Süß macht warm

Morgens beim Bäcker ein Auflauf ... Regale voller Kuchen in allen Formaten, so viel Süßes wurde schon lange nicht mehr gekauft. Droht mal wieder ein Feiertag in Frankreich? Nein, es ist Feiertag, klärten mich die Leute auf. Einer, der in keinem Kalender steht.


Typografie beim Bäcker. Ideal für ein Schriftstellerfrühstück!

Heute haben es viele Menschen in meiner Region zum ersten mal warm - ich übrigens auch, ich habe bis heute morgen durchgehalten. Da ist das alte Mütterchen, das sich den Riesenzimtkuchen gönnt, weil sie endlich nicht mehr mit Wollstrümpfen und Wollpullover ins Bett geht. Süß tut gut, sagt die Bäckerin, das hilft der Seele auf. Eine Frau sagt, dass sie der Klimaerwärmung fast dankbar sei, sie hätten die Ölheizung noch nicht anwerfen müssen, sondern mit dem alten Herd von der Oma in der Küche geheizt. Aber das Baden und Schlafen sei doch bei den ersten Frostnächten sehr unangenehm geworden, ein Heizlüfter spare ja auch keine Kosten. Bitter haben wir das alle in diesem Monat bemerkt. Es ist der traditionelle Monat der Endabrechnungen und diversen Jahressteuern. Alles, wirklich alles ist teurer geworden, manches sogar tüchtig. Ein junger Mann will weiter durchhalten. Er habe schon schlimmer gefroren, da ginge noch was. Die Hausfrau warnt ihn: Zu lange keine Heizung, bei dieser Feuchtigkeit, da fielen ihm irgendwann die Tapeten von der Wand.

Es herrscht mittlerweile ein Wettlauf, wer seine Heizperiode am spätesten einläutet. Zum Glück leben wir in einer Region mit langen Zwischenjahreszeiten, sprich, die Nächte können frostig sein, tagsüber wird es dann doch noch manchmal recht warm. Die Bäckerin gibt zu bedenken, man müsse sich vorsehen, ein später Winter sei oft ein sehr langer Winter. Daran will heute keiner denken. Sie denken alle nur an heißen Tee, heißen Kaffee und duftende Kuchen - in einer geheizten Wohnung, einem warmen Haus.

Schade ist, dass sich manche Leute trotz der allgemeinen Lage schämen, wenn sie diese Riesenkästen der 1920er und 1930er nicht mehr geheizt bekommen, die man in früheren Jahren mit unendlich viel verfügbarem Holz bullig hochgeheizt hatte. Damals hat man noch nicht drauf schauen müssen. Die Preise waren niedrig, Energiesparen unbekannt. Jetzt wird auch das Holz, das sie als ökologische Alternative preisen, immer teurer. Und die Ölfirma hält den Pellet-Verkauf. Manche kaufen heute so viel Kuchen, weil sie jetzt erst wieder Freunde einladen. Sie haben sich nicht getraut vorher. Dabei finde ich genau das wieder heimelig ... wenn ich ausgehe im dicken Pullover ... und wir dann bei Freunden in der Küche sitzen, dem einzigen hochgeheizten Raum im Hause. Wo man in dieser Übergangszeit lebt und arbeitet und erzählt und sich trifft. Was braucht man mehr als ein heißes Getränk, an dem man wohlig die Finger wärmt, gute Freunde ... und ein wenig "douceur", wie es auf der Bäckertüte heißt. Zärtlichkeit, Süße, Sanftheit.

Madame braucht jetzt einen sehr heißen Café au lait. Im warmen Büro genossen.

Kommentare:

  1. Süßes macht warm, keine Frage! Noch wärmer wird es, wenn man gleich selber backt. Dann duftet die ganze Küche und der Backofen strahlt genug Wärme ab, so dass man gemütlich daneben sitzen und eine Tasse Tee trinken kann, während der Kuchen langsam eine goldbraune Färbung annimmt.

    Alte Häuser mit unzureichender Dämmung, stetig steigende Energiepreise - für mich gibt es da keinen Grund zum Schämen! Wir heizen seit Jahren (auch aus Kostengründen) sehr wenig und haben uns an ein relativ kühles Leben gewöhnt. So lange noch keine Minusgrade sind, verlangen die Abende auf dem Sofa zwar nach einer kuscheligen Decke, aber das ist ja auch ganz gemütlich. Erst wenn die Finger vor Kälte so klamm sind, dass die Arbeit nicht mehr von der Hand geht, darf die Heizung ihre Arbeit aufnehmen und wird dann von Mensch und Tier umso mehr gewürdigt. ;)

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  2. Du hast das so schön beschrieben, Winterkatze!
    Ja, manche Leute sind womöglich schon so verwöhnt, dass sie einfache Freuden wie diese nicht mehr zu schätzen wissen ... obwohl, wir träumen schon vom Häuschen im Süden für den Winter in unseren Breiten.

    Du bist dann sicher auch so eine wie ich, die in all den überheizten Geschäften und Räumen vor Hitze schier eingeht und sich bis aufs T-Shirt auszieht ... zum Erstaunen der Mitmenschen im dicken Pelz ;-) Mir ist gerade eine Fotoserie missraten, eine Freundin hatte mich extra geknipst ... aber ich war so verrückt, einen langärmeligen Pulli unter einer Jacke zu tragen ... und folglich bei gefühlten 40 Grad (draußen sieben) mit hochrotem Kopf gesegnet. Nö, keine Wechseljahre. Ich bin nur soooo warme Räume nicht mehr gewohnt.

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  3. Ich mag den Winter in unseren Breitengraden. Etwas mehr Schnee wäre noch schöner, aber auch das Grau und der Regen sorgen für eine Entschleunigung und für eine Konzentration auf die kleineren Dinge. :)

    Jupp, ich bin definitiv auch so eine! :D Im Moment reichen mir zwei T-Shirts (allerdings eins davon langärmlig) zum Spazierengehen. Für eine Winterjacke braucht es dann schon tiefe Minusgrade! Und die Blicke in Geschäftsräumen kenne ich auch zu gut! Der menschliche Körper ist schon ein Wunderwerk, wie er sich an Temperaturen anpassen kann, ist großartig. Aber mit einem langärmligen Pulli unter der Jacke darfst du ihm da wirklich nicht kommen! *g* Ich drücke die Daumen, dass die nächste Fotoserie etwas wird - vielleicht bei etwas kühleren Temperaturen?

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