Machtkampfes und einer zerbröckelnden Gesellschaftswelt, in die Vorwehen eines Untergangs hinein, die erschreckend an moderne Konflikte der jetzigen Zeit erinnern. Werden wir die Weltlage so klug mit Abstand betrachten können? Oder blind in die Zukunft wanken wie jene dem Kapitalismus verfallene Adelswelt jener Zeit, die betrunken auf dem Vulkan tanzt?

Und da oszilliert noch etwas: Selbst die Tagebücher sind brillant geschrieben. Inwieweit inszeniert sich eine Schriftstellerin bis ins private Schreiben hinein - und wie stark entlarvt sie ihr Selbst in der Fiktion? Wo und wie lebt diese Frau ihre wahre Wunschrolle aus, wo scheitert sie an Konventionen?

Beide Texte habe ich behutsam an heutige Schreibweisen angeglichen und vor allem mit Kommentaren und Übersetzungen versehen. Der Roman ist flüssig zu lesen. Aber das polyglotte Deutsch der Oberschicht von damals, wie sie es in den Tagebüchern benutzt, ist heute nicht mehr für alle verständlich. Hier hat sich in Sachen Bildung von breiten Schichten leider wenig getan.

Aus der Gegenüberstellung von Fiktion und Realität mögen sich die Leserinnen und Leser eigene Bilder und Vorstellungen erschaffen. Das liest sich dann stellenweise, als hätet jene Autorin neben ihrem Roman gebloggt oder bei Facebook aus ihrem Leben erzählt. Aber bleibt da nicht ein Hunger? Den will ich mit einem Essay stillen. Einem Essay über jene faszinierende, völlig vergessene Schriftstellerin und ihre Zeit, auch mit geschichtlichen Erklärungen, was damals wirklich geschah. Politisch wie im privaten Leben. Und vielleicht kann ich das ein oder andere Foto aus jener Zeit, aus jener exotischen Gegend beschaffen.

Der Text der Printversionen, die ich beschafft habe, ist so weit überarbeitet und korrigiert, dass er erfasst werden kann. Es müssen nun die Übersetzungen und Kommentare eingefügt werden und dann geht es an das Essay. Ich komme gut voran. Nur muss ich mir einen besseren Reihentitel ausdenken als "die pinke Reihe" ...

23.08.2014

Langsames Wiedereintauchen

23.08.2014 6
So langsam taucht das Spaceshuttle PvC wieder in die Bloggosphäre ein. Es ist schon verrückt, wie lange man braucht, um nach Wochen ohne Wochenenden und Pausen im Malocher-All überhaupt wieder zu landen. Da sind zunächst nicht einmal das schnöde Nichtstun oder echte Entspannung möglich, die Raumkapsel würde im süßen Nichtstun verglühen. Irgendwann hat einen dann das ganz normale Erdenleben wieder, die Erdung erfolgt durch sonst so unliebsame Arbeiten wie Osterputz im Raumschiff oder Rasenmähen in Cap Canaveral. Man streift die verschwitzten Raumanzüge ab, sammelt die müden Knochen ein und atmet endlich wieder Atmosphäre.

Die Erde hat mich wieder: Nichts ist erholsamer als Natur ...und Kühe!

Und dann gibt es plötzlich einen Knall, einen Rückstoß und Besinnung funktioniert wieder. Drei Parteien zerren gleichzeitig an einem, aber jetzt reicht's! Ras-le-bol: Was wollte eigentlich ich? Der Moment der Ideen, der Inspirationen - und weil es so viele sind, will ein Plan erstellt werden.

Ja, ich erhole mich derzeit noch vom letzten Projekt. Nicht, weil es etwa keinen Spaß gemacht hätte - ich liebe diesen Beruf! Aber man kann auch mit professioneller Leidenschaft bis an die Grenzen der Erschöpfung arbeiten und dann braucht es Tage des Herumdödelns, stundenlange Wanderungen oder so "irdische" Tätigkeiten wie Fensterputzen. Drei Kreuze schlage ich, weil ich gleichzeitig fristlos bei einem Charity-Projekt gekündigt habe, das ich mit Herzblut so gut wie ehrenamtlich gemacht hatte und dann trotz einstimmiger Beschlüsse nur Undank erntete. Abschuss: Dass ich beim bösen amerikanischen Facebook auch noch "kommunizierte" ... das ginge ja gar nicht (Meine Arbeit bestand in Social Media PR!). Merke: Schlechte Kunden entpuppen sich meist tatsächlich als schlechte Kunden, denn wer gute Arbeit zu schätzen weiß, zeigt das auf finanzieller und Motivationsebene. Was für eine Befreiung auch im Kopf: Ich kann doch eigentlich das gleiche Thema selbst beackern, nun aber in völliger Freiheit, ohne Schwere im Kopf!

Tatsächlich werden die nächsten Projekte jetzt erst einmal nach Liste abgearbeitet. Einige Backlisttitel müssen endlich als E-Book erscheinen, in der Schublade nutzen sie niemandem etwas. "Das Buch der Rose" ist dabei, aber auch meine uralten damaligen Bestseller "Geheimnis Odilienberg" und "Schwarze Madonnen" möchte ich wieder auflegen. Das Buch über den Odilienberg muss leider grundlegend neu bearbeitet, stellenweise neu geschrieben werden, seit 1998 hat sich nicht nur die Faktenlage stark verändert, sondern auch mein Schreibstil. Und das ist auch gut so, denn so lässt sich einiges versachlichen, was damals vom Verlag einem Trend zuliebe für meinen Geschmack doch zu verrückte Esoteriker anzog. Und mein E-Book "Alptraum mit Plüschbär" muss dringend ein neues Cover bekommen und wohl wieder den alten Verlagstitel "Stechapfel und Belladonna", denn mit dem schröcklichen Aussehen derzeit verkauft es sich so gut wie nicht, während der "Lavendelblues" brummt und brummt.  Und das kann nur am Aussehen liegen, beide Romane sind schließlich von der gleichen Autorin! Beim Lavendelblues ließe sich endlich auch eine Printversion andenken, der antiquarische Markt scheint sich etwas erschöpft zu haben.

Die Debatte vom Preisverfall bei E-Books und einer Zukunft in Streamingdiensten sehe ich relativ gelassen. Für mich ist das E-Book als 1:1-Abklatsch sowieso nur ein Übergangsmedium, das ich in meiner Edition Tetebrec nutzen möchte wie einst Bücher um 1900 bis 1920 gestaltet wurden: Das E-Book als preiswerte Volksausgabe, ohne Schnickschnack ... und für die Liebhaber die eher limitierte Luxusausgabe im Print, die sich dann aber grundlegend vom E-Book unterscheiden wird. So wird es "Das Buch der Rose" elektronisch als reine Leseausgabe geben, die dann eben nicht wie ein aufwändig illustriertes Printbuch 20 Euro kosten muss.

Auf der To-Do-Liste steht außerdem die Wahl eines Distributors, um all meine E-Books auch in andere Shops als Amazon zu katapultieren. Und wenn wir schon mal dabei sind, dass einige Konzerne nicht mehr unterstützen möchten, so denke ich auch an einen eigenen Webshop - das macht Kunden vielleicht etwas mehr Mühe,. belässt aber die Tantiemen bei derjenigen, die die Bücher nun wirklich erschafft. Nicht, dass ich mir nennenswerte Einkünfte davon verspreche, dazu haben all die anderen E-Book-Shops einfach zu wenig Power. Aber ich mache mir in der Tat Sorgen: Die Debatte um Amazon wird vom Börsenverein und einigen Branchenplayern derart überemotionalisiert und verzerrt (scheinheilig noch dazu) geführt, dass es langsam geschäftsschädigend werden könnte für all diejenigen Autoren und Verlage, die auf Amazon angewiesen sind, weil sie bei den mächtigen Buchhandelsketten gar keine Chancen haben. Die übrigens mit dem unabhängigen Buchhandel nicht minder übel umgehen zum Teil, aber das darf man nicht laut sagen. Selten war eine Debatte so verlogen. Einer von Deutschlands Edelverlegern hat es letztens erst wieder privat und hinter vorgehaltener Hand gesagt: Ohne Amazon gäbe es seinen Verlag längst nicht mehr, denn die Ketten legen seine Bücher ungern aus und bei Amazon sind sie jederzeit sichtbar und bestellbar - er habe da Chancen wie selten vorher. Selbst Suhrkamp betreibt - verschämt verschwiegen - einen eigenen Amazonshop! Ich persönlich rechne mit der Evolution, die all das richten wird - die eigentliche Debatte müsste nämlich um Zukunftsvisionen geführt werden, um Chancen und Kooperationen anstatt um wegfallende Privilegien und Konkurrenz.

In Baden-Baden entdeckt: Eine Autorin, die nach New York und Peking führt.

 Gleichzeitig liegt mir ein anderes Buchprojekt am Herzen, um das ich öffentlich noch keinen Bohei machen möchte. Es wird eine Gegenüberstellung werden von einem Roman und Tagebuchaufzeichnungen, verbunden durch ein Essay von mir ... Tagebuch und Roman von einer anderen Autorin, die nicht nur grandios schreiben konnte, sondern ein unwahrscheinlich aufregendes Leben hatte und in einen politischen Konflikt geriet, der heutige bewaffnete Konflikte erschreckend spiegelt. Das wird ein richtig fetter Wälzer werden ... ideal fürs Medium E-Book! Insgeheim nenne ich es den Auftakt einer "pinken Reihe". Nein, die wird nicht pink werden, aber die Idee kam mir beim Anblick von grausigen rosa Mädchensachen für erwachsene Frauen. Es gibt so unwahrscheinlich starke Frauengeschichten, Autorinnen, Frauengeschichte!

Das reicht fürs Erste nach der Urlaubszeit ... irgendwie müsste ich zwischendurch auch mal wieder "richtig" Geld verdienen, denn ein paar Backlisttitel füllen noch keinen Heizöltank. Trotzdem: Jetzt werden erst einmal die Beine hochgelegt. Ach ja, die Website will noch fertig gestaltet werden. Damit einher geht die Frage, ob ich meine Blogs bei Google belasse, wie sie sind oder alles zusammenfasse auf Wordpress auf der Website. Wie sehen das meine Leserinnen und Leser? Was wäre bequemer, schöner? Lest ihr euch gern durch ein einziges Blog mit kunterbunten Themen oder habt ihr es lieber fein säuberlich getrennt?

09.08.2014

Ich liebe schöne Bücher

09.08.2014 2
... und inzwischen liebe ich es, mit richtig erfahrenen Buchgestaltern schöne Bücher zu machen. Es war ein Mammutprojekt und jetzt am Wochenende ist Endkorrektur angesagt vor der druckfertigen Datei. Die Druckerei steht schon bei Fuß. Viele Felsblöcke purzeln von meiner Brust. Denn das Projekt für mich als frischgebackene Verlegerin war ziemlich ambitioniert, ich hatte nämlich den Ehrgeiz, mich nicht hinter etablierten Kunst- und Gartenbuchverlagen verstecken zu müssen.
Garten und Kunst - die Idee, Gemälde und Fotos in Dialog treten zu lassen ... (PvC)
Schade ist nur, dass es das schöne Stückchen erst mal nicht im Handel geben wird. Es war ein Auftragswerk. Ich verdinge mich in so einem Fall als Dienstleisterin für andere für eine Komplettproduktion. Da gibt es alles aus einer Hand: Die verlegerische Betreuung, in diesem Fall auch den Text, den professionellen Buchgestalter und Grafiker, den erfahrenen Lektor etc. - bis hin zur passenden Druckerei. Und das nicht zu Mondpreisen mit womöglich falschen Versprechungen, sondern reell zu den marktüblichen Honoraren. Und das Besondere: Ich produziere nur Bücher, die ich auch selbst produzieren würde, die mir persönlich als Projekt gefallen.

Der Buchgestalter hat nicht nur ein geübtes Auge, er musste Tonnen von Material durchsuchen.
 Hier geht es um den Garten einer Malerin, der in seiner Anlage mit Skulpturen von Künstlern an sich schon ein Erlebnis ist - um ein Lebenswerk, das für Freunde und auch Ausstellungen festgehalten werden sollte. Fotos kamen von vier Fotografen, darunter ein preisgekrönter Gartenfotograf. Allein das war eine Herausforderung: Die so unterschiedlichen Stile harmonisch zu verbinden und keine Diskrepanz aufkommen zu lassen zwischen den Laien und dem bekannten Profi. Außerdem wird dem Buch eine Musik-CD beiliegen, was schon einmal die Auswahl der Druckereien reduzierte. Ich war überrascht, wie viel Schund und Schluderei einem auf diesem Sektor überhaupt angeboten wird.

Der Gestalter hat sichtlich mit Gespür für den Text gearbeitet: meditative Momente des Gartens
Auch wenn wir noch nicht fertig sind, will ich mich bei den wunderbaren Mitarbeitern bedanken: Ihr habt eure Arbeit nicht nur großartig, fleißig und in einem wirklich irren Zeitrahmen geschafft - es hat auch richtig Spaß gemacht mit euch! Meine dicken Empfehlungen deshalb öffentlich: Für die Buchgestaltung Hanspeter Ludwig (der übrigens auch ein hervorragender Illustrator und Comiczeichner ist), fürs Lektorat Jan Schuld (Kontakt über mich). Wie der Auflagendruck im Offset und die Buchbindearbeit (mit Fadenheftung und CD-Einlage) aussehen werden, wissen wir natürlich jetzt noch nicht, haben uns aber im Angebotsvergleich für Monsenstein & Vannerdat entschieden, nicht zuletzt deshalb, weil die Bildbände "können". Und die Musik der Harfenistin Nadia Birkenstock - die gibt es tatsächlich öffentlich im Handel und live an wunderschönen Locations weltweit ... da bin ich selbst seit Jahren Fan.

Die Arbeit war hart, aber ich möchte das Projekt nie mehr missen. Ich habe daran "learning by doing" noch einmal eine ganz andere Stufe des Verlegens gelernt: Vier Fotografen und mehrere Mitarbeiter. Habe gelernt, was für eine Logistik und Moderation, was für ein Timing und wie viel Betreuung hinter so einem Buch stecken, von der ersten Idee bis zu dem Zeitpunkt, wo es verpackt und versandt wird. Ich weiß zu schätzen, was Verlage hier leisten, aber ich möchte mir diese Arbeit ab jetzt nicht mehr von jedem Verlag aus der Hand nehmen lassen. Ich weiß jetzt nämlich auch, was alles möglich ist, wenn man sich mit anderen professionellen Buchschaffenden zusammentut, ohne an Verlagsprogramme und Trendjagden gebunden zu sein. Und ich habe gelernt, dass es sehr befriedigen kann, in gleichberechtigtem Teamwork ein Buch zu schaffen statt monomanisch auf sich selbst fixiert zu sein.

Man hört es vielleicht schon heraus: Ja, ich habe Blut geleckt. Ich könnte mir vorstellen, mit den jetzigen Mitarbeitern irgendwann für ein schon lange gärendes Lieblingsprojekt ins Crowdfunding zu gehen. Mal sehen ...

02.08.2014

Buchhaltährlisch!

02.08.2014 4
Und wieder einmal ist es Zeit für ein kleines Dramolett mit Tante Erna. Tante Erna hat nämlich einen solchen Erfolg mit ihrem Fußpilztagebuch gehabt, dass sie von einer einschlägigen Firma kontaktiert wurde:
"Wir machen in Füßen. Also eher so ekliges Zeug mit Füßen. Sie wissen schon, Pilze, Ekzeme, Hornhaut, eben alles, was Füße so zusammenhält. Könnten Sie nicht hin und wieder unsere Statistik pflegen? Sie bekommen einen Obolus und wir können mit ihrem Namen angeben: Hier wird jeder Pilz von Tante Erna persönlich gezählt. Sie mit Ihrem einmalig myzelhaften Charisma!"
Tante Erna hat sich breitschlagen lassen. Sie hat nun mal ein Faible fürs Thema. Sie ist außerdem - neben all ihren Tücken - ein großzügiger Mensch. Und wer schlägt schon Dauerauträge aus ... Aber plötzlich fand sie sich auf dem Hühnerhof einer Dorfposse wieder.

... oder war es der Hühnerhof der Dorfeitelkeiten?
Jedenfalls fuchste sich Tante Erna schon vor Monaten ins Thema ein und fand ein recht gutes System, all diesen Fußkram auf neckische Art zu zählen. Und sie zählte und zählte, ganze drei Monate lang, musste dann Mahnung auf Mahnung zählen, denn wenn eines in diesen Monaten nicht geschah, dann war es das Ereignis, dass jemand zahlte. Ich habe es bereits mehrfach erwähnt: Meine Tante Erna ist ein bißchen doof. Sie guckt Verkaufsshows im Fernsehen und verwechselt die Schauspieler von Seifenopern mit ihren Freundinnen. Aber sie hat ein goldenes Herz. Und deshalb zählte sie treudoof weiter und stellte fest: Ihr Geld war wieder nicht überwiesen worden! Von einem Dauerauftrag weit und breit keine Spur. Da werden selbst Tantchen die Hühner zu bunt und sie ließ sich auf einen Dialog mit der Buchhaltung ein. Sie behauptet, er habe sich genau so zugetragen. Aber solchen Fußschweiß glaubt ihr doch keiner!

Tante Erna (TE) mahnt ungeduldig ihr ausstehendes Fußpilzhonorar an.
Buchhalter Dädschmer (BD): Des kannich ned bezahle.
TE: Warum können Sie das nicht bezahlen?
BD: Weilich kai Beleg habbe tu.
TE: Was brauchen Sie für einen vereinbarten Dauerauftrag einen Beleg? Sie bekommen halbjährlich Rechnungen von mir.
BD: Ja weil desderhalb habbich jetzt kai Beleg und kanned bezahle.
TE: Sie haben den Bescheid vom Oberboss.
BD: Abber der schdehd innem Protokoll, wasich ned uffem Schreibtisch hab.
TE: Dann legen Sie es sich da hin und zahlen jetzt schön ordentlich mein Honorar. Sie haben schon die letzten drei Monate nicht bezahlt!
BD: Aber weil desderweil ich kai Beleg gehabt hab!
TE fällt in den Sprachduktus ihres Gegenüber, so wütend ist sie: Sie hatten meine Rechnung uffem Tisch gehabt, laut und deutlich! Da steht alles drin, Fälligkeiten und Verzugszinsen, alles.
BD: Aber die lag jetzt au ned ganz genau uff meinem Tisch, weil ich da annem andere Tisch gesesse bin, ich muss ja schließlich aumal was drinke gehe und kann ned immer nur an dem eine Tisch sitze. Und jetzertganzgenau an dem Tisch hab ich kai Beleg.
TE sichtlich genervt: An welchem Tisch sitzen Sie denn jetzt? Schreibtisch oder Trinktisch?
BD: Ja also, wennse mich jetzt so genau festnageln wollen, muss ich erschd nachgucke.
TE: Prost!
BD: Ich verbitte mir den Ton, ich bin hier buch-hal-tährisch tätig!
TE trocken: Das heißt buchhálterisch.
BD: Saggich doch! Buch-haltährisch.
TE: Buchhaltährlisch nohmol, wo bleibt mein Geld?
BD: Ich hab doch kein Beleg.
TE: Ihre Ohren sind ekzemfrei? Wissen Sie, das kann nämlich von den Füßen heraufwandern, wenn man so lange am Tisch ...
BD: Un außerdem hat der Oberboss mir noch kai Beleg vonderdervon ...
TE: Aber der Oberboss hat sie schon oberbosspersönlich mehrfach zum Zahlen aufgefordert!
BD: Aber der hat nur g'mailt, des isch derderfür kai Beleg.
TE röchelnd, von unterm Schreibtisch: Sie bekommen doch halbjährlich meine Rech...
BD Die kann ich dann jetz ned bezahle, weil wenn Sie mal gege mich prozessiere däde, hab ich nur die Mails vom Oberboss und die Rechnunge und derderweil müsse mer des oberkorrekt mache des Desderweil mit dem Demdervon!
TE flippt unterm Schreibtisch aus: Sie Derderdipfelesschisser Sie! Ich perperprozessier gleich für mei Desderhonorar, dass Ihne demdes Höre und sehrso Sehe vergeht! Sie Drinktischakteverleger, Sie Brotokollignorant, Sie Mailberbärbanause, wie viele Zurufe brauchen Sie denn noch, Sie DÄTSCHMER?!?
BD wie aus Büroschlaf auftauchend: Oh, haddo mich wer g'rufe?

Tante Erna ist nach diesem Erlebnis erst mal in Wellnessurlaub auf die Cayman Islands verreist. Sie meinte, sie könne mindestens sechs Wochen lang nicht mehr das Wort "Beleg" ertragen, sonst müsse sie ihren berühmten Fluch bis ins siebte Glied aussprechen. Auf was sie denn dann verfluchen würde, wollte ich wissen. Auf Fußpilz natürlich, mein Kind", meinte sie zwinkernd. Sie hat gut Zwinkern, bis jetzt hat jeder ihrer Flüche schon im ersten Glied gewirkt.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
 
◄Design by Pocket Distributed by Deluxe Templates