Warmbabbeln

Das Hundefutter für den Rest des Jahres ist da. Und weil seit Tagen eine vorwitzige Blaumeise an mein Bürofenster klopft, lag im Paket diesmal auch Vogelfutter - sie und ihre Kumpels sind glücklich. Und ich bedanke mich bei diesem Anlass einmal ganz herzlich für eure Spenden in die Paypal-Kaffeekasse meines Blogs (rechts im Menu), denn die laufen direkt in Richtung Bilbo, für Veterinärsrechnungen oder Futter und Leckerlis. Ich schwöre, er gibt mir nichts davon ab! ;-)

Nur ich armes Viech halte gerade oberirdisch durch ...


Ich "babbel" jetzt einfach mal hier herum, weil ich wie auf Kohlen wie auf Eiswürfeln sitze und warte. Die Heizung will seit letzter Woche nicht anspringen und Heizungsmonteuren geht es offenbar ähnlich. Oder wie die Firma mir versicherte: "Wir kommen seit zwei Wochen mit Notfällen kaum rum!" Mir kommen bei so vielen "Dépannages" Gedanken an Obsoleszenz, tatsächlich halten auch Heizungen und Warmwasserboiler heutzutage nicht mehr so lange wie früher, das sagen sogar Fachleute. Diesmal haben youtube-Tutorials leider nicht gereicht, um das Ding mit einfachem Einschalten zum Brummen zu bringen und ich denke mit Grauen an die Rechnung. Hoffe so sehr, dass es nur ein klitzekleiner Fehler, eine winzige Verschmutzung ist, die mich endlich wieder warm werden lässt. Das bin ich einigermaßen oberflächlich dank Amazon. Im Gegensatz zu sämtlichen Baumärkten konnten die mir innerhalb eines Tages einen elektrischen Radiateur liefern.

Mir fällt auf, dass mich Warten auf etwas oder jemanden, die mich von der Arbeit abhalten oder genau dann kommen könnten, wenn es am allerwenigsten passt (ach ja, heute ist Internationaler Toilettentag), fürchterlich nerven. Vor allem bei der Sorte: "Wir rufen vorher an und geben Bescheid, wann wir kommen". Ich war diejenige, welche. Währenddessen richten Kohl- und Blaumeisen auf dem Fensterbrett draußen ein wahres Freudenmassaker im Futter an. Ich möchte glauben, dass es sich erst noch zu anderen Vogelarten herumsprechen muss. Aber auch die Wassertränke im Sommer wurde nur von ihnen und einer extrem dezimierten Spatzenbande aufgesucht. Ab und zu kam eine Amsel. Selbst hier im Naturpark ist es grauenhaft, wie aufs Insektensterben das Vogelsterben folgte. Und nein, Sommerfütterung hilft da nichts, die Tiere verrecken am Glyphosat und anderen Pestiziden der Maismonokultur.

Wer soll eigentlich diesen Beitrag freiwillig lesen bei so viel Herumjammern?! Ich verspreche: Aufgetaut wäre ich viel eher zu ertragen! Es gibt auch Positives zu berichten!

Mein neues Blog ist nun dank der Warterei so schnell entstanden und weil ich den Hund nicht im eisigen Flur alleinlassen wollte. Als ich sah, wie das arme Viech trotz all der Decken im eisigen Flur bibberte, wurde das opulente Sonntagsessen abgesagt und der Hund zum Heizerchen ins Zimmer gelassen. Nebst Picknick am Heizerchen. Wenn ich nicht da bin, gibt's für ihn "nur" den Flur, aus Gründen.

Zu meiner Überraschung läuft das neue Blog besser an als gedacht an, nah am Zielpublikum, das ich mir vorstelle, und endlich auch für all diejenigen Follower lesbar, die kein Deutsch können. Ich hatte befürchtet, ich müsse alles von Null an aufbauen, aber der erste Beitrag bei "Landscapes of Change" hat mehr Zugriffe als mein letzter Blogpost zur Ankündigung hier - und fast schon so viel wie die Beiträge, die hier unter Nature Writing laufen. Es ist also wirklich ganz klar eine kulturelle Sache, wie vermutet.

Das motiviert mich sehr, auch das Feedback in Social Media. Es ist einerseits nicht mehr das einsame Schaffen im stillen Kämmerlein, andererseits sehe ich jetzt fast live, wofür sich die Menschen interessieren und was ich damit noch alles anstellen könnte. Auch das Schreiben verändert sich, wenn Texte plötzlich über Grenzen hinaus lesbar sind - der Horizont weitet sich. Und anderes wird enger. So werde ich wohl zuerst einmal den Ort des Geschehens vorstellen müssen, denn wer kennt schon das kleine elsässische Dorf mit dem winzigen Erdölloch, in dem in Wirklichkeit Naturasphalt herumschwimmt. Auch in dieser Hinsicht bin ich froh: All die Fachbegriffe ums Erdöl beherrsche ich aus dem Effeff englisch und französisch. Ich müsste mich selbst erst ins Deutsche übersetzen.

Da ist noch eine lustige Geschichte, also eine, über die ich heute lachen kann. Ich werde gleich nachher das alte Marmeladenglas aus dem Schrank holen, das ich vor rund 20 Jahren mit Entdeckerfreuden gefüllt habe, daran schnuppern, ob es noch so riecht wie damals. An der Stelle, an der weltweit zum ersten Mal Öl im Fabrikmaßstab gefördert wurde, habe ich gelöffelt. Die Leute vom Museum hatten mir verraten, wo genau im Wald die Lache versteckt lag (heute gibt es Führungen dorthin) und ich habe mir bei der "Förderung" einen alten Löffel komplett ruiniert. Der Archivar hätte mir damals nicht die Kopie eines handgeschriebenen Manuskripts aus dem 18. Jhdt. in die Hand drücken sollen ...

Irgendwie habe ich experimentelle Archäologie nacherfunden, naiverweise in der eigenen Küche. Das Manuskript war das Handbuch des Direktors der weltweit ersten Raffinerie, in der noch in riesigen Pfannen herumgeköchelt wurde. Also dachte ich, was die damals konnten, kann ich auch. Und was in einer Riesenpfanne funktioniert, muss auch eine kleine Kasserole können. Was passierte, erzähle ich aber im anderen Blog!

Ich ertappe mich dabei, dass meine Gedanken um Wärme und Heizstoffe kreisen. Der Monteur soll heute Nachmittag kommen. Mal sehen, wie lange der Nachmittag noch wird ...

PS: Ich habe den Monteur sozusagen "herbeigebabbelt". Seit fünf Minuten läuft die Heizung wieder. Das Steuerungsteil musste ersetzt werden, eine Sache von einer knappen halben Stunde mit Tests. Im Atelier kommt es schon leicht lauwarm an ... Und jetzt kann sich Bilbo im Flur wieder an "seinen" Heizkörper kuscheln.

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