Jagdfieber

Kürzlich habe ich mein neues Buchprojekt beschrieben. Darin heißt es: "Und vielleicht kann ich das ein oder andere Foto aus jener Zeit, aus jener exotischen Gegend beschaffen." Das ist nun Schnee von gestern. Es kommt mir zugute, dass ich professionelle Recherche gelernt habe und auch schon für Verlage Abbildungen suchen durfte - nun bin ich nämlich in eigener Sache versumpft in Museen und Archiven, Fotodatenbanken, rund um den Globus dank Internet. Und nach ein paar Stunden bin ich derart vom Jagdfieber gepackt wie schon lange nicht mehr!

Ich habe nämlich Fotos gefunden, die alles übertreffen, was ich mir erhofft habe. Es geht um die Zeit um etwa 1900 - allein deshalb ist es schon ein Glück, wenn man Bildmaterial in ausreichender Qualität findet. Nun aber bin ich sogar auf eine damals absolut populäre Erfindung gestoßen: Stereokarten! Man hat um die Jahrhundertwende Stereoskopien verschickt, die man mit einem speziellen Aparat anschaute, die aber auch bei leichtem Schielen zu einem 3-D-Bild werden. Kaum zu glauben, aber ich halte solche Bilder von den Schauplätzen jenes Romans und der Tagebücher in Händen. Ob das auch auf dem E-Reader funktionieren wird? Doch nicht nur das ... anderes Material zeigt Menschen, die im Buch vorkommen, selbst vom Schiff, mit dem die Autorin ans andere Ende der Welt reiste, gibt es Fotos! Das Material ist so fantastisch, dass es nicht nur mein Essay beeinflussen wird, sondern parallel zu den Texten eine beredte Sprache spricht. Teilweise ist es allerdings auch von einer Brutalität, wie man sie heutigen Medien vorwirft, Bilder, die sich damals durchaus auch in den Boudoirs der Damen der Gesellschaft wiederfanden. Kurzum: Zeitzeugenmaterial, von dem man nur träumen kann.

Zu früh frohlocken sollte man jedoch nie: Es bleibt mir noch ein gutes Stück Recherchearbeit um die Rechte vor allem einer Firma, nebst Rücksprache mit dem Anwalt bei den kniffligeren Fällen. Leider wurden da Copyrights nach Auflösung der Firma weiterverkauft. Internationale Fotorechte sind ein schwieriges Kapitel, zumal sich die Gesetze sei 1900 auch ständig verändert haben. Aber selbst mit dem garantiert rechtefreien Material kann ich schon fein illustrieren.

Damit kommt eine weitere herausgeberische Frage auf mich zu. Der Text hat jetzt schon ca. 400 Seiten. Natürlich kann man E-Books unendlich aufblasen, sie kosten ja kein Papier. Aber sind sie dann noch lesefreundlich? Oder verträgt ein solch reichhaltiges Buch nicht vielleicht sogar zwei Bände? Sollte ich lieber auf zu viele Fotos verzichten? Es bleibt spannend.

PS: Ich hätte gern eine Kostprobe der Bilder hier gezeigt, aber dann ist eindeutig klar, wo das Buch spielt. So viel will ich noch nicht verraten.

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