Lavendelblues oder vom Arbeiten mit Sinn

"Wir wollen unsere Begabungen und die Ressourcen der Gegend nutzen. Und wir wollen eine Arbeit mit Sinn, eine Arbeit, die uns und unseren Kunden Spaß bringt." 
Diese Sätze lese ich, als ich ein Buch an zufälliger Stelle aufschlage. Und denke nicht zum ersten Mal: Das bin ja ich! Nicht sehr verwunderlich, denn es ist mein eigener Roman "Lavendelblues", der 2006 zum ersten Mal erschien. Und doch fühlt es sich schräg an. Hätte man mich nämlich damals gefragt, ob das Buch mit meinem Leben irgendetwas zu tun hätte, hätte ich noch antworten müssen: nicht viel, das ist alles zusammengesponnen! Aus der Realität habe ich mich nur an zwei Fakten bedient: der Krisenstimmung in Deutschland und einer Boutique im Elsass, in der ich damals gern einkaufte. Sie ist längst pleite ... die Krisenstimmung herrscht immer noch in Europa.


Die meisten werden es schon wieder vergessen haben: 2006 war eine Krise noch nicht für alle spürbar, aber dunkle Wolken dräuten über den USA. Der Umgang mit Hypotheken führte dort zu einer Immobilienkrise, die dann u.a. durch Fehler in der Geldpolitik weltweit nebst schrankenlosem Aktienmarktzocken zur Bankenkrise wuchs und uns heute noch beschäftigt. "Aufprallphase" nennt man das, was mit der Weltwirtschaft in jenem Jahr geschah.

Ein Roman macht sich selbstständig

Ich erinnere mich noch gut, wie bereits vorher die Heizölpreise hochschnellten (u.a. durch Wirbelsturm Katrina und die Folgen) und ich einmal mehr den Katzenjammer bekam, ich wäre als Angestellte doch viel besser dran: wenigstens ein geregeltes monatliches Einkommen! Ich versuchte es ernsthaft und scheiterte. An meinem Alter ("Über 35 stellen wir in Ihrem Beruf niemanden mehr ein!"), an Überqualifikation ("Sie wissen zu viel. Damit haben wir keine guten Erfahrungen gemacht.), an der Misere in meinem Canton. Dabei hätte ich sowieso nicht anderswo arbeiten können, denn ich musste plötzlich zwei Monate früher abgeben. Doppelschichten am Buch, manchmal schlief ich beim Wärmen einer Dose fürs schnelle Essen einfach am Tisch ein. Diese Maloche sollte mir jedoch die zweite Hälfte des Vorschusses zwei Monate früher bescheren - gerade noch rechtzeitig, um Heizöl zu kaufen! Obwohl die "Aufprallphase" noch nicht da war, entwickelte ich ein feines Gespür dafür, wie die Menschen um mich herum trotz hoher Arbeitslosenquote glücklich und fröhlich waren - während man im Nachbarland Deutschland reicher war, aber um die Wette jammerte. So wurde die Idee zum Lavendelblues geboren, in dem drei Frauen aus zwei Ländern ihre private wirtschaftliche Misere überwinden.

Spaßeshalber schrieb ich damals für meine Hauptfigur Dahlia mit ihrer Boutique für Innendekoration einen Businessplan. Ich ließ sie tüchtig angeben damit, wenn sie das Thema Rosen in den Fokus stellen würde, kämen die KäuferInnen wohl scharenweise. Das ist das Schöne beim Romanschreiben: Man kann völlig verrückte Sachen jenseits der Realität ausspinnen. Die Realistin in mir wusste natürlich, dass ein Laden in Innenstadtlage erst einmal tüchtig Kosten produziert und schon gar nicht "nebenbei" zu führen ist. Nein, meine Dahlia war hoffnunglose Romantikerin, fand ich und schrieb ihr schnell noch ein paar Freundinnen mit ins Buch, damit sie es aus diesem Schlammassel heraus in ein glücklicheres Leben schaffte. Sie sollte im Winter nicht so frieren müssen wie ich.

Nichts, was man im Leben einmal gemacht oder gelernt hat, ist umsonst. Wenn ich historische Texte in Perlen verwandle, sind das meist Preziosen, die ich irgendwann gelesen oder erforscht habe. Oder die mit meinen Buchthemen indirekt zu tun haben: wie die mesopotamischen Perlen und "Das Buch der Rose" oder Ketten wie "Russian Blue" und mein Buch über die wirbelnde Welt der Ballets Russes "Faszination Nijinsky".
"Ist das eigentlich Zufall, dass du jetzt auch einen Laden hast wie Dahlia?", fragte mich kürzlich eine Freundin. Ich weiß es nicht. Ich bin doch nicht so blöd und mache eine Boutique auf in Krisenzeiten! Aber offenbar habe ich von Dahlia und ihrem Businessplan unbewusst gelernt: Onlinehandel statt Ladenpräsenz, kleine handgefertigte Mengen statt Lagerhaltung teurer Marken. Und wie ich so nachdenke, muss mich doch einiges an meinem Roman selbst inspiriert haben, nachträglich. Ich lebe eher im Gegenteil jenes kooperativen lebenslustigen Dorfs - aber ich mache mir meine Welt im Kopf, indem ich die Verbündeten selbst suche, die Region ausdehne. Neuerdings schmökere ich wieder im Buch und dann fällt es mir mit obigem Satz wie Schuppen von den Augen. Wie blöde kann man eigentlich sein, um ganze zehn Jahre zu brauchen, bis man sich selbst ernst nimmt? Ist das nicht genau mein Programm, dieser Satz da oben vom Dorffest, der Dahlia so verwundert?

Nicht nur durch geschriebene Geschichten verändert sich die Welt. Wenn ich meine Päckchen extra zu diesem modernen Zentrum der Postverteilung fahre (kein Jux, drinnen ist die Technik vom Neuesten), dann verwandelt sich dieses Haus in eine globale Schnittstelle. Perlen aus Indien oder Tschechien, Pilzschmuck aus dem Vogesenwald - alles hier.

Vom Glück des Unbekannten

Wenn ich morgens aufwache, wenn ich abends einschlafe, bin ich glücklich über meine Entscheidung. Es fühlt sich alles vollkommen richtig an, so manche Entwicklung in meinem Leben schließt sich zum Kreis. Vor allem aber macht mich glücklich, dass ich mit so viel Unbekanntem und Neuem konfrontiert bin, sprich, jede Menge neugierig lernen kann. Diese Freude funktioniert in jedem Alter und immer wieder! Ungewohntes und Neues macht die Welt weiter.

Ich habe zwar auch mit dem Aufkommen der E-Books viel lernen und üben müssen, jedoch hat sich diese Faszination schnell abgenutzt: Es handelte sich lediglich um eine notwendige Technik für ewig das Gleiche - ein Buch. Es war in meinen Augen ein Lernen, das einem schnell den Überdruss bringen kann: Warum muss jedes elektronische Teilchen, jede Software, jedes Gerät auf anderem Standard und mit anderen Schritten laufen? Für mich ist es verschwendete Lebenszeit, wenn ich nur lernen muss, weil große Firmen nicht fähig sind, sich auf gemeinsame, verbraucherfreundliche Standards zu einigen. Ich arbeite damit indirekt für diese Firmen, die sich dank meiner Mitarbeit Geld in der Entwicklung sparen. Und weil die Geräte immer schneller obsolet werden oder out sind, schufte ich alle Jahre von Neuem daran. Man kennt das vom Handy, vom Fernseher, dem neuen Computer-Betriebssystem. Es ist nicht befriedigend, hat etwas von der ewigen Repetition eines Sisyphos. Wie viel Zeit verschwenden wir mit solchen Recherchen, um die beste Lösung zum ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis zu bekommen, etwa bei der Herstellung und beim Vertrieb von Büchern. Was bindet das alles an Kreativität!

Ich recherchiere auch jetzt viel. Lerne komische Sachen wie über die Chemie von Lignin, über Zusammensetzungen von Papier oder Trocknungszeiten von präparierten Pilzen bei nassem Wetter. Aber das ist ein anderes, freudigeres Lernen. Weil ich meine Neugier befriedige, anstatt mich als Teil eines elektronischen Apparats zu begreifen. Weil ich meine Probleme sogar mit Händen be-greifen kann: Ein aufgeblasenes Papier von Premiumtaschenbüchern fühlt sich anders an als welches für Bibeldruck aus dem 19. Jahrhundert. Mache ich grobe Fehler, muss ich "nur" ein Experiment wegwerfen - der Lernprozess in stundenlanger Arbeit war nicht umsonst. Es ist wie beim Hefekuchenbacken: Hat man den Dreh einmal heraus und kennt die Reaktionen von Hefe, flutscht es immer. Mit leichten Unterschieden, aber es wird eben ein Kuchen.

Vor allem aber kann ich mir trotz der bereits entstehenden Routinen die kindliche Freude am Schönen bewahren. Ich habe zeitlebens bildende Künstler und Musiker beneidet, die Schönes erschaffen, das unmittelbar wahrgenommen werden kann, ohne dass man den Umweg über die Sprache gehen muss. Das merke ich vor allem am Feedback aus anderen Ländern - plötzlich wird die Welt spürbar größer.

Seltsam, dass mir das Gestalten von Schmuck auch eine viel größere Gelassenheit gegenüber dämlichen Kommentaren gibt. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum diese einen beim Bücherschreiben doch mehr anfressen, selbst wenn man sie sofort wegschiebt. Warum kann ich bei Schmuck viel schneller sagen: Wenn dir das nicht gefällt, geh doch zu X oder Y, die machen es ganz anders? Weil Perlen einfach Perlen sind, Bücher aber nicht gleich Bücher? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich einigen Stoff zum Amusement bekomme - wie ihn eine befreundete bildende Künstlerin auch kennt. Oft ist es dieses: "Das kann ja jeder, Pipifax!" Bei Büchern macht das nun auch jeder - und irgendwie funktioniert es; wenn nicht, verschenkt man die Ware eben fast. Perlendrehen kann auch jeder. Papierperlen können sogar Kinder herstellen. Aber im Unterschied zum Buch sieht man sofort deutlich, wer gut dreht und wer stümpert. Und das ist diese andere Befriedigung: Wenn ich mit viel Geduld etwas schaffe oder einen Dreh herausbekomme, den ich am Tag vorher noch nicht beherrscht habe.

Das positive Feedback empfinde ich als viel unmittelbarer und herzlicher als beim Bücherschreiben. Ich weiß, man soll nie zwei wunderschöne Dinge gegeneinander ausspielen. Aber Kundinnen zeigen sich spontan in Social Media mit meinen Schmuckstücken oder fotografieren das Gelieferte. Wer fotografiert sich so spontan mit einem Buch? Das tut nicht nur der Seele wohl, sondern ist ungemein wichtig am Anfang: Noch habe ich meine Kundschaft nicht erarbeitet. Noch reicht der Umsatz nicht fürs Schnitzel - ich überlege eher, ob ich zu aglio et olio noch etwas in die Spaghetti werfen kann. Aber genau dafür ist positives Feedback, sind Kundenbewertungen so wichtig: Sie streicheln nicht nur das Ego, sondern machen andere neugierig. Und sie sagen mir auch, dass ich auf dem richtigen Weg bin, wenn ich mal wieder an mir selbst zweifle.

Das habe ich im Lauf meines Lebens auch gelernt: Selbstzweifel sind in der Kunst absolut notwendig, um sich nicht selbst zu überschätzen oder abzuheben. Aber sie dürfen nicht einem zarten Pflänzchen das Licht nehmen, dürfen nicht selbstzerstörerisch werden. Wenn man voller Gelassenheit weiß, wo man selbst steht, muss man nicht neidisch auf die Besseren starren, nicht mitleidig auf die vermeintlich Schlechteren. Es geht einzig und allein um die Frage: Beherrsche ich ausreichend mein Handwerk und kann ich Dinge schöpfen, mit denen ich andere glücklich mache? Kann ich die Freude, die ich selbst bei meiner Arbeit empfinde, auf andere übertragen? Es ist dann egal, ob jemand darüber lacht, dass ich in einem alten aufgelassenen Ockersteinbruch meine Pigmente schürfe. Es stehen nämlich zehn andere Menschen dahinter, die das spannend finden, die mehr wissen wollen. Und vielleicht kann ich eines Tages einige lehren, wie faszinierend es sein kann, aus der heimischen Erde Farben zu produzieren. Es muss nämlich nicht immer Ocker sein.

Es ist eine Arbeit des Teilens, des Mitteilens über das Schmuckstück hinaus, zu dem es oft eine Geschichte zu erzählen gibt. Nachdem ich kürzlich festgestellt habe, wie hilflos und unbewusst viele Menschen um mich herum mit Müll umgehen und mit Ressourcen, habe ich bereits im Hinterkopf, dass hier vieles brachliegt, was man spielerisch lernen könnte. Jeder im Netz scheint von Upcycling zu reden, aber in den Dörfern hier herrscht eine Verschwendung, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.

In den 1980ern habe ich mir Laienkurse bei einer Goldschmiedin geleistet. Das ist mit meinen zittrigen Fingern dabei herausgekommen - ein Mond mit konischem Mondstein und eine Sonne mit tiefviolettfarbenem Amethyst, beides in Sterling Silber. Und das ist mein Traum nach dem Papier: Silver Clay auszuprobieren.

Gegründet - und nun?

Gegründet ist der Onlineshop des Atelier Tetebrec nun also. Und jetzt? Kann ich mich auf den ersten Lorbeeren ausruhen? Beileibe nicht! Denn nach der echten Eröffnung wird es erst richtig hart - das unterschätzen viele.
Zum einen sind notwendige Korrekturen am eigenen Können vorzunehmen: Ich habe mich wieder einmal, trotz besserer Erfahrung, völlig in der Zeit verschätzt. Ich bin noch nicht wirklich in einem angenehmen und schnellen Workflow, neue Schmuckstücke einzustellen und alles zweisprachig zu halten. Die Übersetzerei ins Englische schlaucht mich am meisten - also versuche ich, das als Investition in meine Sprachkenntnisse zu sehen. Wer hier vorher genügend Kapital beiseite gelegt hat, um solche Arbeiten an Fachmenschen zu geben, spart viel Zeit und Kraft!

Die größte Härte aber ist das Aufbauen eines Kundenstamms und das Bekanntwerden. Auch hier habe ich gelernt: Das dauert oft sehr lange. PR-Arbeit ist heutzutage nicht zu unterschätzen, auch dafür braucht man Zeit und Energie, während ich doch viel lieber basteln würde. Wer das nicht als Spaß sehen kann, sollte die Finger vom Unternehmerinnensein lassen: Rechnungschreiben, Buchhaltung, Warenverwaltung, Vertrieb und das Management sind zunächst einmal wichtiger als das Perlendrehen. Denn den Deklarationen auf dem Fuße folgen die etwas unschöneren Situationen, wenn man plötzlich etwas mit dem neuen Geschäft verdient, aber noch nicht genug zum Leben. In meinem Fall heißt das: Der Staat hilft mir mit einem kleinen Obolus in der Gründungsphase, für den ich aber jeden verdienten Cent abrechnen muss. Kommt einen Monat mehr Geld herein, bekomme ich danach weniger vom Staat. Völlig normal! Weil das aber zeitversetzt im Trimester passiert, durfte ich die ersten beiden Monate jetzt zurückzahlen. Zurückzahlen von fast nichts.Was habe ich gejubelt über einen Brief: "Wir haben vergessen, ihnen die Gründungsprämie zu zahlen!" Ich wusste nicht einmal, dass ich darauf Anspruch hatte. Rund 65 fette Euro. Ich denke, das ist in jedem Land dieser Erde gleich: In der Anfangsphase einer Unternehmung ist man der Sklave seiner selbst, lebt von reichlich Überstunden und viel aglio et olio zu wenig Spaghetti. Aber wie befriedigend ist das dann, wenn man langsam in die schwarzen Zahlen kommt und merkt: Es geht voran.

In dieser mMn härtesten Phase einer Gründung machen viele einen gefährlichen Fehler: Sie werden zu billig. Aus Panik, nicht genug zu erwirtschaften oder nicht schnell genug KundInnen zu finden, lassen sie sich auf Dumpingpreise ein, verschleudern ihr Können. Manche rechnen dann plötzlich nicht mehr, was vom Preis alles abgeht - etwa die rund 24% Sozialabgaben hier, der Einkauf von Materialien, die Heizung und womöglich Miete des Ateliers (Arbeitsstunden noch nicht gerechnet), später die Steuer. Langfristig rächt sich das auf mehreren Ebenen: Wer sich einmal verschleudert hat, wird kaum Argumente finden, seine Preise später auf angemessenes Niveau zu heben. Wer sich auf niedrigstem Preisniveau bewegt, wird von KundInnen unwillkürlich auch auf Discounterniveau einsortiert, was Qualität und Ware betrifft. Selbst Menschen, die extrem geizig sind und solches nur befördern, verbinden emotional Billigstware mit Billigstqualität. Und an dem Punkt setzt der gefährlichste Mechanismus an: Man wird vornehmlich KundInnen anziehen, die eben kein Geld ausgeben wollen. Die vielleicht Arbeit gar nicht wertschätzen. Oder Preise am liebsten noch mehr drücken würden. Die wertschätzenden Kunden bleiben aus. Und das ist oft der Anfang vom Ende einer Firma.

Es ist natürlich immer ein Jonglieren. Meine Antwort auf dieses Problem ist einfach. Ich kann und will ein gewisses Preisniveau nicht unterschreiten, denn das ist ja kein niedliches Hobby, bei dem ich selbst draufzahlen kann. Ich halte es mit Mischauswahl: Preiswerte, einfache Stücke - neben der normalen Kollektion der Unikate. Dass ich trotz Urlaubszeit und Sommerflaute gleich Stücke aus allen Preislagen verkaufen konnte, gibt mir recht.

Die Maloche beginnt also erst so richtig. Als nächstes muss ich die Anfragen für Interviews angehen und mir dafür Zeit freischaufeln. Und jede Menge vorproduzieren, denn das nächste Weihnachten kommt bestimmt! Aber da ist noch etwas, was mir großen Mut macht und mich ungemein motiviert: Ich habe bereits einige Bestellungen für Maßanfertigungen - mit aller künstlerischen Freiheit. Dass ich dabei den Schmuck für ein Bühnenspektakel gestalten darf, erfüllt mich mit ganz besonderer Freude und Faszination.

Spenden in die Kaffeekasse gehen diesmal voll an meinen Assistenten Bilbo Möchtegern-Beagle: herrlich stinkendes Kauzeug!

Kommentare:

  1. Danke für diese spannenden und auch wieder einmal ungeheuer ermutigenden Überlegungen, die man eigentlich nur jedem, der selbst in irgendeiner Form kreativ arbeitet, zur Lektüre empfehlen kann!

    Was die Tatsache betrifft, dass man sich beim Bücherschreiben negative Kommentare stärker zu Herzen nimmt, habe ich die Theorie, dass da zwei Faktoren zusammenwirken. Zum einen kann man in Texten die zugrundeliegenden Gedanken oft sehr viel unmittelbarer mitteilen als bei Kunstformen, in denen man sie indirekt umsetzt und die Interpretation offener bleibt. Wenn jemand eine vernichtende Bemerkung zu Textinhalten macht, geht es also ziemlich schnell ans Eingemachte. Zum anderen aber ist bei Büchern viel stärker als bei anderen Kunstformen allgemein die Anschauung akzeptiert, dass sie durch Mitarbeit Außenstehender (Lektorat etc.) notwendigerweise besser werden. Ob das wirklich immer so ist, sei einmal dahingestellt, aber ich glaube, deshalb hält man Kritik an den eigenen Texten generell schneller für relevant als etwa die an Schmuckstücken, Gemälden oder anderen Werken, ganz gleich, aus wie berufenem oder unberufenem Mund sie kommt.

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    1. Das sind interessante Gedanken, Maike!
      Ich selbst habe noch keine Antwort auf das Phänomen. Es könnte auch etwas damit zu tun haben, dass Kritik an Objekten am häufigsten als Geschmacksurteil daherkommt - und weil Geschmäcker verschieden sind, kann man damit bestens leben. Bei Texten werden die Leute oft persönlich ...
      Und dann ist da noch etwas anderes: Mit Büchern will man verstanden werden. Dazu sind Denkprozesse nötig. Bei Kunstobjekten will man das zwar auch, aber eine Kette kann man einfach nur als schön oder hässlich oder schräg bezeichnen und gut ist. Da muss man nicht so lange herumdenken.
      Ich weiß auch nicht ;-)
      Jedenfalls danke für den Nachdenkstoff!

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  2. Liebe Petra,

    ach und hach! Wie du mir mal wieder aus der Seele sprichst... naja, fast. Ich lebe im meckernden Deutschland (was du mir erst neulich wieder vor Augen geführt hast mit deinem Hinweis darauf, wie sehr sich jung und alt bei uns separieren...) Du arbeitest wirklich mit den Händen, während ich über kreativ handwerkende Menschen schreibe... Du machst so tolle Dinge. Und schreibst Mal ums Mal einfach tolle Texte. Beide starten wir grade beruflich neu, beide nicht zum ersten Mal...

    Heute war mal wieder so ein Tag, an dem ich schier verzweifelt bin an all den unbezahlten, selbst gestellten Aufgaben ohne Freundlichkeit und Dank, die ich mir so auferlege... Und du hast mich jetzt gerettet. Mit einem scheinbar ganz banalen Satz: "Nichts, was man im Leben einmal gemacht oder gelernt hat, ist umsonst." Ja, daran glaube ich. Und du beweist, dass es stimmt - mit deinen Texten und deinem Schmuck.

    Ich habe immer schon Geschichten geliebt. Schmuck auch. Aber noch nie habe ich erlebt, dass beides zusammen kommt. Und dann noch so schön, so überzeugend, als ganz und gar Eigenständiges - wie jetzt bei dir! Du wirst Erfolg haben! Das weiß ich! Doch: Ich hab gelernt, dass auf mein Gespür Verlass ist. Kannste also ruhig glauben.

    Und jetzt beame ich dir ein paar Päckchen Spaghetti rüber. Und noch viel mehr gute Wünsche....
    Maria

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    1. Liebe Maria,
      als ich gestern halb im Schlafdusel deinen Kommentar freischaltete, hüpfte ich innerlich, denn mir geht es mit deinen Gedanken und deinem Schaffen ja ähnlich. Und selbst Frankreich jammert und meckert, du wirst es nicht glauben ... allerdings eher über die Administration, die Regierung.

      Ich glaube fest daran, dass Einzelkämpferinnen wie wir alle hier uns gegenseitig Mut machen können und uns motivierend unterstützen sollten. Denn diejenigen, die uns runterziehen wollen oder auf die Palme bringen, tönen oft viel zu laut. Darum schreibe ich solche Beiträge auch, das soll kein Egogequatsche sein (ich komme mir zuweilen so vor, als redete ich zuviel über mich), sondern Ansporn, Inspiration. Ich weiß ja von mir, wie mühsam sich das Eichhörnchen von konstruktiver Kritik und Aufmunterungen ernährt ;-)

      Ich habe kürzlich einer Freundin erzählt, wie Menschen, die mich seit vielen Jahren kennen, noch kein einziges Wort über meine neue Arbeit verloren haben, wogegen eigentlich wildfremde Leute in Social Media so viele wertvolle Gedanken mit mir teilen, mich so anspornen. Das bleibt im Kopf und im Herzen, egal, wie viele Kilometer dazwischenliegen.

      Das mit dem Erfolg glaube ich dir jetzt einfach mal. Mein kleiner Finger sagt mir nämlich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin ganz froh, wenn's nicht zu schnell durchstartet, denn ich will erst mal mitkommen, mein eigenes Tempo finden. Das wird ...

      In Sachen Spaghetti geht ein dickes Wuff mit Hundeschlabberschmatz an dich. Monsieur Bilbo meint, jetzt wären Kroketten für ihn angesagt, ich sei dick genug ;-)
      Liebe Grüße, Petra

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  3. Ach die liebe PR und die KundInnen die immer noch weiter im Preis drücken wollen … Es gibt immer mal wieder so Phasen, da möchte ich alles hinwerfen und ein Leben als Waldschrat beginnen. Ich glaube allerdings, dass meine verwöhnten Hauskatzen von dieser Idee nicht zu viel halten würden. Bleibt also nur tapfer durchhalten, die Spaghetti gut dosieren und weiter die Werbetrommel rühren, damit man uns findet. Vielleicht klappt es dann bald auch wieder mit dem Schnitzel. ;)

    Ich drücke dir die Daumen, dass es weiter gut bergauf geht!

    Liebe Grüße,
    Sam

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    1. Danke für die guten Wünsche, Sam!
      Ja, die Hartnäckigkeit und das Durchhalten und die Katzen und Hunde helfen. Ich glaube auch daran, dass sich Qualität und Leidenschaft langfristig bewähren, egal, was man macht. Nur muss man heutzutage, im Geblöke eines Überangebots und einer Übersättigung noch Wege finden, sich sichtbar zu machen. Am besten bei Multiplikatoren, Leuten, die einen breit weiterempfehlen. (Übrigens gibt's da bei Instagram international für Künstler ganz gute Ideen).

      Wenn ich bei der Akquise einen Durchhänger habe, stelle ich mir die Jobs vor, die ich stattdessen angestellt bekommen hätte. Etwa diesen einen als lei(t)dende Redakteurin bei einem Anzeigenkäsblatt mit voller Verantwortung und fetten 400 Euro für den Fast-Ganztags-Job. Bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis und den Inhalten käme mir wohl das Schnitzel irgendwann wieder hoch ;-)

      Ich esse übrigens für mein Leben gern Spaghetti. Zur Jahreszeit mit frisch gekochter Tomatensoße und leckerem Gemüse vom Markt.

      Ich drück dir auch kräftig die Daumen - du machst so schöne Sachen!
      Libe Grüße,
      Petra

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  4. Stimmt. Nichts ist umsonst. Meist begreift man das erst in einer leidvollen Phase, dann aber umso intensiver.

    Ich habe übrigens gerade mal experimentiert. Das ließe sich ausweiten, gerade im Hinblick auf die kommenden besucherstarken Monate in meinen Blogs:
    http://www.elkeskindergeschichten.de/2016/07/29/tante-milas-tolle-idee/

    Lieber Gruß
    Ele

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    1. Das ist ja süß (die Geschichte) und lieb (die Links), danke, liebe Elke! :-)
      Übrigens ist der Link zu meinem Shop ganz einfach http://tetebrec.dawanda.com
      Über den springt die Website dann automatisch in die richtige Sprache.
      Merci und liebe Grüße,
      Tante ... äh Petra

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