cronenburg

feuilles et ton - lose Blätter und Sprache - Kritiken, Kritisches und Kultur -

Name: PvC
Standort: France

Nicht Kronenbourg wie das Bier. Nicht Cronenbourg wie der Stadtteil von Strasbourg. Auch nicht Kronborg / Kroneburg wie Hamlet's Schloss. Einfach nur CRONENBURG wie PETRA VAN CRONENBURG auf http://www.cronenburg.net

1.8.08

Hundstage

Wir radieren jetzt diese Woche aus. Am Mittwoch kam ich überraschend und plötzlich unters Messer (Weisheitszahn gezogen) und heute musste Rocco genauso ungeplant und fix gleich in Narkose (Widerhakensamen von geum urbanum ans Trommelfell gewandert.). Jetzt trinken wir zusammen Sekt, das heißt, Rocco schläft seinen Narkoserausch aus und ich trinke. Und dann lassen wir diesen Blog eine Weile einen Blog sein und genießen das Leben, den Vogesenwald, das Leben und überhaupt.

Dieser Eintrag in memoriam einer deutschen Freundin, die mich einmal entsetzt fragte: "Was, du gehst in Frankreich zum Arzt!?!" Tja, meine Liebe, sogar auf dem Dorf!
La vie est belle. Tout va bien. Santé à tous!

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23.7.08

Mein Hund und ich

Jeder kennt den bereits abgegriffenen, aber immer wieder wahren Gag, dass mancher Hundebesitzer genauso aussieht wie sein Zweibeiner. Wissenschaftlich konnte noch nicht geklärt werden, ob man sich wie bei einer langjährigen Ehe langsam angleicht oder sich automatisch die passende Hunderasse sucht.

Kürzlich wurde dann im Fernsehen ein Bildband empfohlen, der beweist, dass Schriftsteller ein besonders inniges Verhältnis zu ihren Hunden hätten (Christen: Musen auf vier Pfoten, Autorenhaus), angeblich, so der Rezensent, weil die so brav dem einsamen Schreiber in der Kammer zuhörten. Ein Gerücht, sage ich nur, denn wenn meine Texte wirklich gut sind, schläft mein Hund augenblicklich beim Vorlesen ein. Er nickt auch nicht, wenn ich ihm Plots erkläre. Er zeigt mir lieber Leichen (unlängst ein Reh in starker Auflösung). Aber, so heißt es ja, der Hund ähnle erschreckend seinem Menschen!

Außerdem ist die Buchidee fürs Geschenkbuch-Genre famos. Man weiß ja bereits, dass es auch nur ganz speziell die Weibchen, pardon, die Schriftstellerinnen mit Hunden (und Katzen sowieso) haben (Jürgs: Schwarze Hunde. Bunte Hunde, Aviva). Und nach den Hunden der Maler, die bereits gedruckt sind, können wir in die Vollen greifen: Ich sehe Bücher vor mir über die Hunde der Metzger, der Förster, der Lehrerinnen, der Fotografen, der Malermeisterinnen, der Pfarrer...

Egal. Hund sieht angeblich aus wie Mensch. Und umgekehrt. Seither betrachte ich mich verschärft im Spiegel. Ich hätte gern diese vielsagenden bernsteinfarbenen Augen, bringe es aber leider nur zu Mausgrau. Zugegeben, seit ich keine Huskies mehr habe, fiel auch mein Pelz auf Kurzhaar. Ich hätte gern Roccos gesunde starke Zähne und seine Energie. Aber ich hasse angematschte Büffelhaut und finde seine Hundekekse fad. Wir haben nicht immer den gleichen Musikgeschmack und wenn er sich alte Grzimek-Filme oder Rosamunde Pilcher reinzieht, flüchte ich. Gestern küsste er doch tatsächlich ein Erdferkel auf der Mattscheibe ab, ein Erdferkel! Rocco riecht heimelig nach einer Mischung aus Teddybär und Fleischbrühe - ich bevorzuge derzeit eher vanillige Noten. Und dann diese leicht hängenden Lefzen... ich weiß nicht.

Trotzdem bin ich froh um diese Parallele zwischen Hund und Mensch: sie spart mir verdammt viel Geld für aktuelle Autorenfotos. Die hätte ich dann nämlich schon mal:
Demnach wäre das hier eine typische Schriftstellerinnenpose:

Und das soll mein Ebenbild sein:

Was bitte schließen wir daraus???

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24.5.08

Spielen will gelernt sein

Mein Hund Rocco liebt Bälle (B wie Beute). Und weil es Tage gibt, an denen seine Menschin die Zwei-Stunden-Bergtour nicht schafft, ist Spielen eine willkommene Möglichkeit, den Energiebolzen müde zu bekommen. Leider ist Hundespielzeug selten auf mehr als zwei Tage Lebenszeit ausgelegt - nicht bei einem intelligenten Hund dieser Kiefergröße. Und alles, was man nicht kaputt kriegt, wie Tennisbälle, ist nicht interessant. Was tun?
Ich schlich bisher traurig an Bällen aller Größen und Sonderangebote vorbei, bis mir heute ein Basketball in die Hände fiel. Klasse, dachte ich, den kriegt er weder in sein Maul noch so schnell platt.

Wenn Menschen denken, lacht sich der Hund eins. Als er mich endlich müde getobt hatte, widmete er sich aufmerksam seiner Beute. Mit diesem eigenartigen Erfinderblick, den kleine Kinder manchmal haben, wenn sie Käfern die Beine ausreißen oder Frösche zerlegen. Auch für Rocco ist Beute offensichtlich langweilig, wenn man nicht eruieren kann, wie das Gedärm drinnen aussieht.

Dann der Heureka-Blick. Die Spitze des Reißzahns vorsichtig ins Ventil gedrückt, die Pfote auf den Ball - pfffff. Erfolgserlebnis. Endlich ist er etwas schlapper, so dass man ihn doch ins riesige Maul bekommt und verschleppen kann. Die Menschin stört schon wieder. Na warte, Menschin, ich zeig dir dummem Lebewesen auf zwei Beinen, wie man harte Bälle tötet! Ventil gesucht, Reißzahn leicht hineingedrückt, Pfote auf den Ball - pffffff. So kommt es, dass ich jetzt einen stolzgeblähten Hund und einen ziemlich fertigen Ball besitze...

Übrigens - die Rechercheurin in mir wollte natürlich wissen, wie dieser Intelligenzbolzen das winzige Ventil findet. Er hat es sich am Aufdruck gemerkt! An diesem dämlichen Warnhinweis für Menschen, der dort das übliche Farbmuster unterbricht!

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5.5.08

Verlogene Geschichten

Schreiben Sie über Tiere, das ist was fürs Herz und wird immer gekauft! So lautete einmal ein Ratschlag während meiner Volontärsausbildung. Eine Menge Kollegen scheinen darauf gehört zu haben, denn Knut bringt Knete und die herzallerliebsten Tierärzte und Tierärztinnen im Fernsehen sind Legion.

Aber selbst mein Hund, der Tierdokus bei ARTE und Rosamunde Pilcher bevorzugt, schläft dabei gnadenlos ein, weil die Tierlaute nicht zu den Bildern passen oder von satten Langweilern stammen müssen. Ich dagegen staune: Da rennt und fleucht es ohne Halsband und Leine, aber immer nach Knigge - und Affen hören besser auf Mensch als die eigene Schwiegermutter. Tierarztbesuche wirken wie eine Kreuzung aus Wellnessaufenthalt und geistlichem Beistand, am liebsten möchte man einmal wöchentlich einen absolvieren oder gleich Tierarzt werden. Oder Assistentin, um sich in den feschen Klinikleiter zu verlieben...

Nicht dass meine Tierärztin nicht auch zum Verlieben wäre - Rocco steht auf sie ganz besonders. Aber der Rest dieser Tierarztgeschichten ist Kolportage. Dreiste Lüge.

Wir haben uns vorhin zwecks Impfung einen Luxusaufenthalt in unserer Luxusklinik gegönnt. Inzwischen kann man dort auf dem Flachbildschirm Videoanimationen anschauen, die von sämtlichen Pharmafirmen des Landes gesponsert sind. Rocco liebt den falschen Hund, der beim Schütteln alle Haare verliert, weil Herrchen sich das Flohpuder gespart hat, und verbellt die Pixelkatzen. Ich finde die Riesenzecken und Darmparasiten einfach geil, herrliche Monster. Aber nach der dritten Endlosschleife finde ich, ich hätte mit Termin genug gewartet.

Und dann die anderen Wartenden... Kommen zwei mit Riesenkater auf dem Arm und wollen das flusige Vieh frei laufen lassen. Ich vorsichtig: "Sehen Sie meinen Hund?" (Schäferhundgröße). Er überlegt, sie überlegt, Rocco tropft der Zahn. Schließlich kommt Katerchen doch in die Box. Ruhe kehrt ein. Dreht er die Öffnung der Box zu Rocco. Kater starrt. Rocco starrt. Ich höflich: "Das ist jetzt vielleicht keine so gute Idee, mein Hund hasst Katzen." Er ganz freudig: "Och, das macht nichts, mein Kater hat keine Angst und der will den Hund anschauen. Und der Hund hat Angst?" Ich frecher: "Nein, der hat keine Angst. Katzen sind für ihn Nahrung, Futter." Roccos Zahn tropft, er ist kaum zu halten. Sie zu ihm: "Du, vielleicht ist es doch besser, ihn zu drehen. Was muss Katerchen sonst denken!" Tja, was muss der wohl denken über solche Menschen?

Ewiges Warten wegen Notfall, 24 Grad im Schatten draußen und die Klimanlage ist schlicht nicht eingeschaltet. Nach einer Stunde kommt endlich eine Assistentin auf die glorreiche Idee, den richtigen Knopf zu betätigen. Ich mach es kurz und schmerzlos: Mag ja sein, dass man gewisse Tiere ohne Leine apathisch neben sich setzen kann, wenn von links das Hamsterchen müffelt und rechts die Katze keift. Mein Rocco kann das nicht. Und wenn er weiß, dass er zur hübschen Ärztin soll, hört er auch nicht mehr auf mich.

Die Menschin versucht derweil die Befehle in drei Sprachen (normalerweise spricht er Französisch), untermalt von leckeren Belohnungen, die achtlos auf dem Boden liegen gelassen werden. Wozu Trockenfutter, wenn überall Lebendfutter platziert ist! Außerdem muss man diesen fiesen, gefährlich dreinblickenden Dobermann am Stachelhalsband so richtig verbellen. Dobermann bellt mit. Im gesamten Wartezimmer fallen Menschenohren zu. Rocco bellt besser. Ob's an seinem tiefen Riesenmaul oder an der richtigen Sängeratmung liegt, weiß ich nicht. Aber er probt ja bei mir im Treppenhaus, Resonanzkörper zu nutzen.

Das Bellen stoppt dann auf natürliche Weise. Der Dobermann zieht den Schwanz ein und zittert zwischen Herrchens Beinen. Für Herrchen bricht eine Welt zusammen, mit untertassengroßen Augen starrt er das Weib an, dessen Hund sich erdreistet... Aber das Weib ist da schon völlig nass geschwitzt, bringt die Impfung wie im Alptraum hinter sich und verlässt die Tierklinik keuchend. Neben ihr eine Mischung aus Beauceron und belgischem Schäferhund, die irgendwie größer geworden ist und einen seltsamen Macho-Blick drauf hat...

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26.2.08

Der Menschenflüsterer

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Rocco, ich bin eine edle Mischung aus einem Malinois, der kurzhaarigen Variante des belgischen Schäferhundes, und einem Beauceron oder Berger de Beauce, einem französischen Hirten- und Gebrauchshund. Und nebenbei - ich lebe mit der Autorin zusammen. Gestern hat mir meine Menschin einen Artikel in der taz vorgelesen, von einer toughen Hundeflüsterin, die es mit Schäferhunden hat und in Israel meine Artgenossen fürs Militär trainiert hat.

Ich betrachte solche Artikel mit gemischten Gefühlen. Es mag mich ja jetzt schon kaum einer (wobei ich fremden Menschen gegenüber auch eher zurückhaltend bin). Selbst Freunde oder andere Hundehalter wollen mich auch nicht für wenige Stunden hüten - sie haben Angst. Auf die Frage nach dem Warum antworten sie wie aus der Pistole geschossen: "Der sieht aus wie diese Leichenhunde aus dem Tatort oder dem Polizeiruf!"

Ja, Herrschaften, was würdet ihr ohne unsereins tun? Eure Leichen selbst suchen? Mit der Nase in Trümmern nach Überlebenden schnüffeln? Wie viele Sorten Sprengstoff kann euer nutzloser Gesichtserker unterscheiden? Seht ihr einem Koffer die Drogen an? Wer bitte riskiert ständig, weltweit, sein Leben für euch bei Polizeieinsätzen, in Antiterroraktionen und bei Naturkatastrophen? Und wenn man dann mal privat sein will und frei hat, hört man nur ein "Iiiiih, der sieht ja aus wie ein Leichenhund!" Pfui, Mensch.

Jetzt, nach der Hundeflüsterin mit dem Stachelhalsband, höre ich die Deutschen schon wieder aufschreien. Dabei erinnere ich mich nicht ohne Grinsen an die Zeit, als meine Menschin mich aus dem Tierheim holte und mal schnell von Huskies auf einen Gebrauchshund umsteigen wollte. Ich war gut ausgebildet, aber sie nicht. Naiv die Frau. Dachte, wer Jahrzehnte mit fünf Huskies umging, könne das mal einfach auf einen ausgebildeten Schutzhund übertragen! Mein erster unangekünigter Ansitz auf ein Wildschwein hat ihr fast die Schulter ausgerenkt. Der Tierarzt hat sie dann verarztet: "So einen Hund können sie nicht normal festhalten, das will gelernt sein." Menschen brauchen, wie gesagt, immer etwas länger...

Aber eins hat mich an dem Artikel dann doch aufgeregt. Diese Sache mit dem Alphatier Mensch ist ja gut und richtig. Natürlich wollen wir Konsequenz, Eindeutigkeit und ein festes soziales Gefüge mit Hierarchie, auf das wir uns verlassen können (übrigens alle Hunde - und wir können in Sachen Konsequenz als Vertrauensraum die Menschen lehren!). Aber das heißt doch bitte nicht, dass man deshalb so einem dollen Kerl wie mir das Bett verbieten müsste! Gut, wenn ich Mensch wäre, ich würde mich auch nicht mit jedem Polizeihund in die Kissen kuscheln. Die Kollegen sind manchmal etwas rüde. Aber bitte, man kann doch auch im Bett Alpha bleiben!

Ich will den Menschen mal was flüstern: Diese Dominanzprobleme mit dem Hund im Bett habt ihr nur, wenn ihr selbst nicht wisst, was ihr wollt! Eine Menschin, die dem Hund gegenüber Befehle erteilen und Alphatier sein will, die aber ihrem Männe gegenüber kuscht und den Müll selbst rausträgt, ja also bitte - das ist doch nicht glaubhaft! Da lacht doch der Hund! Oder glaubt ihr, wir riechen es nicht, wenn einer woanders rudelt, äh fremdgeht und damit die Hierarchie daheim zerbricht? Kurzum: Wenn der Hund nur deshalb nicht mehr gehorcht, weil er ins Bett darf, dann stimmt eindeutig in euren Betten was nicht.

Wölfe schlafen im Rudel. Sie rufen sich nachts, jeder singt sein eigenes Lied, um den Platz in diesem Rudel zu fühlen, sich zu versichern, wo genau er in der Hierarchie steht. Wir Hunde sind da nicht anders. Zeigen Sie die Vormachtstellung eines Alphawolfes auch im Bett: Das ist MEIN Kopfkissen, MEIN Liegeplatz ... und wenn du deinen schweren Kopf nachts wieder auf meinen Hals legst, dann knurre ich fürchterlich. Und wenn du mich ansabberst, drehe ich mich weg oder sabbere zurück. Zeigt uns einfach, dass ihr richtige Hunde sein könnt!

Ich muss los, arbeiten. In meinem Fall: Meterlange Wühlmaus- und Maulwurfgänge freilegen und das Viech in Nullkommanichts aufspüren. Irgendeinen Ersatz braucht unsereins schließlich, liegen ja nicht überall so viele Leichen herum wie im Tatort...

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